Feuerwehr
Krummhörn steht vor großen Investitionen
Rund sieben Millionen Euro werden für die zweite Stufe der Modernisierung der Krummhörner Feuerwehren notwendig. Das ist aber noch nicht das Ende der Fahnenstange.
Krummhörn - Die Politik in der Gemeinde Krummhörn tut sich immer wieder schwer beim Thema Feuerwehr. War es im vergangenen Jahr der Feuerwehrbedarfsplan, der erst nach langem Hin und Her beschlossen wurde, waren es nun neue Anschaffungen. Doch steht fest: In den kommenden Jahren stehen millionenschwere Investitionen ins Haus.
Was und warum
Darum geht es: Nach der Fusion der Wehr Canum-Freepsum mit Pewsum-Woltzeten gab es 13 Austritte.
Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für den Brandschutz in der Gemeinde Krummhörn interessieren.
Deshalb berichten wir: Sowohl auf der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Feuerschutz als auch auf der Jahres-Pressekonferenz der Gemeinde war Feuerwehr ein Thema. Wir fassen zusammen. Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de
Dabei geht es tatsächlich vor allem um Häuser, genauer um Feuerwehrhäuser. Zwei Stück davon sollen in der 2. Umsetzungsstufe des Feuerwehrbedarfsplanes gebaut werden. Die Kosten dieser Umsetzungsstufe, in die nicht nur die Neubauten fallen, sollen sich nach ersten Schätzungen auf rund sieben Millionen Euro belaufen, so die Gemeinde jüngst auf der Jahrespressekonferenz. In der dritten Umsetzungsphase würden dann erneut zwei weitere Feuerwehrhäuser auf dem Plan stehen. Insgesamt kalkuliere die Gemeinde mit einem Investitionsvolumen für die Wehren von rund 20 Millionen Euro.
13 Austritte nach Fusion
„Das ist eine hohe finanzielle Herausforderung“, so Wolfgang Beek, Leiter des zuständigen Fachbereichs, bei der Pressekonferenz. Allein im vergangenen Jahr investierte die Gemeinde 653.500 Euro in die Wehren der Krummhörn, laufende Kosten seien in dieser Summe nicht eingerechnet. Allerdings wurden auch gleich zwei neue Fahrzeuge angeschafft, die den deutlichen Löwenanteil der Investitionen auf sich vereinen.
Bei den geplanten Feuerwehrhäusern für die Wehren Nord und Ost sei man auf einem guten Weg. Auch die Fusion der Wehr Canum-Freepsum mit der Wehr Pewsum-Woltzeten ist mittlerweile abgeschlossen. Jedoch nicht ohne Verlust in der Mannstärke. Die viel diskutierte Fusion, die zunächst ausgesetzt, dann aber doch beschlossen wurde, hatte im Wahlkampf im vergangenen Jahr für zum Teil emotionale Diskussionen gesorgt. Von den 20 Mitgliedern der Einsatzabteilung der Wehr Canum-Freepsum sind, das bestätigte Gemeindebrandmeister Jan-Jürgen Lüpkes im Gespräch mit unserer Zeitung, nur drei in die neue Wehr Krummhörn-Mitte gewechselt. „Der Brandschutz war aber zu keinem Zeitpunkt gefährdet“, so Lüpkes. Schon zuvor sei bei Einsätzen im Gebiet der Wehr Canum-Freepsum stets Pewsum-Woltzeten mit alarmiert worden.
Diskussion über Defibrillatoren
Diese Austritte schlagen sich auch in der Jahresbilanz von Lüpkes nieder, die er dem Feuerschutz-Ausschuss vorstellte. Wie der Gemeindebrandmeister berichtete, zählt der Nachwuchs der Feuerwehr Krummhörn derzeit 46 Kinder. Allein 30 habe man bei einer einzigen Aktion im Jahr 2021 dazugewinnen können, so Lüpkes. Anders sieht die Entwicklung bei den aktiven Mitgliedern aus. Gegenüber dem Vorjahr muss die Feuerwehr nun mit 15 Einsatzkräften weniger auskommen, insgesamt sind es noch 285 Frauen und Männer, die sich ehrenamtlich in der Feuerwehr Krummhörn engagieren. Die Jugendwehr hat 68 Mitglieder, die Alters- und Ehrenfeuerwehr kommt auf 89 Kameradinnen und Kameraden. Im Jahr 2021 leistete die Feuerwehr Krummhörn 78 Einsätze. 32 Mal waren Brände zu bekämpfen, der Rest entfiel auf technische Hilfeleistungen. Die meisten davon wegen Sturm- und Starkregenschäden. Zusammen leisteten die Aktiven 11.809 Einsatzstunden. Ohne die Stunden der Führungskräfte, wie Lüpkes betonte.
Auf der gleichen Sitzung wurde auch über verschiedene Anschaffungen für die Feuerwehren abgestimmt. Diskussionen gab es beim Thema Defibrillatoren. Auf Antrag des Kommandos der Gemeindefeuerwehr sollten sechs mobile Defibrillatoren angeschafft werden. Die Geräte dienen zur Wiederbelebung von Menschen, die eine Herzattacke erleiden. Die Kosten für die sechs Exemplare liegen nach Aussage der Krummhörner Gemeindeverwaltung bei rund 8000 bis 10.000 Euro. Die Feuerwehr möchte damit jeden Standort ausstatten: Nord, Ost, Süd, West, Mitte und Visquard. Einerseits, um bei Einsätzen im Notfall helfen zu können, andererseits zum Schutz der eigenen Kameradinnen und Kameraden.
Hierzu gab es, gerade seitens der Verwaltung, Bedenken, ob die Anschaffung notwendig sei. Die Kosten würden in keinem Verhältnis zur wahrscheinlichen Einsatzhäufigkeit stehen, wandte die Verwaltung ein, und wies auf den Rettungsdienst hin. Nach ausführlicher Abwägung des Für und Wider setzte sich schließlich ein Kompromissvorschlag von Ausschussmitglied Frank Wübbena (SPD) durch: Angeschafft wird zunächst nur ein Defibrillator für den Einsatzleitwagen eins (ELW 1). Bei Neuanschaffungen wird das Gerät gleich mitbestellt.
Mit der verabschiedeten Kompromisslösung könne er trotzdem gut leben, sagte Lüpkes im Nachgang der Sitzung unserer Zeitung. „Ein Defibrillator ist besser als keiner. Und die anderen kommen dann eben nach und nach.“ Einstimmig beschloss der Ausschuss außerdem, eine Schleifkorbtrage und Schwimmsaugkörbe für die Feuerwehr anzuschaffen. Darüber hinaus wird die Kinderfeuerwehr mit 35 Regenjacken ausgestattet.