Natur
Artenschutz hat Vorrang: Wieke wird nicht geräumt
Eine Gruppe von Neukamperfehnern sorgt sich um den Zustand der Hauptwieke, die immer weiter zuwuchert. Doch der Landkreis bleibt hart. Nun hoffen die Neukamperfehner Anwohner auf Hilfe aus Hannover.
Neukamperfehn - Die Hauptwieke in Neukamperfehn wird bis auf weiteres nicht geräumt werden. Bei einem Treffen zwischen Entwässerungsverband, Naturschutzbehörde und Gemeinde erklärte Detlef Kolthoff vom Naturschutzamt des Landkreises Leer, dass der Artenschutz keine Räumung zulasse. Nur eine Behinderung des Wasserabflusses würde einen solchen Eingriff rechtfertigen. „Die Entwässerung ist aktuell nicht eingeschränkt“, hatte Adolf Wilken vom Entwässerungsverband Oldersum jedoch bereits im Januar auf Anfrage erklärt.
Was und warum
Darum geht es: Eine Räumung der Hauptwieke in Neukamperfehn ist vorerst vom Tisch.
Vor allem interessant für: Menschen, die ihn Fehnorten leben.
Deshalb berichten wir: Ein Treffen der beteiligten Behörden brachte jüngst Klarheit über das weitere Vorgehen in Neukamperfehn. Den Autor erreichen Sie unter: t.ruemmele@zgo.de
Einige Anwohner der Hauptwieke kämpfen seit Monaten für eine Räumung des Kanals. Sie beklagen, dass die Wieke in den Sommermonaten fast vollständig zuwuchert ist. Ursache dafür ist die Krebsschere, eine seltene Pflanzenart. Sie ist streng geschützt. In ihrem Schlepptau verbirgt sich eine weitere geschützte Art: die Grüne Mosaikjungfer. Diese Libellenart überlebt nur dort, wo auch die Krebsschere heimisch ist.
Brief an den Umweltminister
Die Anwohner der Hauptwieke haben sich unter der Führung von Karl Heinz Böhm organisiert. Sie befürchten, dass die Wieke ohne eine Räumung verschlammen wird. Zudem könnte der hohe Bestand an Krebsscheren den Sauerstoffgehalt im Wasser verringern und damit den Lebensraum von Fischen zerstören. „Am Grund ist die Wieke ökologisch bereits tot“, so Böhm. Er will sich auch mit der neuerlichen Verweigerung einer Räumung nicht zufrieden geben. „Wir werden weiter an unseren Forderungen festhalten“, sagt Böhm. Inzwischen wandte er sich vor einer Woche sogar an den Niedersächsischen Umweltminister Olaf Lies (SPD) und fordert von diesem in einem Schreiben, sich für eine „naturschutzkonforme Räumung der Wieke einzusetzen“. „Sollte keine Entschlammung erfolgen, ist in wenigen Jahren die Wieke komplett versandet, der Krebsschere und der Mosaikjungfer der Lebensraum entzogen und das Landschaftsbild des Fehngebietes unwiederbringlich zerstört!“, so Böhm in seinem Brief an den Minister. Eine Antwort steht bislang aus.
Die beiden streng geschützten Arten haben in Ostfriesland aber auch Fürsprecher. So meldete sich jüngst Rolf Runge, Vorsitzender des BUND-Regionalverbandes Ostfriesland, mit einer schriftlichen Erklärung zu Wort. „Die Libelle ist auch auf europäischer Ebene streng geschützt; ein Verstoß gegen diesen Schutz ist eine Straftat!“, betont Runge. „Die Krebsschere und damit auch die Grüne Mosaikjungfer waren bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts in Ostfriesland noch weit verbreitet.“ Doch unter anderem durch Gewässerräumungen seien diese Bestände stark zurückgegangen. „2009 konnten in den Landkreisen Leer und Aurich nur noch fünf Krebsscherenvorkommen nachgewiesen werden“, so Runge. „Da die beiden Arten durch menschliche Aktivitäten in Ostfriesland fast zum Aussterben gebracht wurden, wäre es unverantwortlich, vorhandene Restlebensräume zu vernichten.“
Wieken-Anwohner Böhm will weiter für eine Räumung kämpfen, zeigt sich aber kompromissbereit. So sei etwa auch eine teilweise Räumung oder eine Räumung an nur einer Seite des Kanals vorstellbar. „Ich bin sicher, dass es da Wege im Einklang mit dem Naturschutz gibt“, sagt Böhm. Joachim Brahms, Bürgermeister von Neukamperfehn, kündigte an, dass es im Sommer ein weiteres Treffen der beteiligten Behörden geben soll. Bis dahin solle die weitere Entwicklung beobachtet werden.