Energiekosten
750 Euro mehr im Jahr: EWE erhöht Strom- und Gaspreise
Den Kunden der EWE AG flattert in den nächsten Tagen unangenehme Post ins Haus: Der Energiedienstleister erhöht zum 1. April seine Gaspreise um 41 Prozent. Betroffen sind Hunderttausende.
Ostfriesland/Oldenburg - Der Oldenburger Energieversorger EWE hat am Donnerstag angekündigt, sowohl seine Strompreise als auch seine Gaspreise bereits zum 1. April dieses Jahres drastisch zu erhöhen. Für Gaskunden bedeutet dies ein Plus von 41 Prozent, für Stromkunden ein Plus von 9,5 Prozent. Ein sogenannter Standardhaushalt mit zwei bis drei Personen zahlt dann im Vergleich zum Vorjahr 95,50 Euro mehr für Strom und 644,00 Euro mehr für Gas.
Betroffen sind im Verbreitungsgebiet der EWE zunächst 300.000 Stromkunden sowie etwa 170.000 Gaskunden aus der sogenannten Grund- und Ersatzversorgung. Das sind Kunden, die die Tarife „EWE Erdgas Comfort“ und „EWE Strom Comfort“ gebucht haben. Aber auch auf Kunden mit sogenannten Laufzeitverträgen dürften ähnlich große Preissprünge zukommen. Das teilte die EWE AG am Donnerstagmittag in einer Online-Pressekonferenz mit.
Schuld der Discounter?
Als Grund für die Preisanhebung nannte EWE-Marktvorstand Michael Heidkamp die Insolvenzen oder Kündigungen von Energiediscountern und die angespannte politische Lage in Teilen Osteuropas. „Die Preisdynamik auf dem Energiemarkt treibt immer mehr Energieanbieter – zumeist so genannte Discounter – in die Insolvenz oder veranlasst sie zum Lieferstopp“, sagte Heidkampf. Das sei die Konsequenz von spekulativen Geschäftsmodellen vieler Billiganbieter, die ihre Energie zumeist kurzfristig am Markt einkauften. Die betroffenen Kunden dieser Anbieter könnten nun aber auf EWE als ihren Grundversorger zählen. „Wir versorgen diese Kunden nahtlos weiter, damit es auch für sie warm und hell bleibt“, sagte Heidkampf. Rund 70.000 Kunden von insolventen Versorgern oder solchen, die ihre Lieferung gestoppt haben muss EWE Heidkamp zufolge seit Ende letzten Jahres unerwartet in die so genannte Ersatzversorgung aufnehmen. Für diese Kunden habe die EWE kurzfristig relativ teure Energie einkaufen müssen.
„Uns ist bewusst, dass dies für viele Kunden eine erhebliche finanzielle Belastung darstellt. Wir werden unsere Preise in diesem Jahr deshalb sehr regelmäßig überprüfen, um eventuelle Senkungspotenziale dann zeitnah zu nutzen“, erklärte EWE-Vertriebschef Oliver Bolay. Aber auch weitere Preissteigerungen schloss er am Donnerstag nicht aus. EWE führe die jetzige, hohe Anpassung erst zum Ende der laufenden Heizperiode durch und habe bislang die Auswirkungen der Energiepreiskrise für die Kunden durch eine gute Planung und kluge Beschaffungsstrategie so gering wie eben möglich gehalten. Darauf sei auch weiter Verlass.
Steigende Kosten
Oliver Bolay nannte Gründe für das Rekordniveau, auf denen sich die Bezugskosten für Strom und Gas derzeit bewegen: Ihm zufolge ist die weltweit hohe Nachfrage nach Gas ausschlaggebend. Auch der deutsche Gasmarkt sei nach wie vor bestimmt von einerseits hoher Nachfrage und andererseits Versorgungsengpässen und niedrigen Speicherfüllständen. Die aktuelle Strompreisentwicklung kann laut Bolay nicht länger durch die gesunkene EEG-Umlage kompensiert werden, die EWE noch zu Beginn dieses Jahres zu einer leichten Strompreissenkung veranlasst hatte. „Die steigenden Rohstoffkosten sind der wesentliche Preistreiber für Strom und haben auch hier zu Preissteigerungen an den Großhandelsmärkten von mehreren hundert Prozent geführt.“
Dadurch zahlen Kunden dann für Strom einen Preis von brutto 30,48 Cent pro Kilowattstunde. Der jährliche Grundpreis bleibt laut EWE unverändert. Für Erdgas beträgt der Bruttopreis pro Kilowattstunde 10,06 Cent. Der Grundpreis bleibt auch hier unverändert. Im Vorjahresvergleich zahlt ein Durchschnittshaushalt mit den ab April dieses Jahres gültigen Preisen im Jahr für Strom 9,5 Prozent und für Gas 41 Prozent mehr. Ein Durchschnittshaushalt verbraucht etwa 2800 Kilowattstunden Strom im Jahr und 17.500 Kilowattstunden Gas im Jahr. „Mit den neuen Preisen ist EWE nach eigenen Angaben dennoch im Schnitt günstiger als andere Grundversorger, die ihre Preise zum März im Durchschnitt bei Strom um rund 29 Prozent und bei Gas um rund 52 Prozent angehoben hätten. Nach Angaben des BDEW liegt die bundesweite Preisentwicklung im Strom bei 36,19 Cent pro Kilowattstunde (plus 12,5 Prozent) und beim Gas sogar bei 12,21 Cent pro Kilowattstunde (plus 73 Prozent)“, sagte Bolay,