Artenschutz
Gehölze fallen für die Wiesenvögel in Hinte und Krummhörn
Bis Ende Februar sollen in den Gemeinden Hinte und Krummhörn einige Gehölze im EU-Vogelschutzgebiet „Krummhörn“ entfernt werden. Ziel ist der Wiesenvogelschutz.
Hinte/Krummhörn - Die Krummhörn ist an sich ein einziges Vogelschutzgebiet, auch wenn meist nur vom Freepsumer Meer die Rede ist. Doch Maßnahmen werden im gesamten Gemeindegebiet und auch in der angrenzenden Gemeinde Hinte getroffen. So zum Beispiel die Entfernung von Gehölzen, was in diesem Monat geschehen soll.
Das geht aus einer Mitteilung der beiden Gemeinden, des Landkreises Aurich und des Nabu hervor. „Ziel der punktuellen Entfernung von Gehölzen ist die Rettung vom Aussterben bedrohter Wiesenvögel wie der Uferschnepfe“, heißt es in der Mitteilung. Wie Michael Steven, Leiter der ökologischen Nabu-Station Ostfriesland, auf Nachfrage mitteilt, werden die Arbeiten vor allem an Wegesrändern und in der Nähe von Gräben oder anderen Gewässern durchgeführt.
Arbeiten zwischen Freepsum und Groß Midlum
Die Arbeiten konzentrieren sich dabei vor allem auf den Bereich zwischen Freepsum und Groß Midlum. „Allerdings nicht am Freepsumer Meer“, so Steven. Hier sei man mit den entsprechenden Gehölz-Maßnahmen zunächst fertig. Die Maßnahmen dienen laut Mitteilung der Stärkung der Bestände und der Bruterfolge von Wiesenvögeln. Im Fokus stehe dabei die Uferschnepfe, die „stark auf die weiten Offenlandschaften angewiesen“ sei und intuitiv einen Abstand von mindestens 250 Metern zu Gehölzen halte. „Selbst durch mit hohem Schilf bewachsene Gräben in der weiten Sicht eingeschränkte Flächen werden gemieden, wenn sie die Möglichkeit dazu haben“, heißt es in der Mitteilung.
Entsprechend konzentriere sich die Abholzung der Gehölze auf die Bereiche in der Nähe der geeigneten Brutflächen, um diese für die Vögel attraktiver zu gestalten. Denn Gehölze, die erhöhte Punkte in der Landschaft sind, seien vor allem für die geflügelten Fressfeinde der Uferschnepfe attraktiv. „Fressfeinde wie Rabenkrähen, Mäusebussarde, Sperber und Habicht nutzen die erhöhte Aussicht von Gebüschen und Bäumen, um Eier, Küken und im Falle der Greifvögel sogar die Altvögel, auszuspähen und um sie dann zu erbeuten“, wird in der Pressemitteilung erklärt. Zudem bieten die Gehölze und Schilfstreifen Raubsäugern wie Fuchs, Steinmarder, Marderhund und Hermelin Deckung.
Gehölze zuvor begutachtet
Die Maßnahmen, die bis Ende Februar abgeschlossen sein sollen, konzentrieren sich vor allem auf aufgekommenen Jungwuchs sowie „besonders negativ wirkender Gehölzbestände“. Alle Bestände, die entfernt werden sollen, wurden „vorher intensiv durch einen Gutachter auf Fledermausvorkommen untersucht“. Wenn festgestellt wurde, dass die Gehölze für die Fledermauspopulation oder für Graureiher von besonderer Bedeutung sind, bleiben diese bestehen. Bei den Junggehölzen seien vor allem sich stark ausbreitende Baumarten wie Erlen, Birken und Eschen betroffen.
Die Wirkung der Baumfällungen und weiteren Maßnahmen auf den Klimaschutz seien „zu vernachlässigen“, heißt es. „Der Schutz der in der Moormarsch unter der Kleischicht liegenden organischen Böden vor Austrocknung und zu starker Entwässerung ist dafür viel gravierender.“ Neben den beschriebenen Maßnahmen würden in Kooperation mit der Jägerschaft und den örtlichen Landwirten weitere Maßnahmen zur Förderung der Wiesenvögel durchgeführt. Hierzu gehört die Ausweitung der Beweidung, die Pflege von Gräben, Einrichtung von Grüppenstauen oder die Regulierung von Fressfeinden wie Fuchs und Marder.