Technik
Ladestandard für E-Schiffe wird in Norddeich entwickelt
Noch sind Elektroschiffe ein Nischenprodukt, aber das soll sich auch dank der Norddeicher Reederei Frisia ändern. Mit ihr wird im Rahmen eines EU-Projekts ein Standard für Ladegeräte entwickelt.
Norddeich - Bis zum Jahr 2050 möchte Europa der erste CO2-neutrale Kontinent werden. Um das zu schaffen, soll unter anderem die Entwicklung von Elektroschiffen vorangetrieben werden, denn die Schifffahrtsbranche soll derzeit für 13 Prozent der Verkehrsemissionen verantwortlich sein. Damit das Ziel leichter erreicht werden und auf mehr Akzeptanz stoßen kann, muss jedoch ein einheitlicher Ladestandard für die großen Batterien her – und der wird nun zusammen mit der Norddeicher AG Reederei Norden-Frisia entwickelt.
Was und warum
Darum geht es: Ein Pilotprojekt soll mehr Reedereien dazu bewegen, auf Elektroschiffe umzusteigen. Dabei spielt auch ein neuer Katamaran der Frisia eine Rolle.
Vor allem interessant für: Passagiere, die bald nicht nur schnell, sondern auch umweltfreundlicher als jetzt zu den Inseln gelangen wollen
Deshalb berichten wir: Das niederländische Unternehmen Heliox Energy hatte eine Pressemitteilung zu dem Projekt veröffentlicht und wir haben noch einmal genauer nachgefragt. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Das Pilotprojekt heißt Hypobatt. Das steht für hyper powered vessel battery charging system (Hochleistungs-Schiffsbatterie-Ladesystem) und soll von dem niederländischen Unternehmen Heliox Energy technisch umgesetzt werden. Dazu kommen 18 weitere europäische Projektpartner, die für den Schiffsbetrieb zwischen Norddeich und Norderney ein Ladesystem für E-Fähren mit einer Leistung von zwei Megawatt entwickeln wollen. Außerdem sollen neue Geschäftsmodelle für batteriebetriebene Boote entwickelt, der Fährbetrieb optimiert und die Lade-Infrastruktur auch den Hafenfahrzeugen nutzbar gemacht werden. Das bestätigt auf Nachfrage Leo Töpperwein. Er ist Sprecher von Laika Communications aus Berlin, dem für Deutschland zuständigen Pressebüro von Heliox.
Standard soll bis 2024 geschaffen werden
Eine Vereinheitlichung beim Lade-Prozess ermöglicht es, dass jedes Wasserfahrzeug an jedes Ladegerät angeschlossen werden kann. „Dafür ist Voraussetzung, dass Kommunikations-Schnittstellen zwischen Ladegerät und Fahrzeug kompatibel sind. Nur so kann eine schnelle Verkehrswende gelingen“, so Töpperwein. Angepeilt ist, dass die Entwicklung des einheitlichen Standards im übernächsten Jahr abgeschlossen sein soll.
Wie weit ist die Branche inzwischen aber eigentlich schon? Laut Töpperwein war Heliox beispielsweise auch schon an der Elektrifizierung emissionsfreier Fähren in Kopenhagen beteiligt. Darüber hinaus gebe es noch weitere Projekte in der EU. Die für das Thema Elektromobilität zuständige Frisia-Mitarbeiterin Maraike Frank ergänzt auf Nachfrage, dass die Schifffahrtsbranche diesbezüglich schon in Norwegen und in Kanada sehr weit sei. Laut ihr ist die Standardisierung dieser Ladesysteme aber schwieriger, als es bei Autos der Fall sei. Das hänge mit den massiven Größenunterschieden von Schiffen zusammen, an die sich das Ladesystem immer sofort richtig koppeln müsse, so Frank.
30 Minuten Ladezeit für Norddeich-Norderney und zurück
Um nun überhaupt Untersuchungen machen zu können, gibt die Frisia derzeit den Bau eines Elektro-Katamarans für 180 Passagiere in Auftrag. Es soll das erste Fährschiff dieser Art an der ostfriesischen Küste werden. Zum Einsatz kommen soll es ab dem nächsten Jahr. Laut Frank wird davon ausgegangen, dass die große Batterie eine Lebenszeit von zehn Jahren haben wird. Zwar könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Wasserstofftechnik ausgebaut wird und die Schiffsbranche wieder von den Batterien abweicht. Im Zweifel lasse sich der Katamaran dann aber leichter umbauen, als wenn er ein Verbrenner wäre, erklärt sie.
Mit dem Zwei-Megawatt-System von Hypobatt soll die Reederei einmal von Norddeich nach Norderney und wieder zurück fahren können. Danach sollen 30 Minuten Ladezeit ausreichen, um erneut durchzustarten. Eine einfache Überfahrt soll mit dem Elektroschiff nur noch 25 Minuten dauern, also etwa eine halbe Stunde weniger als bisher mit den großen „Verbrenner“-Fähren.
Von Vorteil sind an der ostfriesischen Küste die relativ kurzen Strecken, weshalb die Frisia in der Vergangenheit auch schon über Pläne für kleine Elektro-Passagierflugzeuge gesprochen hat. Die Entwicklung solcher umweltfreundlicheren Antriebe müsse jedoch Schritt für Schritt erfolgen, weiß Frank. Vielleicht können dann irgendwann auch die Hunderte Meter langen Tanker mit einer Ladung die Ozeane überqueren.