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Soziale Netzwerke: Auricher Senioren betreten Neuland

Nora Kraft
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Von Nora Kraft
| 02.02.2022 13:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Im Familienzentrum wurden den Teilnehmern die sozialen Netzwerke erklärt. Auch Datenschutz war ein Thema. Foto: Kraft
Im Familienzentrum wurden den Teilnehmern die sozialen Netzwerke erklärt. Auch Datenschutz war ein Thema. Foto: Kraft
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Die „Digitalen Engel“ sind deutschlandweit im Einsatz. Sie unterstützen ältere Menschen bei der Nutzung von Internet und Smartphone. Am Dienstag machte das Projekt in Aurich Halt.

Aurich - Den Kontakt zu entfernten Verwandten pflegen, Rezepte suchen, alte oder neue Freunde finden: All das und viel mehr ist auf sozialen Netzwerken möglich. Im Familienzentrum in Aurich war das bundesweite Projekt „Digitaler Engel“ zu Gast – wenn auch nur virtuell. Ein Referent stellte den sechs Teilnehmern soziale Netzwerke vor und gab Tipps zu deren Nutzung.

Was und warum

Darum geht es: Das Projekt „Dgitaler Engel“ unterstützt deutschlandweit ältere Menschen beim Umgang mit dem Internet. Unter anderem erklären sie ihnen die sozialen Netzwerke.

Vor allem interessant für: alle, die sich für soziale Netzwerke interessieren, und Menschen, die Unterstützung bei der Internetnutzung suchen

Deshalb berichten wir: Die Redaktion möchte älteren Menschen einen Impuls geben, sich mit den Themen Internet und soziale Netzwerke auseinanderzusetzen.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.kraft@zgo.de

Der „Digitale Engel“ ist ein Projekt des Berliner Vereins „Deutschland sicher im Netz“. Es unterstützt ältere Menschen bei der Nutzung des Internets. Mit Infomobils sind die Referenten, die „Digitalen Engel“, seit 2019 hauptsächlich in ländlichen Regionen unterwegs. Das Treffen im Familienzentrum fand jedoch als Hybridveranstaltung statt. Das bedeutet, dass die Senioren in einem Seminarraum vor Ort waren, während Johannes Diller, Referent des Vereins, per Videokamera aus Köln hinzugeschaltet wurde.

Datenschutz beliebtes Thema

Gänzlich unerfahren sind die Auricher im Internet jedoch nicht. Fast alle hatten ihre Smartphones vor sich auf den Tischen liegen. Ein paar wenige hätten zwar Facebook-Konten, nur würden sie diese nicht wirklich nutzen, sagten sie. Diller erklärte den Senioren die Netzwerke als „soziale Gemeinschaften im Internet, die einen Austausch von Meinungen ermöglichen“. Über Gruppen, beispielsweise auf Facebook, ließen sich Gleichgesinnte in verschiedenen Themengebieten finden, man könne sich über Veranstaltungen und Treffen informieren.

Instagram ist eine Plattform, auf der ausschließlich Fotos und Videos geteilt werden. Foto: Kraft
Instagram ist eine Plattform, auf der ausschließlich Fotos und Videos geteilt werden. Foto: Kraft

Auch den Aufbau der Foto-Plattformen Instagram und Pinterest zeigte er den Teilnehmern. Einer ärgerte sich über die vielen Benachrichtigungen, die ihn täglich per Mail von Facebook erreichten. „Das lässt sich leicht in den Einstellungen ändern“, erklärte Diller. Welche Schritte dabei genau unternommen werden müssen, zeigte der Referent Stück für Stück auf seinem Computerbildschirm. „Mit welchen Problemen kommen Senioren häufig auf Sie zu?“, wollte die Redaktion wissen. Auf Spam-Mails werde er immer wieder angesprochen, antwortete Diller. Häufig erhalte er auch ganz praktische Fragen zu bestimmten Apps oder zu Grundlagen der Smartphone- und Tablet-Nutzung. Aber auch zum Online-Banking, also zu digitalen Bankgeschäften, oder Online-Einkäufen stelle man ihm immer wieder Fragen. Er merke zwar, dass auch Interesse an den sozialen Netzwerken bestehe, allerdings seien Nachrichten-Dienste wie Whats-App bei Älteren beliebter und mehr im Alltag integriert. Auch den Datenschutz und die Privatsphäre bei sozialen Netzwerken interessiere viele, sagte der Referent. „Standardmäßig sind Profile auf sozialen Plattformen so eingestellt, dass private Informationen von jedem angesehen werden können“, erklärte er den Auricher Senioren, die ebenfalls nach der Sicherheit im Netz fragten. Man solle sich in Ruhe die Zeit nehmen, die Einstellungen durchzugehen und am Ende nicht vergessen, Änderungen zu speichern. Auf Facebook helfe einem dabei beispielsweise der sogenannte Privatsphäre-Check, den man in seinem Konto aufrufen könne. „Mal sehen, ob wir das hinkriegen“, warf Teilnehmerin Malamatenia Bruns ein, und lachte. Vieles sei „learning by doing“, antwortete ihr Mann. Das heißt, man lernt etwas, während man es selbst ausprobiert.

Malamatenia Bruns (Mitte) ist zwar auf Facebook registriert, nutzte es bisher jedoch kaum. Foto: Kraft
Malamatenia Bruns (Mitte) ist zwar auf Facebook registriert, nutzte es bisher jedoch kaum. Foto: Kraft

Einen Neustart wagen

Bei den Teilnehmern kam der Vormittag gut an. „Es war sehr viel, aber ich kann einiges mitnehmen“, sagte Anita Franzen im Anschluss an den rund 90-minütigen Vortrag. Sie wird sich jedoch nicht bei einem sozialen Netzwerk anmelden. „Ich habe einen großen Freundeskreis und bin viel mit meinen Freunden im Gespräch“, sagte die 75-Jährige. Es könne aber nicht schaden zu erfahren, was die jungen Leute machen. Sie wolle den Anschluss nicht verlieren, so Franzen. Ähnlich sah es Bruns. „Ich bewundere die jungen Leute“, sagte die 67-Jährige. „Es ist eine Bereicherung zu sehen, was sie machen.“ Sie hat ein Konto auf Facebook, das ihr Sohn für sie eingerichtet hat. Nur habe sie es kaum genutzt. Jetzt wolle sie einen Neustart wagen, sagte sie. Die gebürtige Griechin sieht viele Vorteile in dem Netzwerk. Hauptsächlich wolle sie es nutzen, um mit ihren griechischen Verwandten und Schulfreunden in Kontakt zu bleiben.

→ In einer kostenlosen Sprechstunde beantwortet das Familienzentrum Aurich Fragen rund um das Thema Smartphone und Computer sowie zu virtuellen Behördengängen oder anderen Online-Diensten. Termine können unter Telefon 04941 / 69 76 860 vereinbart werden. Auf den Internetseiten digital-kompass.de und digitaler-engel.org werden in Videos und Broschüren unter anderem Online-Einkäufe, Nachrichten oder verschiedene Unterhaltungsformate wie Streaming-Dienste erklärt.

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