Corona-Pandemie

Rund 16.000 Läden im Land droht dieses Jahr das endgültige Aus

Julia Jacobs
|
Von Julia Jacobs
| 01.02.2022 19:39 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Weihnachtsgeschäft hat viele Betriebe in den Innenstädten gerettet. Foto: Stefan Sauer/dpa
Das Weihnachtsgeschäft hat viele Betriebe in den Innenstädten gerettet. Foto: Stefan Sauer/dpa
Artikel teilen:

Die Corona-Pandemie hat das Ladensterben beschleunigt, sagt der Handelsverband Deutschland. Auch in Ostfriesland leidet der Einzelhandel. Dabei hat Niedersachsen noch einen großen Vorteil.

Berlin/Ostfriesland - Die Corona-Pandemie beschleunigt das Ladensterben in Deutschland. Der Handelsverband Deutschland (HDE) geht davon aus, dass durch die Auswirkungen der Corona-Krise in diesem Jahr noch einmal fast 16.000 Geschäften das Aus droht. Die Zahl der Ladenschließungen sei damit wahrscheinlich drei mal so hoch wie durchschnittlich in den Jahren vor der Pandemie, sagte der HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth am Dienstag in Berlin. „Gerade bei kleineren und mittleren Betrieben werden wir einen Aderlass sehen.“

Dabei hatte das Statistische Bundesamt erst zweieinhalb Stunden zuvor Zahlen veröffentlicht, die eigentlich für zufriedene Gesichter in der Branche hätten sorgen können. Denn auch im zweiten Pandemiejahr erzielte der deutsche Einzelhandel Rekordumsätze. Bereinigt um Preiserhöhungen stiegen die Umsätze 2021 noch einmal um 0,7 Prozent. Nominal lag das Umsatzplus sogar bei 2,9 Prozent. Damit landete so viel Geld in den Kassen des Handels wie noch nie.

Online-Handel gewinnt durch Pandemie

Doch profitierten davon eben nicht alle Händler gleichermaßen. Großer Gewinner war der Onlinehandel, der laut HDE allein im vergangenen Jahr seine Umsätze um gut 19 Prozent steigern konnte. Auch der Lebensmittelhandel mit seinen Supermärkten und Discountern schlug sich gut. Dagegen traf die Corona-Krise die Mode- und Schuhhändler in den Innenstädten und Einkaufszentren besonders hart. Sie büßten laut HDE in den vergangenen zwei Pandemiejahren rund 30 Prozent ihrer Umsätze ein.

Seit Ausbruch der Pandemie habe der stationäre Nicht-Lebensmittelhandel an 263 von 569 Verkaufstagen – also fast an jedem zweiten Verkaufstag – entweder unter einem Lockdown oder unter anderen Einschränkungen gelitten, rechnete Genth vor.

Kein 2G mehr in Niedersachsen

Aktuell spielt nach Einschätzung des HDE die 2G-Regelung, die nur Geimpften und Genesenen den Zutritt zu vielen Geschäften erlaubt, eine für den Handel verhängnisvolle Rolle. Nach einer aktuellen Umfrage des Verbandes unter 1300 Handelsunternehmen schätzen 46 Prozent der von der 2G-Regelung betroffenen Händler ihre Geschäftslage als schlecht ein.

Der große Vorteil in Niedersachsen: Die 2G-Regelung im Einzelhandel wurde vom Gericht gekippt. „Das ist für die Betriebe sehr hilfreich“, sagt Jörg Thoma, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelverbands Ostfriesland (EHV). Daher sei die Lage in der Region nicht ganz so dramatisch. Ladenschließungen gebe es in Ostfriesland nur sehr vereinzelt. Das liege auch daran, dass die Betriebe ein gutes Weihnachtsgeschäft verzeichneten. Die Weihnachtsmärkte konnten wieder stattfinden. „Wir haben den Weihnachtszauber in Aurich von Anfang bis Ende durchgezogen“, sagt Udo Hippen vom Kaufmännischen Verein Aurich. „Das ist ein echter Kundenmagnet und hat vielen das Geschäft gerettet“, sagt er.

Lieferschwierigkeiten belasten auch Ostfriesland

Dennoch sei der Einzelhandel auch hier stark von der Pandemie getroffen. „Das reicht lange noch nicht aus, um von Normalität zu sprechen“, sagt Thoma. Viele Betriebe seien „am Rande ihres Machbaren“. Denn die Innenstädte sind immer noch nicht wieder so gut besucht, wie vor der Pandemie. „Die hohen Inzidenzen verunsichern die Menschen“, sagt Andreas Fricke, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Leer. Und das, obwohl der Einzelhandel nachweislich kein Infektionsherd sei.

Laut Thoma sei auch das Tragen einer FFP2-Maske für viele ein Hemmnis. Zumal die Alternative so attraktiv sei: „Man kann den Einkauf auch ganz bequem am Sonntag auf dem Sofa per Mausklick erledigen“, sagt er. Er setzt große Hoffnungen auf die touristische Saison. „Der Einzelhandel in Ostfriesland ist extrem davon abhängig“, sagt er. Daher hoffe er, dass bis Ostern die Corona-Maßnahmen abflachen.

Zu schaffen machte den Händlern auch die anhaltenden Lieferschwierigkeiten. Massiv betroffen seien vor allem Sportartikel und Elektronik. Leere Regale seien allerdings nicht zu befürchten. „Es ist ausreichend Ware da. Es kann aber an der einen oder anderen Stelle schon vorkommen, dass ein Produkt mal nicht vorhanden ist“, sagt der EHV-Geschäftsführer.

Mit Material von DPA

Ähnliche Artikel