Delmenhorst
Quergedacht: Wenn Schmusesänger einen Punkt machen
In der neuen Folge unserer stets schmusigen Kolumne Quergedacht geht es um einen Blick in den Spiegel, satte Schnulzen und Spotify.
Dicker Bauch und dünne Nerven. Lange Leitung, kurze Lunte. Schwere Kost und leichte Meise. Kaltes Herz und heißer Kopf. Alter Schmerz und neue Leiden. Dunkle Stunden und heller Fleck. Harte Schale, weicher Keks. Spitz wie Lumpi, stumpfes Trauma. Trockene Kehle und feuchte Augen: Ein Blick in den Spiegel in Zeiten der Pandemie ist tatsächlich nichts für zarte Gemüter. Da ist Humor gefragt.
Und den beweist aktuell gerade der britische Singer-Songwriter James Blunt („You’re Beautiful“). Ein Mann, der auch in dieser Kolumne nicht ohne das böse Attribut Schmusesänger davonkommen soll. Wer mich fragt, was ich eigentlich gegen James Blunt und seine Schnulzen habe, dem sei gesagt: zumindest nichts Wirksames. Doch nun muss ich Abbitte leisten. Denn Blunt kennt sein Image. Und er weiß, wie Selbstironie funktioniert. Nachdem die Musik-Ikone Neil Young dem Streamingdienst Spotify untersagt hatte, seine Musik anzubieten, weil er nicht auf einer Plattform dabei sein möchte, auf der in einem Podcast ungestraft höchst umstrittene und gefährliche Corona-Thesen verbreitet werden, legt Blunt solidarisch mit einer Drohung nach. Er twitterte treffend: Sollte der Podcast nicht gestoppt werden, „werde ich neue Musik auf der Plattform veröffentlichen“. Seichte Musik, tiefgründiger Gag.