Kinderbetreuung
Wie Wiesmoor und Großefehn den Krippen-Bedarf decken wollen
Die Nachfrage nach Krippenplätzen steigt ungebrochen. Das stellt die Kommunen vor große Herausforderungen. Die Lösungsansätze in Wiesmoor und Großefehn sind vielfältig und kreativ.
Wiesmoor/Großefehn - Nach einer Geburt bleibt ein Elternteil so lange zu Hause, bis das Kind mit drei Jahren in den Kindergarten kommt: Das war vor etwas mehr als einem Jahrzehnt noch gang und gäbe. Doch heute ist das nicht mehr so. Immer mehr Eltern möchten ihre Sprösslinge in die frühkindliche Betreuung geben, also in eine Krippe. „Viele nehmen nur noch ein Jahr Elternzeit, ehe beide Elternteile wieder berufstätig sind“, sagte Heiner Schoon. Er ist in Wiesmoor für die Kindertageseinrichtungen zuständig. 2010 eröffnete die Stadt Wiesmoor im Kindergarten Kinnerhuus erstmals zwei Krippengruppen.
Was und warum
Darum geht es: Die steigende Nachfrage nach frühkindlicher Betreuung stellt Kommunen vor Herausforderungen. Wiesmoor und Großefehn suchen die Lösung auf verschiedene Weise – von Übergangscontainern über Anbauten bis neuen Gebäuden.
Vor allem interessant für: Familien mit Kleinkindern
Deshalb berichten wir: Die Nachfrage nach Krippenplätzen steigt immer weiter. Den Autor erreichen Sie unter: n.homes@zgo.de
„Damals bestand für zehn Prozent eines Jahrgangs das Interesse für einen Krippenplatz. Heute werden zwischen 40 und 50 Prozent eines Jahrgangs für die Krippe angemeldet“, erklärte Heiner Schoon die Entwicklung. Mittlerweile kann die Stadt Wiesmoor – zusätzlich zur Tagespflege – 75 Betreuungsplätze für unter Dreijährige anbieten. Der Bedarf steigt aber ungebrochen. Das stellt die Kommunen vor große Herausforderungen. Wir haben uns die Pläne, wie die Stadt Wiesmoor und die Gemeinde Großefehn der Krippen-Nachfrage gerecht werden wollen, einmal angeschaut.
Kita-Gebäude: Aus zwei mach eins
In der Stadt Wiesmoor sollen an zwei Standorten neue Krippenplätze entstehen: kurzfristig im ehemaligen Gebäude der Kita Tiddeltopp an der Mullberger Straße und mittelfristig beim Kindergarten Muuskestuuv im Ortsteil Voßbarg. Die Stadt strebt an, dass zum Start des neuen Kita-Jahrs am 1. August eine Krippengruppe mit 15 unter Dreijährigen im derzeit leerstehenden, alten Tiddeltopp-Gebäude einzieht. „Wir betrachten das als sinnvolle Nachnutzung des der Stadt gehörenden Gebäudes sowie der großen Spielplatz-Anlage draußen“, sagte Horst-Dieter Schoon, Fachbereichsleiter Ordnung. Im vergangenen Sommer war der Tiddeltopp in einen Neubau an die Wittmunder Straße gezogen. Nun soll das alte Gebäude an der Mullberger Straße, in dem unten die Krippe und oben Personal- und Lagerräume geplant sind, entsprechend saniert und hergerichtet werden.
Im Nachgang hat die Stadt Wiesmoor einen besonderen Clou vor. So soll das alte Tiddeltopp-Gebäude mit dem etwa 15 Meter entfernten Gebäude des Kindergartens Kinnerhuus durch einen Zwischenbau verbunden werden. Hintergrund ist unter anderem, dass das Kinnerhuus in puncto Mittagsverpflegung und Nachmittagsbetreuung an die Grenzen stößt. Entsprechend soll im geplanten Flachdach-Verbindungsstück neben Küchen-, Spül- und Lagerräumen auch ein Forum geschaffen werden. Dieses kann nicht nur als Mensa, sondern auch für andere Veranstaltungen wie Elternabende genutzt werden. Ziel ist es, dass der Zwischenbau zu Beginn des kommenden Jahres fertiggestellt wird. Für die Schaffung der neuen Krippenplätze im ehemaligen Tiddeltopp-Gebäude sowie für den Zwischenbau kalkuliert die Stadt mit insgesamt rund 540.000 Euro.
An- und Umbauten in Voßbarg
Deutlich mehr Geld in die Hand nehmen wird die Stadt Wiesmoor in Voßbarg. Der dortige Kindergarten Muuskestuuv ist der einzige im Stadtgebiet ohne eine angrenzende Krippe, ohne Mittagsverpflegung und ohne Nachmittagsbetreuung. „Seitens der Elternschaft wird der Wunsch danach immer größer“, sagte Horst-Dieter Schoon. Mit einem Fachplaner wurden die Gegebenheiten vor Ort beäugt. Die Erkenntnis: Mit Um- und Anbaumaßnahmen können sowohl Räumlichkeiten für eine Krippenbetreuung als auch für die Mittagsverpflegung geschaffen werden. Im Haushalt für dieses Jahr sind erstmal 50.000 Euro für die Planung eingestellt. Für die Gesamtmaßnahmen rechnet die Stadt mit rund 770.000 Euro.
Mit Blick auf diese Summe fragte Ingo Lenz (Freie Wählergemeinschaft Wiesmoor) in der jüngsten Ausschusssitzung für Soziales, Schule und Sport, wie weit man da von einem Neubau entfernt sei. „Schließlich muss man wohl einige Kompromisse eingehen“, sagte Lenz. Er spielte darauf an, dass das Grundstück der ehemaligen Schule nicht nur vom Kindergarten genutzt wird. So befinden sich dort auch die Räumlichkeiten der Dorfgemeinschaft Voßbarg sowie das Haus des Schützenvereins. Zudem ist eine Halle von der DLRG-Ortsgruppe Wiesmoor/Großefehn angemietet. Die Interessen dieser würden bei den Planungen mitberücksichtigt, versichert Horst-Dieter Schoon. Ein Neubau in Voßbarg stehe nicht zur Debatte. „Der Tiddeltopp-Neubau hat um die 1,9 Millionen Euro gekostet. Für den Preis wäre das heute nicht mehr zu realisieren“, sagte Schoon. Ausschuss-Vorsitzende Gabriele Münch (SPD) machte sich für den Erhalt alter Kita-Gebäude stark: „Die alten Häuser haben Charme. Sie vermitteln ein muckeliges Gefühl. Kinder fühlen sich da wohler als in blitzeblanken Neubauten.“
Großefehn: „Mobile Lösung“ notwendig
Auch die Gemeinde Großefehn muss aktiv werden, um der Nachfrage nach Krippenplätzen gerecht zu werden. Anvisiert wird ein großer Kita-Neubau im Zentrum. Doch aufgrund „aufwendiger Vorbereitungen und einem erforderlichen Bauleitverfahren“ rechnet die Gemeinde nicht mit einer Fertigstellung vor 2024, wie der Erste Gemeinderat Frank Cramer auf Nachfrage bestätigte. Kurzfristige und mittelfristige Lösungen müssen her. Um Familien im gesamten Gemeindegebiet wohnnah eine Betreuungsmöglichkeit zu geben, soll der Kindergarten Arche in Mittegroßefehn erweitert werden. Ein Anbau für rund 500.000 Euro inklusive Einrichtung soll 15 Krippenplätze schaffen. Eine Änderung des Bebauungsplans ist hier nicht notwendig. Doch bis zum Beginn des neuen Kita-Jahrs wird der Anbau noch nicht fertig sein.
Da bereits abzusehen ist, dass die Nachfrage die insgesamt 113 Krippenplätze, die die Gemeinde derzeit bietet, übersteigen wird, muss eine kurzfristige Lösung gefunden werden. „Wir werden wohl noch eine zusätzliche Gruppe schaffen müssen“, sagte Frank Cramer. Plan der Verwaltung sei es, übergangsweise Container auf dem Grundstück des Kindergartens Arche aufzustellen. Frank Cramer spricht hier liebevoll von einer „mobilen Lösung“. In den Containern sollen 15 unter Dreijährige betreut werden – bis die Gruppe in den Anbau ziehen kann.