Schlaferlebnis
Aufwachen mit Blick auf Strand und Meer
Am Strand von Harlesiel wird gerade Platz für zwei Schlafstrandkörbe gemacht. Noch ist es zu stürmisch für eine maritime Auszeit unterm Sternenhimmel. Aber schon bald kann es losgehen.
Harlesiel - Wenn Kai Koch an die neuen Schlafstrandkörbe denkt, kommt er glatt ins Schwärmen: „Du liegst in den Dünen und hast einen fantastischen Blick auf die Inseln.“ Bis nach Langeoog, Spiekeroog und Wangerooge könne man vom Strand des Nordseeheilbades Carolinensiel-Harlesiel aus sehen, sagt der Geschäftsführer der Nordseebad GmbH. Und das künftig geschützt vor Wind und Wetter sowie mit sanitären Anlagen in unmittelbarer Nähe: Abschnitte des Strandes werden gerade für zwei Exemplare der exklusiven Übernachtungsmöglichkeit hergerichtet. „Jetzt muss sich alles setzen und anwachsen.“ Ziel dieser Modellierung am Naturdeich sei es, einen ruhigen und vor neugierigen Blicken geschützten Bereich zu schaffen.
Was und warum
Darum geht es: Harlesiel bekommt zwei Schlafstrandkörbe.
Vor allem interessant für: Erholungssuchende, Meeresfans und Abenteurer
Deshalb berichten wir: Eine Auszeit vom Alltag wünschen sich viele. Glamping liegt im Trend. Die Autorin erreichen Sie unter: s.ullrich@zgo.de
Ab Mitte Mai werden die ersten Gäste von einem komfortablen Schlafplatz für zwei das Spiel der Gezeiten, das Geschrei der Möwen und das Unter- und Aufgehen der Sonne genießen können. „Ich könnte mir vorstellen, dass es hier in Zukunft den einen oder anderen Antrag gibt“, so Koch. Paare aller Altersklassen begeisterten sich für ein bis maximal zwei Nächte unterm Sternenhimmel am Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer, sagt auch Oliver Knagge, Mitarbeiter der Ostfriesland Tourismus GmbH mit Sitz in Leer. „Es ist ein romantisches Erlebnis.“ Das gebe es in Ostfriesland bislang nur vereinzelt. Die kurze Aufenthaltsdauer und der vergleichsweise kleine Preis lockten auch Einheimische aus dem Großraum Ostfriesland und Oldenburg auf der Suche nach einer schnellen maritimen Auszeit, schätzt Koch. „Ich denke, die Hauptzielgruppe kommt aus einem Radius von 60 Kilometern.“
Harlesiel als einer der Glamping-Spots der Region
Die Chance auf ein solches Erlebnis ist zudem von vergleichsweise kurzer Dauer: Nur bis September darf in erster Reihe, direkt am Harlesieler Strand und damit noch vor den Hauptdeichen, genächtigt werden. Dann beginnt die Sturmflutsaison und alles muss abgeräumt werden: Schlafstrandkörbe, Strandkörbe und der gesamte benachbarte Campingplatz. Der hat sich im Vorjahr zu einer Art Glamping-Spot für die Region entwickelt. Glamping ist ein Wortspiel. Es bringt eine Prise Glamour ins altbewährte Camping und setzt dabei vor allem auf ungewöhnliche Unterkunftstypen an besonderen Orten. Auch andere Touristiker haben die spezielle Zielgruppe im Blick, die auf diese Art von Urlaub abfährt: Das Wangerland und Dornum beispielsweise haben hier ebenfalls in den zurückliegenden Jahren Schwerpunkte gesetzt.
Das Glamping-Zugpferd im Nordseeheilbad Carolinensiel-Harlesiel sind bislang Tiny Houses auf einer Salzwiese angrenzend an Campingplatz und Strand. Diese mobilen Unterkünfte sind verhältnisweise klein – aber dennoch voll ausgestattet. Im Jahr 2019 wurde das erste Miniaturhaus aufgestellt, vergangenes Jahr entwickelte sich daraus eine Siedlung, die laut Koch im Frühjahr auf insgesamt 28 von zwei Anbietern anwachsen wird. Mitten auf dem Campingplatz waren vergangenen Sommer zudem Schlafcontainer, die sogenannten Festival-Lodges von Mymolo, an den Start gegangen. Auch die wurden gut gebucht, sagt Koch. „Die Menschen sind bereit, auch andere Unterkünfte zu testen.“
Weitere Standorte der Schlafstrandkörbe
Diese Saison sollen zwölf statt der bisherigen sechs Container an den Start gehen. Mehr Tiny Houses oder Lodges sollen es aber nicht mehr werden, sagt Koch. Platz für weitere Schlafstrandkörbe hingegen sei noch. Die Pläne dafür gibt es offenbar schon. Koch hält sich vorerst bedeckt, auch bei der Frage nach den Kosten für die Schlafstrandkörbe. Nur soviel verrät er: Nach zwei Jahren soll sich die Anschaffung für die Touristiker lohnen. Bei einer Auslastung von 50 Prozent. Die dürfte zu schaffen sein. „Die sind teilweise auf zwei Jahre ausgebucht“, weiß Knagge von anderen Standorten auf der Ostfriesischen Halbinsel.
2016 wurde der erste Schlafstrandkorb der Region in Dangast aufgestellt. Heute gibt es sie laut OTG auch auf den Inseln Norderney und Wangerooge sowie am Festland in Bensersiel und im Wangerland. „Es ist eine tolle Möglichkeit, legal und bequem am Strand zu schlafen“, fasst Knagge die Vorzüge der Liegemöbel mit Faltdach zusammen. Und es sichere den Destinationen Aufmerksamkeit. Das Interesse an ungewöhnlichen Unterkünften sei groß.