Nachbarland

Niederlande öffnen Gastro und Kultur: Das gilt im Grenzgebiet

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 27.01.2022 19:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Dieses Bild zeigt das Groninger Restaurant De Drie Gezusters vor der Pandemie. Es gehörte zu denen, die vor rund zwei Wochen für eine Öffnung protestierten. Symbolfoto: Pixabay
Dieses Bild zeigt das Groninger Restaurant De Drie Gezusters vor der Pandemie. Es gehörte zu denen, die vor rund zwei Wochen für eine Öffnung protestierten. Symbolfoto: Pixabay
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Trotz einer massiven Omikron-Welle öffnen die Niederlande Restaurants und Cafés, aber Museen, Theater und Kinos. Es gibt aber noch Einschränkungen. Was ist zu beachten?

Niederlande/Rheiderland - Vor der Corona-Pandemie war eine Fahrt in die Niederlande für viele Rheiderländer so normal wie eine Tour durch den eigenen Ort. In Pandemiezeiten gab es unterschiedliche Regeln zu beachten. Seit dem 18. Dezember befanden sich die Niederlande in einem harten Lockdown. Auch wenn derzeit eine massive Omikronwelle durch das Land rollt, öffnete die Gastronomie und der kulturelle Bereich am Mittwoch wieder.

Was und warum

Darum geht es: In den Niederlanden sind trotz sehr hoher Infektionszahlen seit Mittwoch Gastronomie und Kultureinrichtungen wieder offen. Wir haben im Grenzgebiet nachgefragt, wie man dazu steht.

Vor allem interessant für: Die, die gerne in die Niederlande fahren.

Deshalb berichten wir: Der Lockdown im Nachbarland ist beendet.

Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de

„Das betrifft das gesamte Gastgewerbe“, sagt Jolanda de Jager, Sprecherin von Oldambt. Die Gemeinde mit Orten wie Bad Nieuweschans und Winschoten gehört zur Provinz Groningen und grenzt an das Rheiderland. Cafés, Restaurants, Bars, aber auch Clubs und Diskotheken können öffnen – aber: „Die Öffnung ist bis 22 Uhr begrenzt“, sagt de Jager. Hier sei die Erleichterung also nicht groß.

Was brauche ich für die Einreise?

Am Dienstag verkündete Premier Mark Rutte nicht nur die Öffnung von Gastgewerbe, Freizeit- und Kultureinrichtungen, zeitgleich gab das Rijksinstituut voor Volksgezondheid en Milieu (RIVM) die neuen Corona-Zahlen für die Niederlande bekannt. Die Sieben-Tage-Inzidenz schnellte hoch auf mehr als 2000. Zum Vergleich: Die Inzidenz stieg in Deutschland am Mittwoch zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie auf mehr als 1000. Die Niederlande gelten als Hochrisiko-Gebiet, und es gibt eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes.

Die Geschäfte öffneten in den Niederlanden bereits vor der Gastronomie und den kulturellen Einrichtungen. Symbolfoto: Pixabay
Die Geschäfte öffneten in den Niederlanden bereits vor der Gastronomie und den kulturellen Einrichtungen. Symbolfoto: Pixabay

Deutschland wiederum wird derzeit von den Niederlanden als Hochrisikogebiet eingestuft. Deshalb bittet die niederländische Regierung auch dringend darum, auf Reisen in die Niederlande zu verzichten. Reisende müssen geimpft oder genesen sein. Sonst müssen sie einen negativen Test (PCR maximal 48 Stunden alt, Antigen maximal 24 Stunden) nachweisen, so das Auswärtige Amt. Diese Regeln gelten ab einem Alter von zwölf Jahren. Im sogenannten kleinen Grenzverkehr, also wenn man sich weniger als zwölf Stunden in den Niederlanden aufhält, braucht es keinen negativen Test, Impf- oder Genesenennachweis – für die Einreise. Spätestens im Café aber schon.

Was gilt in den Niederlanden?

Denn in der Gastronomie wie auch in kulturellen Einrichtungen wie Museen, Theater und Kinos dürfen Gäste nur unter Bedingungen hinein. „Es gilt weiterhin die 3G-Regel“, erklärt de Jager. Ein Impfzertifikat muss vorgelegt werden oder ein aktuelles negatives Corona-Testergebnis. Die Maskenpflicht gilt ebenso weiterhin. Hinzukommen weitere Regeln. Vor knapp zwei Wochen hatte der Gastronomiesektor noch mit Öffnungen der Lokale protestiert, weil zum Beispiel Fitnessstudios, Geschäfte und Friseure vor ihnen hatten öffnen dürfen – auch in Oldambt.

„Die Lokale öffneten einen Tag mit Abständen von 1,5 Metern, mit Überprüfung der nötigen Unterlagen und Platzanweisungen“, sagt sie. Diese Hygiene-Regeln würden auch derzeit umgesetzt. Der Druck auf die niederländische Regierung, weitere Öffnungen zuzulassen, war groß. „Wir haben von vielen Gaststättenbesitzern gehört, dass sie kämpfen und eine harte Zeit haben. Sogar mit der finanziellen Unterstützung durch die Regierung“, sagt sie. Von Schließungen habe sie in der Gemeinde aber nicht gehört.

Das Spiel mit dem Risiko

Bei der Pressekonferenz am Dienstag sprach Premier Rutte bei den Öffnungen von einem „Risiko“. Neben der sprunghaft steigenden Inzidenz steigt auch die Zahl der Krankenhauseinlieferungen wieder an, nachdem sie sich wochenlang auf niedrigen Niveau stabilisiert hatte. „Wir verstehen, dass Rutte die Gesellschaft wieder öffnet“, sagt Lex Kloosterman, Pressesprecher der Uniklinik in Groningen (UMCG). Allerdings seien die Infektionszahlen hoch und werden wohl in den kommenden Wochen weiter steigen. „Wenn sich mehr Leute begegnen, könnten auch die Krankenhauseinlieferungen steigen. Das ist das Risiko, von dem der Premier sprach“, so Kloosterman. Derzeit behandle man im UMCG 21 Covid-Patienten, sechs von ihnen auf der Intensivstation.

Nur wenn sich jeder an die Regeln halte, könne man verhindern, dass die Anzahl der Menschen in den Kliniken zu schnell und zu hoch ansteigen. „Es gibt manchmal Schwierigkeiten beim Einhalten der grundlegenden Corona-Regeln, wie Abstandhalten oder Masketragen in den Niederlanden“, sagt Kloosterman. Das UMCG hoffe, dass sich das ändere.

„Wir sehen auch, dass mehr Angestellte im Gesundheitswesen positiv getestet werden oder in Quarantäne müssen“, so Kloosterman. Das bedeute, dass teilweise viel gepuzzelt werden müsse, um die notwendige Versorgung sicherzustellen. „Da liegt natürlich ein weiteres Risiko, wenn die Zahlen steigen.“ Außerdem hoffe man bei der Uniklinik, dass sich mehr Menschen impfen und boostern lassen, die Wirkung werde unterschätzt. „Die Impfung verringert die Chance, im Krankenhaus zu landen, sehr“, so Kloosterman.

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