Wirtschaft
Gewerbegebiets-Stopp: Parteien in Hinte wundern sich
Die CDU und die SPD zeigen sich verwundert darüber, dass die Pläne für das Hinteraner Gewerbegebiet auf Eis gelegt werden sollen. Stattdessen schlagen die beiden Parteien Alternativen vor.
Hinte - Die CDU und die SPD im Rat der Gemeinde Hinte wundern sich über Bürgermeister Uwe Redenius (parteilos). Dieser hatte zuletzt gegenüber unserer Zeitung bestätigt, dass die Pläne für das lang ersehnte neue Gewerbegebiet Westerhuser Neuland bis auf Weiteres auf Eis gelegt werden sollen. Die beiden Ratsfraktionenn fühlen sich nun übergangen. Zwar seien deren Vorsitzende vorab über diesen Vorschlag informiert worden, aber abgesegnet hätten sie ihn nicht – zumal keine Zeit geblieben sei, sich erst mit den eigenen Parteimitgliedern in dieser Sache abzustimmen.
Was und warum
Darum geht es: Die SPD und die CDU machen neue Hoffnung für das Gewerbegebiet Westerhuser Neuland. Bald sollen der Politik dazu Untersuchungsergebnisse vorgelegt werden.
Vor allem interessant für: Firmen, die sich vergrößern oder in Hinte neu ansiedeln wollen sowie Hinteraner, die von steigenden Gewerbeeinnahmen und Angeboten profitieren könnten
Deshalb berichten wir: Die CDU hatte sich in einer Mitteilung davon distanziert, gegen die Fortführung der Gewerbegebiets-Pläne zu sein. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Vorschlag: Firmen früh vertraglich binden
Die CDU habe das inzwischen nachgeholt, und man sei nun der Auffassung, „dass die Planung des Gewerbegebietes Westerhusen weiter vorangetrieben werden soll.“ Das steht in einer von der Fraktionsvorsitzenden Ulrike Scholz-Benedictus veröffentlichten Mitteilung. Die Vorbereitungen seien immerhin schon weit vorangeschritten und man habe bislang 370.000 Euro dafür investiert. Während Redenius betont, dass die voraussichtlichen Gesamtkosten zu hoch sind, erinnert die CDU an den großen Bedarf an Gewerbeflächen. Auch in den Nachbargebieten gebe es keinen Leerstand.
Man müsse vorab schauen, inwieweit sich Firmen in Westerhuser Neuland ansiedeln wollen und wie groß sie dort bauen möchten: „Verträge vorher unterschreiben lassen und nicht vorfinanzieren, ist eventuell eine Möglichkeit zur Realisierung.“ Notfalls werde das Gebiet halt nur 4,5 anstelle von 10 Hektar groß. Das würde auch die Verkehrsanbindung erleichtern, die den Planern bisher größte Kopfschmerzen bereitet.
Zwar betont die Gemeinde, dass sich die kleinere Variante erst recht nicht mehr rechnen würde. Dennoch: „Die CDU Hinte nimmt den Bürgermeister in die Pflicht und erinnert an sein Wahlversprechen, Firmen in der Gemeinde anzusiedeln und Gewerbeeinnehmen zu sichern, auch wenn diese erst in 20 Jahren sichtbar sind.“
Andreas Weerda, der Fraktionsvorsitzende der SPD, schließt sich diesen Ausführungen auf Nachfrage größtenteils an. Seine Partei wollte aber erst am Donnerstagabend zu einer Fraktionssitzung zusammenkommen, bei der es um Westerhuser Neuland gehen sollte. Insofern gebe es noch keine mit der Partei abgestimmte endgültige Position, sagte er vor der Sitzung.
Weerda meint, dass die Gemeinde zunächst unverbindlich das Interesse von Gewerbetreibenden ausloten sollte. Wichtig sei es, den Firmen ein Signal zu geben, deren Geduld begrenzt sei. Gewerbeansiedlungen seien wichtig, zumal Hinte als strukturschwache Kommune gelte. Der Politik fehlten jedoch Zahlen, um sich ein umfassendes Bild vmachen zu können. Man wisse noch immer nichts zu den zu erwartenden Verkehrsströmen. Außrdem sei offen, wie teuer die Erschließung und die Anbindung sein würden, welche späteren Grundstücksgrößen möglich wären und wie es mit der Entwässerung aussehen würde. Diese Daten müsse die Gemeinde den Fraktionen noch zur Verfügung stellen, findet der SPD-Fraktionschef.
Das sagt der Bürgermeister
Auf die Kritik angesprochen, schreibt Bürgermeister Redenius, dass ihm zunächst die Meinung der Fraktionsspitzen wichtig gewesen sei. In Stein sei aber noch nichts gemeißelt. „Die Gruppe der Fraktionsvorsitzenden und der Bürgermeister bilden kein beschlussfähiges Gremium.“ Stattdessen warte die Gemeinde darauf, dass die Fraktionen sich nun beraten und eine Richtung vorgeben. „Wir werden für aktuelle und belastbare Zahlen sorgen und gemeinsam versuchen, in der kommenden Ratssitzung eine Entscheidung im Sinne unserer Gemeinde Hinte zu treffen“, kündigt der Verwaltungschef an.
Bis zum März sollen die Ratsleute eine Entscheidungsgrundlage haben, die auf aktuellen Zahlen basiert. Darüber hinaus werde man prüfen, inwiefern Firmen in Sachen Ansiedlung frühzeitig vertraglich gebunden werden können. Ihr Interesse könnte man zudem noch einmal neu in Erfahrung bringen. Basis für alle zukünftigen Überlegungen sei dabei ein „ganz aktuelles Gewerbeflächen-Entwicklungskonzept des Landkreises Aurich.“
Was aber würde passieren, falls die Pläne für ein Gewerbegebiet endgültig begraben werden? Es gebe durchaus Alternativ-Flächen in der Gemeinde, die man schon jetzt bewerte und diskutiere, so Redenius. Was würde aber in diesem Fall aus den Westerhuser-Neuland-Flächen werden? Bauland? Dazu will sich der Bürgermeister noch nicht äußern. Es gebe aber Überlegungen zur Nachnutzung, die die Gemeinde zusammen mit der Politik angestellt habe. Sollte hingegen Westerhuser Neuland doch noch kommen, so wären die bislang ausgegebenen 370.000 Euro „sinnvoll investiertes Geld“ und man müsse mit der Planung nicht wieder bei Null anfangen.
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