Vogelschutz

Deswegen sind Füchse am Freepsumer Meer unerwünscht

Claus Hock
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Von Claus Hock
| 26.01.2022 16:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Fuchs ist ein Problem für Wiesenvögel, gerade in der Brutzeit. Deswegen wird er rund um das Freepsumer Meer besonders bejagt. Das führte zu Kritik. Symbolfoto: Büttner/DPA
Der Fuchs ist ein Problem für Wiesenvögel, gerade in der Brutzeit. Deswegen wird er rund um das Freepsumer Meer besonders bejagt. Das führte zu Kritik. Symbolfoto: Büttner/DPA
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Im Freepsumer Meer wird viel für den Wiesenvogelschutz getan. Dazu gehört auch die Bejagung von Füchsen. Das sorgte jüngst für Kritik, doch auch der Nabu steht hinter den Maßnahmen.

Freepsum - Das Freepsumer Meer entwickelt sich als Projekt für den Wiesenvogelschutz immer mehr zu einem Erfolgsmodell. Doch das geht nur, wenn dafür andere Tiere bejagt werden. Die Rede ist vom Fuchs. Das sorgte in der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses für eine kritische Bemerkung durch SPD-Ratsfrau Marion Niebergall, die selbst nicht im Ausschuss sitzt und sich deswegen aus dem Zuschauerraum meldete.

Was und warum

Darum geht es: Das Freespumer Meer wird von Wiesenvögeln immer besser angenommen.

Vor allem interessant für: Naturinteressierte, Freepsumer und Krummhörner

Deshalb berichten wir: In den politischen Gremien wurde jüngst ein Zwischenstand zum Vogelschutzgebiet Freepsumer Meer gegeben. Dabei gab es Kritik aus den Zuschauerreihen.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Vorangegangen war der Bericht zum aktuellen Stand des Wiesenvogelschutzprogramms am Freepsumer Meer durch Heiko Ringena, verantwortlich für das Projekt und Ratsherr der Freien Bürgerliste (Fbl). Niebergall findet es „ungeheuerlich“, wie in die Natur eingegriffen wird und dass man andere Tiere tötet oder vertreibt, nur um anderen zu helfen. Auch Füchse hätten ein Anrecht auf Leben.

Nabu unterstützt Vorgehen

Wie Ringena auf Nachfrage erklärt, habe er bezüglich des Projektes am Freepsumer Meer mit solchen Vorwürfen wenig zu kämpfen. „Wenn wir Bäume entfernen, um das Gebiet für Greifvögel uninteressant zu machen, gibt es eher mal kritische Nachfragen“, so Ringena. Dass das sogenannte Prädatorenmanagement funktioniert, bestätigt derweil auch der Nabu.

Der Nabu ist als Naturschutzorganisation Träger des Projektes „Maßnahmen des Wiesenvogelschutzes in den zum Landkreis Aurich zählenden Teiles des Vogelschutzgebietes V04 Krummhörn und V09 Ostfriesische Meere“, zu dem auch das Freepsumer Meer gehört. Wie Jan Schürings, Nabu-Regionalleiter für Ostfriesland, auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt, gebe es gute Gründe für eine Fuchsbejagung in Wiesenvogelschutzgebieten. Allerdings, so betont Schürings ebenfalls, ist die Bejagung nicht die einzige Maßnahme, die gegen die Füchse angewendet wird.

Gründe gegen den Fuchs

Wissenschaftliche Untersuchungen in anderen Schutzgebieten haben laut Schürings gezeigt, dass vor allem der Fuchs den Jungvögeln und Wiesenvögeln in der Brutzeit gefährlich werde. „Es gibt natürlich auch andere Prädatoren, auch Vögel, die den Nestern und Jungvögeln gefährlich werden“, so Schürings. Deswegen würden sich die Maßnahmen des Prädatorenmanagements auch nicht rein auf den Fuchs beziehen.

Das Freepsumer Meer ist ein Vogelschutzgebiet. Die Maßnahmen, die seit einigen Jahren getroffen werden, zeigen Wirkung. Foto: Archiv
Das Freepsumer Meer ist ein Vogelschutzgebiet. Die Maßnahmen, die seit einigen Jahren getroffen werden, zeigen Wirkung. Foto: Archiv

„Füchse sind allerdings besonders häufig“, sagt Schürings. Das liege auch beispielsweise daran, dass die Tollwut, die früher zur Bestandsminimierung beigetragen habe, in Deutschland ausgerottet sei. „Reviere, die für den Fuchs geeignet sind, sind in Ostfriesland auch durch diesen besetzt“, so Schürings.

Maßnahmen gegen den Fuchs

Erfolgreicher Wiesenvogelschutz würde nicht ohne ein Prädatorenmanagement funktionieren. Dabei setzen der Nabu und die beteiligten Partner, zu denen auch die Jägerschaft gehört, auf verschiedene Maßnahmen. So werden zum Schutz in der Brutzeit Zäune aufgestellt, um Füchsen und anderen Tieren den Zugang zu den Brutbereichen über das Land zu erschweren. „Außerdem wird die Landschaft für Füchse und Marder, aber auch für Greifvögel unattraktiv gemacht“, sagt der Nabu-Vertreter. Dazu gehöre es, Bäume und Büsche zu entfernen.

Aber auch die Bejagung gehört zu den Maßnahmen, die gegen den Fuchs ergriffen werden. Das ist aber nicht nur im und rund um das Vogelschutzgebiet so. Der Fuchs wird landesweit bejagt. Jungfüchse dürfen ganzjährig geschossen werden, für ältere Tiere liegt die Jagdzeit zwischen dem 16. Juni und dem 28. Februar. Laut Landesjagdbericht lag die „gemeldete Jagdstrecke inklusive des Fallwildes für Niedersachsen“ im Jagdjahr 2020/21 bei landesweit 60.877 Füchsen. Dies seien 7,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Im gesamten Landkreis Aurich wurden im Jagdjahr 2020/21 insgesamt 1287 Füchse erlegt oder als Fallwild registriert. In der Stadt Emden waren es 111 Füchse. Zum Vergleich: Im Emsland betrug die sogenannte Fuchsstrecke inklusive Fallwild 3813, in Friesland 611, in Wittmund 703 und im Ammerland 904 Füchse.

Der Mensch muss eingreifen

Die Frage wäre auch, so Ringen, was denn die Alternative sei. Schließlich seien die Eingriffe in die Landschaft durch den Menschen schuld daran, dass die Wiesenvögel anders als vor den Eingriffen keine guten Brutbedingungen mehr vorfinden. „Wir haben das Habitat verändert und können das nicht einfach so laufen lassen“, betont Ringena, der selbst Jäger ist. Zudem gebe es Vorgaben durch die EU, die ursprüngliche Natur zu schützen. „Wenn wir nichts tun, dann wird die Fauna in Ostfriesland sehr artenarm“, sagt Ringena.

Dass die Maßnahmen am Freepsumer Meer, die weit über das Prädatorenmanagement hinausgehen, wirken, zeigen die Zahlen. Vor allem die Brutbestände der Uferschnepfe hätten ihren Tiefflug beendet. „Wir haben die Talsohle mit etwas Glück jetzt durchschritten“, so Ringena.

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