Pandemie

Große Unterschiede bei Corona-Zahlen auf den Inseln

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 26.01.2022 14:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das ganze Jahr über kommen Besucher auf die ostfriesischen Inseln. Archivfoto: Ortgies
Das ganze Jahr über kommen Besucher auf die ostfriesischen Inseln. Archivfoto: Ortgies
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Während es auf Baltrum und Juist zuletzt jeweils einen Coronafall gab, waren es auf Norderney 164. Hat das nur mit der besseren Anbindung zu dieser Insel zu tun? Die Kommunen geben Einschätzungen ab.

Norderney/Juist/Baltrum - Mit 164 Neuinfektionen lag Norderney am Dienstag fast an der Spitze des Landkreises. Nur in der Stadt Aurich gab es noch mehr (339). Dort leben allerdings auch rund 42.000 Menschen. Auf Norderney sind es etwa 6000. Im Vergleich dazu wird für denselben Tag nur jeweils eine Neuinfektion für die Nachbarinseln Juist und Baltrum angegeben. Es ist nicht das erste Mal, dass die Norderneyer Werte vergleichsweise hoch liegen. Liegt das nur an der besseren Anbindung Norderneys oder gibt es auch noch weitere Faktoren?

Was und warum

Darum geht es: das Corona-Geschehen auf den ostfriesischen Inseln

Vor allem interessant für: Bewohner und Besucher der Inseln

Deshalb berichten wir: Uns waren die großen Unterschiede bei den Infektionszahlen aufgefallen, die der Landkreis Aurich verschickt hat.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Sicherlich spiele auch die bessere Erreichbarkeit eine Rolle, allerdings nicht die Hauptrolle, betont auf Nachfrage Bürgermeister Frank Ulrichs (SPD). „Die Ursachen für das Infektionsgeschehen [...] scheinen sehr vielfältig zu sein.“ Der Kreis der Betroffenen sei groß und ebenso die Hintergründe und Zusammenhänge. Das bestätigt auf Nachfrage auch Rainer Müller-Gummels, der Sprecher des Landkreises Aurich. Obwohl derzeit unter anderem auch Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen betroffen seien, gebe es ebenso auch viele Einzelfälle, so dass man nicht wirklich von Hotspots sprechen könne.

Norderney: Positiver Blick nach vorne

Ulrichs betont zudem, dass mangelnde Kontaktbeschränkungen gerade für die besonders ansteckende Omikron-Variante ein Nährboden seien. „Wenn ein paar kleine Herde vorhanden sind, folgt schnell ein Flächenbrand.“ Allerdings betont Ulrichs auch, dass sich seine Insel im Vergleich mit der bundesweiten Entwicklung „durchaus im Rahmen“ bewege. „Beim Gesundheitsamt gibt es keine Anzeichen für eine außergewöhnliche Entwicklung.“ Auch wenn Norderney als erste Kommune in Ostfriesland eine Ausgangssperre und eine teilweise geltende Maskenpflicht im Freien eingeführt hatte, weil die Zahlen seit dem Pandemiebeginn zwischenzeitlich sehr hoch waren, habe es auch lange Zeiträume mit nahezu keinen Neuinfektionen gegeben, während die Werte im restlichen Landkreis viel schlechter waren, erinnert er.

Und wie blickt die Stadt Norderney auf die nächsten Monate? Ulrichs zeigt sich entspannt. Omikron gelte als vergleichsweise milde Variante, weshalb es trotz der bundesweit bislang höchsten Infektionszahlen auch keine erneuten Shutdowns gebe. „Damit ist in Zukunft auch wohl aufgrund der Gesamtentwicklung nicht mehr zu rechnen. Insofern sind die Norderneyer insgesamt hoffnungsfroh, dass wir diese Phase in einigen Wochen überstanden haben und optimistisch nach vorne schauen können.“

Baltrum: Sorge vor der nächsten Saison

Negativer sieht die Entwicklung Oliver Schütte, der allgemeine Stellvertreter von Baltrums Bürgermeister Harm Olchers (parteilos). „Wir schauen da schon etwas kritisch drauf.“ Immerhin kämen neben den Urlaubern, die aus allen möglichen Gebieten anreisen, auch Saisonkräfte aus Rumänien und anderen osteuropäischen Ländern, wo die Impfquote vergleichsweise gering sei. Corona-Tests würden dann auf ganz Baltrum eine besonders wichtige Rolle spielen. Derzeit profitiere man hingegen noch davon, dass es über Silvester nur sehr wenige Urlauber gegeben habe, zumal auch die Gastronomie größenteils geschlossen blieb. Wer derzeit auf der Insel sei, suche ebenfalls nicht den Partytourismus, sondern die Abgeschiedenheit. Auch die Baltrumer seien sehr verantwortungsbewusst, wenn es um die Einhaltung der Corona-Regeln gehe. Darum habe man schon lange kaum mehr als einen Fall gleichzeitig gehabt.

Ähnlich sehe es seit langer Zeit auf Juist aus, sagt der dortige Bürgermeister Dr. Tjark Goerges (parteilos). Er habe den Eindruck, dass die Quote der geimpften und auch geboosterten Bewohner sehr hoch sei. Darum glaubt er auch nicht, dass sich die Lage auf der Insel noch wirklich verschlimmern wird. Allerdings müsse man die nächsten Wochen abwarten. Auch, weil ab Montag drei Wochen Schulferien sind – eine Sonderregelung, um den Gastwirtsfamilien entgegenzukommen, die gerade jetzt eine Pause machen können. Es müsse sich zeigen, wer dann alles zum Festland fahre und wer infiziert zurückkomme. Mit Blick auf die nächste Saison zeigt sich Goerges dennoch „vorsichtig positiv“.

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