Bezahlbares Wohnen

Förderstopp: Angst um Millionen-Projekte

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 25.01.2022 18:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
So soll der Gebäudekomplex aussehen, den der Verein Open Dören in Bunde errichten will. Animation: Architektur-Büro Fresemann
So soll der Gebäudekomplex aussehen, den der Verein Open Dören in Bunde errichten will. Animation: Architektur-Büro Fresemann
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Dass Förderungen der KfW gestoppt sind, schlug ein wie eine Bombe. Es geht um bezahlbares Wohnen. Ein Millionen-Projekt in Bunde ist gefährdet, in Emden sind es gleich mehrere.

Bunde - Die Entrüstung ist groß: Wer energieeffizient baut, konnte auf Geld von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), eine der führenden Förderbanken, hoffen. Das ist vorbei. Einige Förderprogramme wurden gestoppt, und das bringt nicht nur Investoren ins Schwitzen. In Bunde ist ein Millionenprojekt geplant, das Alten und Menschen mit Beeinträchtigung bezahlbares Wohnen ermöglichen soll. In Emden stehen eine Wohnstätte, eine Halle für einen Inklusionsbetrieb und Wohnplätze für Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigung auf der Kippe. Bauherr ist in Bunde der gemeinnützige Verein Open Dören, in Emden ist es die Ostfriesische Beschäftigungs- und Wohnstätten GmbH (OBW). Alle Projekte wurden nach den Standards für die Neubauförderung des Effizienzhauses/Effizienzgebäudes 40 (EH40, früher KfW40) geplant.

Was und warum

Darum geht es: Eine bezahlbare Wohnung im Alter oder Wohnstätten für Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigung: Nachdem die KfW-40-Förderung auf der Kippe steht, geraten Millionen-Projekte ins Wanken. Der Verein Open Dören wandte sich an die Politiker in Berlin.

Vor allem interessant für: Hausbauer, Familien, ältere Menschen und die mit Handicap, die auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum sind.

Deshalb berichten wir: Nachdem die Nachricht vom Förderstopp kam, ist die Entrüstung groß.

Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de

Die Gelder dafür sind aber nicht mehr sicher. „Ich bin bestürzt“, sagt OBW-Geschäftsführer Professor Burghardt Zirpins. Große Betroffenheit und Unverständnis herrscht auch in Bunde: „Wenn die Förderung für den energieeffizienten und klimafreundlichen Bau komplett wegfällt, wäre das eine Katastrophe. Das wäre das Aus für das Projekt“, sagt Hinrich Winterboer, Vorsitzender des Vereins Open Dören. Die Kosten werden auf drei Millionen Euro geschätzt. Die KfW-Förderung deckte einen großen Teil der Investitionen ab.

Um welche Förderungen geht es?

Das Bundeswirtschaftsministerium teilte am Montag mit, dass die Neubauförderung des Effizienzhauses 55 (EH55), die ohnehin zum Monatsende ausgelaufen wäre, sofort von der KfW gestoppt wird. Die Antragsflut im Januar habe die bereitgestellten Mittel deutlich überstiegen. Beim 55-Standard darf das Haus maximal 55 Prozent des Energiebedarfs und 70 Prozent des Wärmeverlusts eines konventionellen Neubaus erreichen. Da die Baustandards allerdings im Laufe der Zeit gestiegen sind, erfüllen die meisten Neubauten auch ohne Förderung diese Vorgaben. „Mir ist klar, dass man damit quasi den Standard gefördert hat“, sagt Winterboer. Allerdings wackelt auch die Förderung für das KfW-40-Programm.

Hierüber soll „zügig entschieden“ werden, ob und wie es damit weitergeht, heißt es vom Ministerium. In Emden wurden die drei Projekte bereits vom Energieberater für das EH-40 Programm zugeschnitten, in Bunde passiert das derzeit, ein Ingenieurbüro ist damit beauftragt worden. „Er wird natürlich bezahlt, das steht ihm zu, aber das hätten wir uns gespart, wenn wir nur frühzeitig Bescheid gewusst hätten“, so Zirpins. „Das trifft uns extrem. Jetzt müssen wir die laufenden Planungen umwerfen.“ Für eine dreizügige Kita in Emden gebe es eine Förderzusage. „Die bleibt hoffentlich bestehen“, so Zirpins.

Fragen an die Politik

Hinrich Winterboer steht vor dem Poppen’schen Gebäude. Die Gemeinde Bunde will das Haus abreißen und damit dann den Weg freimachen für das Neubauprojekt von Open Dören. Foto: Gettkowski/Archiv
Hinrich Winterboer steht vor dem Poppen’schen Gebäude. Die Gemeinde Bunde will das Haus abreißen und damit dann den Weg freimachen für das Neubauprojekt von Open Dören. Foto: Gettkowski/Archiv
Der Verein Open Dören hat sich mit der Sorge um das Millionen-Projekt an die Politik gewandt. Sie haben ein Schreiben an die Bundestagsabgeordneten Anja Troff-Schaffarzyk aus Uplengen (SPD) und Julian Pahlke aus Leer (Grüne) geschickt. Die Bunder waren nicht die einzigen, die sich meldeten, wie Pahlke mitteilt. „Es haben sich eine Menge Firmen und Privatpersonen gemeldet. Auch persönliche Geschichten sind dabei, die mich sehr berühren“, sagt er. „Wir arbeiten an einer Härtefallregelung und dem Nachfolgeprogramm, um den Menschen zu helfen, die bereits damit geplant und Anträge gestellt haben.“ Er gibt allerdings auch eine kleine Entwarnung: „Wenn Anträge bereits bewilligt wurden, so wird das Geld auch fließen.“, sagt er.

Die Bundesregierung lasse die Antragsteller und Antragstellerinnen nicht hängen, es werde bereits ein Darlehenprogramm für Härtefälle geprüft. Neue Anträge für den Effizienzhausstandard (EH 55) könnten aber nicht mehr bearbeitet und bewilligt werden. „Über die weitere Förderung von EH40-Neubauten wird dann mit Blick auf die Kassenlage im Energie- und Klimafonds sowie dem Finanzbedarf anderer Programme entschieden.“ Das bedeutet zunächst die befürchtete Hängepartie für die drei Projekte in Emden und das Projekt in Bunde.

Nebenkosten dürfen nicht hoch sein

Ein großer Anteil der Investitionen seitens des Vereins Open Dören würden nämlich vom KfW-40-Programm gedeckt. Man stecke mitten in den Planungen, die man nicht auf Eis legen oder womöglich ganz ad acta legen wolle. „Wir wollen und müssen klimaeffizient bauen, das steht außer Frage. Für die Menschen, die in den Wohnungen leben sollen, ist es wichtig, dass die Nebenkosten gering sind“, so Winterboer. Der Verein wolle keinen Gewinn machen, wirtschaftlich arbeiten müsse er dennoch. Alle Wohnungen sollen barrierefrei und im Obergeschoss mittels eines Fahrstuhls erreichbar sein. „Für Senioren, aber auch für jüngere Menschen mit einem leichten Hilfebedarf“, erläutert Winterboer.

Neben den Mitteln, die man bereits in das Projekt gesteckt habe, sei es dem Verein nicht möglich, ohne Förderung weiterzumachen. „Würde alles teurer, verliert der Bau seinen Sinn, wenn die Menschen sich die Wohnungen nicht mehr leisten können“, so Winterboer. Neben der KfW-Förderung sei man außerdem auf Zuschüsse aus dem Dorferneuerungsprogramm des Amts für regionale Landesentwicklung Weser-Ems sowie der Diakonie Niedersachsen angewiesen.

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