Hamburg

Verbraucher haben abgestimmt: Das ist die "Mogelpackung des Jahres" 2021

Fiona Lechner
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Von Fiona Lechner
| 25.01.2022 14:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Welcher der fünf Kandidaten gewinnt den Preis für die "Mogelpackung des Jahres" 2021 von der Verbraucherzentrale Hamburg? Foto: Verbraucherzentrale Hamburg/Canva.com
Welcher der fünf Kandidaten gewinnt den Preis für die "Mogelpackung des Jahres" 2021 von der Verbraucherzentrale Hamburg? Foto: Verbraucherzentrale Hamburg/Canva.com
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Für viele Produkte im Handel gab es im letzten Jahr drastische Preiserhöhungen. Die Verbraucherzentrale Hamburg hatte daher eine Abstimmung für die "Mogelpackung des Jahres" 2021 gestartet. Das Voting ist beendet, die Ergebnisse stehen fest. So haben Verbraucher gewählt.

Auch 2021 haben einige Hersteller von Fertigprodukten die Preise ihrer Produkte durch raffiniert getarnte Füllmengenänderungen deutlich erhöht. Diese Fälle klärt die Verbraucherzentrale Hamburg (VZhh) regelmäßig auf und kürt die "Mogelpackung des Jahres". Auch dieses Mal standen fünf Produkte zur Auswahl. Und es gibt einen klaren Sieger.

Der drastische Preisanstieg für Homanns „Paprika Sauce” betrug bis zu 88 Prozent. Das Produkt war damit Spitzenreiter unter den fünf nominierten Kandidaten für die „Mogelpackung des Jahres 2021”. Statt 500 Milliliter füllt Hersteller Homann seit 2021 nur noch 400 Milliliter Sauce pro Glas ab. Gleichzeitig wurde trotz geringerer Inhaltsmenge der Preis im Handel in manchen Märkten von 0,99 auf 1,49 Euro angehoben. Dreist! Finden auch die Verbraucher. Sie wählten die Homann-Sauce mit 8.476 Stimmen, also ganzen 50,6 Prozent, zur „Mogelpackung des Jahres”.

Ist Ihnen bei den Kitkat-Riegeln von Nestlé etwas aufgefallen? Der Nahrungsmittel-Gigant steckt seit vergangenem Jahr nur noch vier statt fünf Schokoriegel in die Umverpackung. Der Preis liegt im Handel weiterhin bei 1,99 Euro. So wird das Produkt aufgrund des fehlenden Riegels klammheimlich um 25 Prozent teurer. Laut Angaben der Verbraucherzentrale hat der Konzern diese Masche schon des Öfteren bei seinen Produkten angewandt. Schließlich ist er jedes Mal damit durchgekommen. Die Verbraucher wählten die Kitkat-Riegel mit 2.580 Stimmen (15,4 Prozent), auf den zweiten Platz der Mogelpackungen.

Nach einer Rassismus-Debatte benannte der Kekshersteller seine Waffelblättchen im Juni kurzerhand von „Afrika” in „Perpetum” um. Im gleichen Zuge gab es ein neues Verpackungsdesign und eine starke Reduzierung des Inhaltes. Bei gleichem Preis enthält eine Packung Waffelblättchen jetzt nur noch 97 statt 130 Gramm. So entsteht am Ende eine Preiserhöhung von 34 Prozent. Das Keksgebäck erhielt bei der Abstimmung um die Mogelpackung ganze 1.980 Stimmen (11,8 Prozent).

Eine Verpackungseinheit des Rahmsoßen-Klassikers von Knorr enthält drei Packungen Fertigsoße – richtig? Falsch. Denn seit vorigem Jahr sind es nur noch zwei – zum identischen Preis von meist 1,19 Euro im Handel. Verbraucher zahlen also aufgrund der fehlenden Preisanpassung mal eben bis zu 50 Prozent drauf.

Gegenüber der VZhh gibt Unilever an: „Die neue Strukturierung des Sortiments geht auf veränderte Konsumentenwünsche ein und wird begleitet durch eine Modernisierung des Designs.” Zudem bezieht sich der Konzern darauf, dass die endgültigen Preise vom Handel bestimmt werden. Immerhin erhalten Käufer im Supermarkt die „Rahm Soße” jetzt als „Soßenvariante”, was an der Rezeptur jedoch, laut VZhh-Angaben, nichts ändert. 1.917 Stimmen gingen an die Rahmsoße. Das sind 11,4 Prozent.

Eine wesentlich größere Umverpackung bei fast demselben Inhalt gab es 2021 bei den „Wurzener Waffelblättchen” von Griesson – de Beukelaer. Der Hersteller vergrößerte die Umverpackung für seine Waffelblättchen um fast das Doppelte, verweist auf „2 Frischepacks” und suggeriert damit deutlich mehr Inhalt. Statt 100 Gramm für 99 Cent erhalten Käufer im Supermarkt nun 103 Gramm für 1,29 Euro. Das Waffelgebäck wurde auf diese Weise um ganze 27 Prozent teurer. 10,8 Prozent der Verbraucher haben die Waffelblättchen mit 1.806 Stimmen auf den fünften Platz gewählt.

„Immer wieder sind gut getarnte Füllmengenänderungen das Mittel der Wahl, um teils drastische Preiserhöhungen durchzusetzen”, berichtet Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Käufer würden die Tricksereien oft gar nicht bemerken und so deutlich mehr für bestimmte Produkte zahlen, so Valet. „Das klappt deshalb so gut, weil der Handel, der allein die Verkaufspreise festlegt, mitmacht, und die Politik die Unternehmen gewähren lässt”, meint der Verbraucherschützer.

Laut Armin Valet ärgert die Verbraucher nicht nur die nur vermeintliche Preisstabilität, sondern auch der unnötig zusätzlich produzierte Verpackungsmüll und die damit einhergehende Verschwendung von Ressourcen. 25 Prozent mehr Einweggläser benötigt beispielsweise Homann, um die gleiche Menge „Paprika Sauce” abzufüllen, wie die VZhh angibt. Für sein Waffelgebäck „Perpetum” braucht Bahlsen wegen der verringerten Füllmenge pro Tonne Kekse 2.600 Stück mehr an Umverpackungen, Plastiktrays und -folien, wissen Verbraucherschützer. „Nachhaltigkeit scheint beim Produktmanagement trotz anders lautender Beteuerungen der Hersteller offensichtlich kaum eine Rolle zu spielen”, so Valet.

Auf der Webseite der VZhh können Verbraucher auch selbst Mogelpackungen angeben, die ihnen beim Einkaufen auffallen. Jährlich gehen, laut Angaben der VZhh, zwischen 2.000 und 3.000 Beschwerden von Verbrauchern ein. Zudem können Hamburger Verbraucherinnen und Verbraucher, die sich über Mogelpackungen wie die „Paprika Sauce” von Homann oder unnötigen Verpackungsmüll ärgern, aber auch über Negativzinsen, Werbeanrufe, untergeschobene Verträge oder etwas anderes in ihrem Verbraucheralltag, noch bis zum Montag, 31. Januar, an der Umfrage für den Hamburger Verbraucherschutz-Pegel teilnehmen.

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