Osnabrück

„Der Name der Rose”: Umberto Ecos Weltklassiker wird 40

Stefan Lüddemann
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Von Stefan Lüddemann
| 24.01.2022 18:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Sean Connery Foto: KEYSTONE
Sean Connery Foto: KEYSTONE
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Neue Romane von Michel Houellebecq und Yasmina Reza, der Geburtstag von „Der Name der Rose” und die Erinnerung an Novalis: Das Literaturjahr 2022 in Höhepunkten.

Stars aus Frankreich: Das Literaturjahr 2022 ist bereits furios gestartet – mit Michel Houellebecq und Yasmina Reza, zwei Literaturstars aus Frankreich. Gleich im Januar ist die deutsche Version von Houellebecqs neuem Roman „Vernichten“ erschienen. Der bei Dumont publizierte 600- Seiten-Klotz zeigt das Enfant terrible der zeitgenössischen Literatur nach Skandalbüchern wie „Serotonin“ oder „Die Unterwerfung“ ungewohnt zahm. Sicher, es gibt sie noch, die bissigen Beschreibungen kaputter zwischenmenschlicher Beziehungen, aber in der insgesamt etwas zerdehnten Geschichte um eine Familie, die den kranken Vater in die Mitte nimmt, scheint etwas auf, das für Houellebecq erledigt schien – der Glaube an den Halt durch menschliche Beziehungen. Um eine Familie geht es auch bei Yasmina Reza, die mit dem Theaterstück „Kunst“ berühmt wurde. Ihr neuer Roman „Serge“ (Hanser Verlag) handelt von drei jüdischen Geschwistern und ihrer gemeinsamen Reise nach Auschwitz auf der Suche nach Familie und Identität. Schon jetzt ein ganz wichtiges Buch der Saison.

40 Jahre „Der Name der Rose“: Mit einer Geschichte aus dem Mittelalter einen Bestseller landen? Umberto Eco hat vorgeführt, wie das geht. Seine Geschichte um rätselhafte Morde in einem Kloster, um eine geheimnisvolle Bibliothek, um einen gefährlichen Inquisitor und den unerschrockenen Aufklärer William von Baskerville hat sich 50 Millionen mal verkauft. „Der Name der Rose“: Der Weltbestseller des italienischen Gelehrten und Schriftstellers, wird 40. Zum Jubiläum bringt der Hanser-Verlag eine Prachtausgabe heraus. Auf rund 800 Seiten gibt es ab dem 14. Februar nicht nur den Text des seinerzeit mit Sean Connery in der Hauptrolle verfilmten Romans, sondern auch Zeichnungen des Autors zu Figuren und Schauplätzen der Handlung. „Der Name der Rose“ in der Prachtausgabe – beste Gelegenheit zur Wiederbegegnung mit einem Buch, das regelrecht Geschichte geschrieben hat, als Buchhandelserfolg und als Meilenstein der Postmoderne.

Migration als Thema: Worum dreht sich Literatur? Natürlich um die großen Themen der Zeit. Deshalb ist es nicht überraschend, dass viele Romane dieses Frühjahrs vor allem das Thema Migration behandeln. Bei Hanser erscheint Ende Januar 2022 der Roman die „Erinnerungsfälscher“ von Abbas Khider. Der Autor Said Al-Wahid lebt in Berlin. Der Tod der Mutter ruft ihn zurück in den Irak, sein Heimatland. Khider erzählt über eine Reise in die Vergangenheit und die richtige Erinnerung. Fatma Aydenir erzählt in ihrem Roman „Dschinns“, der im Februar auch bei Hanser erscheint, erzählt von sechs Menschen, die miteinander verwandt sind, und ihrem Leben zwischen Deutschland und der Türkei. Wie bei Khider geht es auch hier um die Suche nach der eigenen Identität. Bei Suhrkamp kommt im März der Roman „Tao“ von Yannic Han Biao Federer heraus. In dem Buch geht es um eine Spurensuche des Protagonisten nach dem Leben des Vaters in Hongkong, um biographische Brüche und „postkoloniale Verwerfungen“, wie es in der Verlagsankündigung heißt.

Romantik im Fokus: Die Romantik hat 2022 das literarische Feld allein für sich – zumindest war große Jubiläen angeht. Am 2. Mai 2022 jährt sich der Geburtstag des Dichters Friedrich von Hardenberg, genannt Novalis, zum 250. Mal, am 25. Juni ist des 200. Todestages von E.T.A. Hoffmann zu gedenken. Novalis steht mit den „Hymnen an die Nacht“ und dem Roman „Heinrich von Ofterdingen“ für die Nachtseite der Romantik, E.T.A. Hoffmann mit seinen Novellen wie „Der Sandmann“ oder „Der goldene Topf“ für ihre gesellschaftskritische Spielart. Beide Autoren sind viel mehr als verstaubte Klassiker, sie bieten aufregende Leseerlebnisse. Der Germanist Silvio Vietta hat schon 2021 eine handliche Einführung in das Werk Novalis´ herausgebracht. 2022 publiziert der Reclam-Verlag die wichtigen Novellen Hoffmanns noch einmal neu. Besonders wichtig: Ein Band mit den Zeichnungen und Karikaturen des exzentrischen Romantikers.

Und die Buchmessen? Leipzig soll mit seiner Buchmesse wieder Mittelpunkt der lesenden Welt sein. Das Event rund um Buch und Lesen ist für 17. bis 20. März geplant. Die Frankfurter Buchmesse soll vom 19. bis zum 23. Oktober 2022 stattfinden. Die beiden Zentralereignisse der Buchwelt waren zuletzt von der Corona-Krise gebeutelt worden. Die Absage der Leipziger Buchmesse im März 2020 markierte den Beginn einer ganzen Reihe von Absagen von Kulturereignissen, die Corona und dem Lockdown zum Opfer fielen. Die Frankfurter Buchmesse fand 2020 nur digital statt. Erst 2021 wagte man in Frankfurt wieder eine Messe mit eingeschränkter Präsenz. Unter dem Motto „Re:connect“ war das Wiedersehen der Buchmacher gefeiert worden. Viel mehr als der Ausdruck der Wiedersehensfreude dominierte allerdings die Kontroverse um die Autorin Jasmina Kuhnke und die Präsenz rechter Verlage die letzte Ausgabe der Frankfurter Buchmesse. Und 2022? Unsicherheiten bleiben, für Leipzig wie für Frankfurt.

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