Betreuung
Nach Vorfällen in Kita: Auf diese Anzeichen müssen Eltern achten
In Weener hat ein Kita-Mitarbeiter Kinder stolpern lassen und mit Spielzeug geschlagen. Eine Expertin erklärt, was das mit Kindern machen kann und wie Eltern bemerken könnten, das etwas nicht stimmt.
Weener - Knapp zwei Wochen ist es jetzt her, dass gegen einen Mitarbeiter der Filius-Kindertagesstätte in Weener bei der Polizei Anzeige erstattet worden ist. Der Vorwurf lautet Misshandlung eines Kindes. Die Lebenshilfe als Betreiberin hatte die Vorkommnisse bestätigt, die sich zum Jahreswechsel ereignet haben: „Zwei Krippenkinder sind durch den Mitarbeiter mit leichter körperlicher Gewalt angegangen worden. In einem Fall hatte er ein Kind stolpern lassen, in einem zweiten Fall ein Kind mit einem Spielzeug geschlagen“, wird Heiko Höfelmann, Bereichsleiter Kinder und Jugend Lebenshilfe Leer, zitiert.
Was und warum
Darum geht es: Ein Mitarbeiter einer Weeneraner Kita hat Kinder geschubst und mit Spielzeug geschlagen. Die Folgen für Kinder können gravierend sein. Wie erkennt man, wenn so etwas passiert?
Vor allem interessant für: Familien mit Kindern.
Deshalb berichten wir: Nach den Vorfällen in Weener möchten wir mehr Informationen geben. Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de
Passiert sind die Vorfälle zum Jahreswechsel, gemeldet wurden sie dem Landesjungendamt telefonisch am 11. Januar, am 13. sei die „offizielle Meldung“ eingegangen, das teilt Mareike Wellmeier, Sprecherin des Regionalen Landesamtes für Schule und Bildung mit auf Nachfrage mit. Wieso dauerte es so lang? „Die Verzögerung ergab sich einerseits durch die Schließungszeit der Kita wegen der Weihnachtsferien und andererseits durch eine verspätete Meldung der hinweisgebenden MitarbeiterInnen“, erklärt Dr. Lübbert R. Haneborger, Sprecher der Lebenshilfe.
Keine Angaben zum arbeitsrechtlichen Verfahren
Als das Fehlverhalten dann bei den Führungsverantwortlichen bekannt war, sei sofort, „also noch am gleichen Vormittag“ gehandelt worden. Die Meldung beim Landesjugendamt sei im üblichen Rahmen erfolgt, zuerst seien aber die Eltern und Verantwortliche vor Ort informiert worden. Zu einer offiziellen Meldung beim Landesjugendamt gehören das pädagogische Konzept der Einrichtung, das Konzept zum Schutz vor Gewalt, sowie das Personal- und Gruppenmodul. Daraus sei hervorgegangen, „dass der entsprechende Mitarbeiter versetzt wurde“, so Wellmeier. Das ist der letzte Stand der Dinge. Angaben dazu, wie es mit dem Mitarbeiter weitergeht, macht die Lebenshilfe nicht. Zu dem noch offenen arbeitsrechtlichen Verfahren könne man nichts weiter mitteilen, so Haneborger.
Aber was bedeutet es, wenn es eben doch passiert? Wir sprachen mit einer Expertin: Dr. Bettina Lamm, die Geschäftsführerin des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe). Es sei oftmals schwer, solche Vorfälle pauschal einzuordnen, gerade wenn man die Details nicht kenne, schickt Lamm vorweg. Einiges lasse sich aber sagen.
1) Welche Auswirkungen können Vorfälle wie in Weener auf Kinder haben?
„Solche Vorfälle können seelische Spuren hinterlassen und Kinder verunsichern. In schweren Fällen, aber auch bei häufigen Wiederholungen solcher ‚leichter’ Vorfälle können diese traumatisierend auf die Kinder wirken, da sie das Sicherheitsgefühl nachhaltig erschüttern können“, sagt Geschäftsführerin Lamm.
2) Wie sollten Eltern reagieren?
„Eltern müssen in solchen Fällen zum einen für ihr Kind da sein, sich Zeit nehmen, um auf möglicherweise erhöhte Bedürfnisse nach Sicherheit und Nähe einzugehen und das Kind genau zu beobachten“, sagt die Expertin. Gerade Krippenkinder seien in der Regel noch nicht in der Lage, verbal von den Vorfällen zu berichten, aber auch älteren Kindern falle das häufig schwer. „Daher müssen Eltern darauf achten, ob sich das Verhalten der Kinder nachhaltig verändert und gegebenenfalls professionelle Hilfe suchen“, so Lamm.
In Bezug auf die Einrichtung sollten Eltern das Gespräch suchen. „Auch das Vertrauensverhältnis der Eltern zur Fachkraft und Einrichtung wird durch solche Vorfälle erschüttert und muss bearbeitet werden, weil es sich auch wieder auf die Kinder auswirken kann.“ Wichtige Partner seien dabei die Einrichtungsleitung, die Elternvertretung oder andere Vertrauenspersonen. „Es geht dabei auch darum, Vertrauen wieder aufzubauen und gemeinsam konstruktiv dafür zu sorgen, solche Vorfälle in Zukunft zu verhindern.“
3) Wie bemerke ich, dass meinem Kind Gewalt widerfährt?
Auch hier ist jeder Fall anders und eine pauschale Antwort schwer, so Lamm. „Klare Symptome lassen sich dabei nicht benennen, weil Kinder sehr unterschiedlich auf solche Erfahrungen reagieren können. Manche Kinder werden besonders anhänglich, andere wollen vielleicht nicht mehr in die Kita oder zeigen Ängstlichkeit in verschiedenen Situationen“, erklärt sie. Wieder andere reagierten möglicherweise mit Wutanfällen oder Schlafstörungen. Auch Rückzug und fehlende Lust am Spielen und Erkunden der Welt könnten Anzeichen sein. „Gravierende Veränderungen im Verhalten eines Kindes, die nicht durch andere Faktoren, wie zum Beispiel Krankheit oder Veränderung der Lebensumstände des Kindes, bei Umzug oder Trennung der Eltern oder Ähnliches, erklärbar sind und länger anhalten, können Hinweise sein. „Man sollte ihnen unbedingt nachgehen“, so Lamm.