Ehrenamt
Ein Dorf sucht seinen Vorsteher
Alle Teilorte in der Gemeinde Uplengen haben einen Ortsvorsteher oder eine Ortsvorsteherin. Nur Klein-Remels tanzt aus der Reihe. Dort ist der Posten bis auf Weiteres unbesetzt – und das nicht zum ersten Mal.
Uplengen - Klein-Remels ist ein beschauliches Dorf. Idyllisch gelegen und doch mittendrin. Viele Höfe stehen entlang der Friesenstraße, die sich durch den Ort zieht. In der Mitte gibt es ein Dorfgemeinschaftshaus. Das Internet ist dank Glasfaser so schnell wie in Berlin-Mitte. Und nicht weit von hier im Zentrum von Klein-Remels‘ großem Bruder gibt es Einkaufsmöglichkeiten, wie man sie derart geballt nur selten findet in Ostfriesland. Doch eine Sache sucht man hier vergeblich: Klein-Remels hat seit der vergangenen Kommunalwahl keinen Ortsvorsteher. Es ist der einzige Ort in Uplengen, in dem das so ist. Und es ist auch nicht das erste Mal, dass dieser Posten für längere Zeit unbesetzt bleibt.
Was und warum
Darum geht es: In Klein-Remels ist das Amt des Ortsvorstehers vakant.
Vor allem interessant für: ehrenamtlich engagierte Menschen
Deshalb berichten wir: Nur in einem Teilort in Uplengen ist das Amt vakant. Wir fragten uns, woran das liegt. Den Autor erreichen Sie unter: t.ruemmele@zgo.de
2015 übernahm Hans Jost das Amt. Er war damals neu in Klein-Remels, wurde angesprochen, ob er den Posten nicht übernehmen wolle und sagte zu. Damals habe der Ort bereits drei Jahre lang keinen Vorsteher mehr gehabt, sagt Jost. Es fand sich schlichtweg keiner. Er aber sagte zu, gratulierte Senioren zum Geburtstag, hielt Kontakt zur Gemeindeverwaltung und setzte sich sechs Jahre lang für das Dorf ein, das seine Heimat geworden war. „Man muss für einen solchen Posten schon viel Zeit mitbringen“, sagt Jost heute, wenn er auf seine Zeit in dem Ehrenamt zurückblickt. Er selbst wolle auf jeden Fall engagiert bleiben. Jost ist im Bürgerverein aktiv. Wenn er von den gemeinsamen Veranstaltungen und Aktionen berichtet, wird deutlich, dass das Dorfleben absolut intakt ist. „Wir konnten wegen Corona in den vergangenen Jahren nicht viel machen“, sagt der Ortsvorsteher a. D.. Aber es gebe Feste, Vereine und Zusammenhalt. Nur Ortsvorsteher wolle eben keiner sein. Warum genau, könne er nicht sagen, sagt Jost. Aber das sei ja schon so gewesen, bevor er 2015 übernahm.
Wer wagt sich aus der Deckung?
In anderen Teilorten von Uplengen sieht es anders aus. Dort gibt es manchmal gleich eine Reihe von Kandidaten, die sich für das Ehrenamt interessieren. In Großsander übernahm nach den Kommunalwahlen Melanie de Vries den Posten. Es habe sie gestört, dass im Rat nur wenige Menschen aus ihrer Generation vertreten waren, begründet sie ihren Gang in die Politik. Deshalb kandidierte die Mutter von zwei Kindern im Grundschulalter für den Rat der Gemeinde. Weil Moin in ihrem Heimatdorf die meisten Stimmen holte, konnte ihre Fraktion de Vries für den Posten der Ortsvorsteherin vorschlagen. „Es ist eine spannende Tätigkeit mit vielfältigem Aufgabenbereich“, sagt sie. Zwar sei die Pandemie eine schwierige Zeit, um das Amt kennenzulernen, doch sie freue sich auf die Begegnungen mit den Menschen in ihrem Dorf. „Aktuell können wir zum Beispiel Senioren nur kontaktlos gratulieren“, erklärt de Vries. Trotzdem wolle sie die Anliegen der Dorfbewohner gegenüber der Gemeinde engagiert vertreten.
Auch Bürgermeister Heinz Trauernicht betont die Bedeutung des Ehrenamtes als Bindeglied zwischen Bürgern und Verwaltung. „Ich bin froh, dass wir diese Satelliten in den Ortschaften haben“, sagt er. Die Aufgabe sei verantwortungsvoll und werde häufig über viele Jahre von denselben Personen ausgeübt, die in der Bevölkerung großes Vertrauen genießen.
In Klein-Remels wartet man derweil weiter auf denjenigen oder diejenige, die sich zuerst aus der Deckung traut. Das Dorf ist gut aufgestellt, findet Hans Jost. Trotzdem gebe es noch einiges, was sich verbessern könnte. Eine Verlegung der Bushaltestelle, habe er sich etwa gewünscht und auch für ein strengeres Tempolimit auf der Friesenstraße habe er sich immer eingesetzt. „Aber da rannte ich auch immer wieder gegen Wände“, sagt er. Noch ist kein Nachfolger für ihn gefunden. „Aber ich hoffe natürlich, dass sich noch ändert“, so Jost.