Kolumne: Alles Kultur

Ich feiere die grüne Palme

Annie Heger
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Eine Kolumne von Annie Heger
| 24.01.2022 09:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Annie Heger
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Auf unserer Internetseite veröffentlichen wir sechs Mal pro Woche eine Kolumne. Montags geht es um Kultur.

Wir erleben gerade keine erneute Veranstaltungsabsagewelle in meiner Branche, sondern eher eine andauernde Sintflut, bei der noch nicht klar ist, wer sich überhaupt auf die Arche retten konnte. Ich kann von Glück sagen, momentan mit einer stabilen Psyche ausgestattet zu sein, so dass ich trotzdem jeden Tag gern aufstehe und mich um die kraftgebenden Säulen in meinem Leben kümmere. Das sind neben Familie und Musik auch Essen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ich über Grünkohl schreiben würde. Ich erspare uns Wortspiele mit Kohltour und Kultur, doch sind Kohlfahrten ja Teil unserer norddeutschen Tradition und des kulturellen Lebens.

Ich feiere die grüne Palme, wann immer ich es kann. Ich habe bereits vor ein paar Jahren die 1. Grünkohl-WM moderiert, auch für einen Mini-Eklat beim „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ gesorgt, war Alkohol- und Spielebeauftragte der Fan-Kohlfahrt von Werner Momsen und als Krönung beim 25. Grünkohlessen in Tokio. Ich liebe Grünkohl! Ich hatte erst letzten Mittwoch meinen ersten in dieser Saison, denn für mich gehört die Pinkel zum Kohl wie die Krabbe zum Brötchen und in Berlin schaut ein Fleischereifachangestellter einen nur mit großen Augen an, wenn man danach fragt. Es war köstlich und der anschließende Korn konnte das Kohlkoma kaum bändigen.

Erstaunlicherweise haben sich die ersten Kohlfahrten aus Turnfahrten entwickelt. Am 15. Januar 1871 wanderten Männer der Oldenburger Turnerbunds nach Wiefelstede, 50 Jahre später kam das Boßeln dazu, die Damenabteilung des Turnerbunds durfte erst 1959 mitlaufen, -trinken, -essen und tanzen – Teebeutelweitwurf und die Wahl eines Königspaars kam viel später dazu.

Heute kann uns selbst eine weltweite Pandemie eine Kohlfahrt nicht nehmen und macht kreativ. Der Wiesmoorer Generationenverein hat sich gesagt: „Wenn die Menschen nicht zum Kohl kommen dürfen, dann muss sich halt der Kohl zu den Menschen begeben.“ Und so organisieren sie eine andere Art Kohlfahrt und fahren den Grünkohl inklusive „Söppke“ am 12. Februar zu den Menschen. Tolle Aktion!

Kontakt: kolumne@zgo.de

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