Umwelt und Handel

Kunden können per Knopfdruck das Klima schützen

Gordon Päschel
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Von Gordon Päschel
| 21.01.2022 16:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Wenn es so einfach wäre: Eine Taste für den Klimaschutz, wie auf diesem Bild, sucht man auf Tastaturen vergeblich. Beim Online-Handel aber lässt sich dank IT-Lösungen immerhin Geld für Klimaschutzprojekte verschieben. Foto: momius/ stock.adobe.com
Wenn es so einfach wäre: Eine Taste für den Klimaschutz, wie auf diesem Bild, sucht man auf Tastaturen vergeblich. Beim Online-Handel aber lässt sich dank IT-Lösungen immerhin Geld für Klimaschutzprojekte verschieben. Foto: momius/ stock.adobe.com
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Als letzte ostfriesische Kommune tritt Emden einer neuen Klimaschutz-Gesellschaft bei. Die Idee: Online-Kunden zahlen freiwillig mehr und unterstützen regionale Projekte. Aber wer kontrolliert das?

Emden - Der Klimaschutz entlang der Ems und in Ostfriesland soll verbraucherfreundlicher werden. Zu diesem Zweck gründen mehrere Landkreise und die kreisfreie Stadt Emden eine gemeinsame Gesellschaft. Das Ziel: Wer online beispielsweise eine Pizza bestellt, bei örtlichen Unternehmen einen Artikel ordert oder ein Fährticket löst, kann freiwillig zu viel bezahlen. Das eingenommene Geld fließt anschließend in regionale Klimaschutz-Projekte. In Emden ist diese Idee am Donnerstag einen Schritt vorangekommen.

Was und warum

Darum geht es: Wohlstands-Konsum, Klima und den Aufbau eines regionalen Klimaschutz-Netzwerkes

Vor allem interessant für: Unternehmen und Konsumenten, die über das Internet Geschäfte machen, sowie alle, die Konsum und Klimaschutz unter einen Hut bringen wollen

Deshalb berichten wir: Im Umweltausschuss des Emder Rates wurde am Donnerstag über die Gründung einer regionalen Klimaschutz-gGmbH abgestimmt. Damit ist der Weg für die Ems-Achse als Ideengeber so gut wie frei. Wir zeigen, was es damit auf sich hat.

Den Autor erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de

Als letzte ostfriesische Kommune möchte auch die kreisfreie Stadt der geplanten Initiative beitreten. Zuvor hatten nach Angaben von Dr. Dirk Lüerßen bereits die Kreistage in Aurich, Wittmund und Leer zugestimmt. Er ist Geschäftsführer der Ems-Achse, einem 2006 gegründeten regionalen Wachstumsbündnis von Emsländern und Ostfriesen. Von dort stammt die Idee für den Aufbau der gemeinnützigen Gesellschaft. „Klimaschutz ist ein Megatrend“, sagt Lüerßen. „Wir sehen, dass sich viele Menschen daran beteiligen wollen.“

Das umweltfreundliche Versprechen

Schon jetzt gibt es zahlreiche Möglichkeiten für Konsumenten, beim Kauf von Produkten oder Dienstleistungen Klimaschutzorganisationen zu unterstützen. Ein bekanntes Beispiel sind Flugreisen. Anbieter wie atmosfair versprechen Kunden, das freiwillig zu viel gezahlte Geld zu nutzen, um an anderer Stelle das ausgestoßene Treibhausgas zu reduzieren.

Die Ems-Achse wählt allerdings erstmals einen rein lokalen Ansatz. Sie will mit Unternehmen und anderen Partnern ein regionales Netzwerk aufbauen und ausschließlich Projekte vor Ort fördern. „Es soll und muss transparent sein“, so Dirk Lüerßen.

Wie funktioniert das Prinzip?

Gesucht werden Unternehmen, die online Geschäfte machen. Mithilfe der Ems-Achse und ohne zusätzliche Kosten für diese Partner wird eine Schnittstelle beim Bezahlvorgang eingerichtet. Kunden können entscheiden, ob sie den Kaufpreis aufstocken. Das zu viel gezahlte Geld landet dann – je nach technischer Umsetzbarkeit – entweder direkt auf einem Konto der gemeinnützigen Gesellschaft der Ems-Achse. Oder aber die Ems-Achse wird informiert, wie viel der Kunde zu viel gezahlt hat und fordert diese Summe später dann beim Händler ein.

Wohin fließt das Geld?

Grundsätzlich können alle Projekte innerhalb der beteiligten Kommunen sich bewerben und dabei unterstützt werden, die die Klimabilanz verbessern. Das können konkrete Klimaschutzmaßnahmen wie beispielsweise die Wiederherstellung von Mooren oder die Aufforstung von Wäldern sein. Denkbar sind aber auch Bildungsprojekte beispielsweise an Schulen. Wichtig ist, laut Lüerßen, dass „zwischen Umweltschutz und Klimaschutz unterschieden“ werde. Der Fokus liege klar auf Klima und CO2-Neutralität. Und: „Wir machen nichts, was kommunale Pflichtaufgabe ist.“ Es gehe um zusätzliche Projekte.

Wer entscheidet über das Geld?

Welches Projekt unterstützt wird, entscheidet die Gesellschafterversammlung der Ems-Achse, also letztlich die Mitglieder der Wachstumsregion. Daneben wird ein Fachbeirat gebildet, der der Gesellschaft empfiehlt, wohin das Geld geht. Im Beirat sollen die Klimaschutzmanager aller beteiligten Kommunen sowie Experten von Naturschutzverbänden und Umweltstiftungen sitzen.

Wie transparent ist das Verfahren?

Über die Internetseiten der Ems-Achse soll auf Karten sowohl gezeigt werden, welche Unternehmen sich beteiligen, als auch welche Klimaschutzprojekte mit welchen Summen bezuschusst werden. Über den Jahresabschluss der Gesellschaft wird offengelegt, wie viel Geld eingenommen wurde und wie viel davon in Projekte geht. Etwa fünf bis zehn Prozent des eingenommenen Geldes wird für die technische Infrastruktur und die Verwaltung benötigt, so Lüerßen.

Welche Unternehmen machen mit?

Einzelne Namen werden zum jetzigen Zeitpunkt nicht genannt. Laut dem Ems-Achsen-Geschäftsführer haben rund zehn Unternehmen signalisiert, sich zu beteiligen. „Wir fangen mit allen an, die bis zum Start fest zusagen und wollen danach Schritt für Schritt größer werden“, sagt Lüerßen. Weil vor allem im Tourismus viele Buchungen online laufen und Urlauber tendenziell offener für einen freiwilligen Zusatzbetrag seien, sucht er gezielt das Gespräch mit Reedereien, Campingplatzanbietern und vergleichbaren Anbietern.

Wann geht es los?

Sobald die Politik in allen beteiligten Kommunen grünes Licht gegeben hat, wird die Gesellschaft angemeldet. Das ist voraussichtlich im Februar der Fall. Das Startkapital trägt mit 19.000 Euro größtenteils die Ems-Achse, die restlichen 6000 Euro teilen sich die sechs Kommunen. Parallel wird ein IT-Unternehmen mit der technischen Umsetzung beauftragt. Wenn alles nach Plan läuft, könnte das System zu Ostern freigeschaltet werden. Wann das erste Klimaschutzprojekt gefördert wird, hängt davon ab, wie schnell Geld zusammenkommt.

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