Demokratie
Suche nach Ortsvorstehern ist nicht immer leicht
Bald wird die Gemeinde Krummhörn wieder 19 Ortsvorsteherinnen und -vorsteher haben. Selbstverständlich ist das nicht, wie ein Blick nach Norden zeigt. Immerhin gibt es stets etwas zu tun.
Krummhörn/Hinte/Norden - Immer wieder ist zu hören, wie wichtig das Ehrenamt ist und was alles davon abhängt. Die Bereitschaft, Freizeit für unbezahlte Arbeiten zu investieren, sinkt jedoch in vielen Bereichen. Umso mehr können sich die Krummhörner freuen: Auch wenn noch nicht alle von ihnen ernannt wurden und auf der Website der Gemeinde zu finden sind, wird es in dieser neuen Wahlperiode in jedem Dorf in der Gemeinde wieder jeweils eine Ortsvorsteherin oder einen Ortsvorsteher geben – und damit auch einen direkteren Draht zwischen den Bürgern und dem Krummhörner Rathaus.
Was und warum
Darum geht es: Ortsvorsteher übernehmen wichtige Aufgaben, zu denen Ratsmitglieder nicht verpflichtet werden können.
Vor allem interessant für: Bewohner der Dörfer in der Krummhörn und in Hinte sowie Politikinteressierte allgemein
Deshalb berichten wir: Es wurden jetzt neue Ortsvorsteher bestimmt und wir wollten darüber schreiben, wie man einer von ihnen wird. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Das ist nicht selbstverständlich, wie beispielsweise ein Blick nach Norden zeigt. Auch dort gibt es Ortsvorsteher. Seitdem Johann Bent 2016 aufgehört hat, ist der Posten im Stadtteil Bargebur allerdings unbesetzt und noch immer ist keine Nachfolge in Sicht. Zuvor war auch schon der Ortsvorsteher-Posten in Norddeich jahrelang unbesetzt geblieben. Und das, obwohl Norden knapp 25.000 Einwohner und zehn Stadtteile hat. Zum Vergleich: In der Gemeinde Krummhörn gibt es knapp 12.000 Einwohner und 19 Ortschaften.
Wie wird man zum Ortsvorsteher?
Zuletzt hatte es allerdings auch dort danach ausgesehen, als ob zumindest die Posten in Canum und in Woltzeten unbesetzt bleiben. In Woltzeten war der bisherige Ortsvorsteher Horst Christel schon längere Zeit wegen gesundheitlichen Gründen ausgefallen und der bisherige Canumer Ortsvorsteher Hartmut Egden übernahm dessen Aufgaben. Nun bestätigt Gertrud Rantzen auf Nachfrage überraschend, dass sie im April in Woltzeten anfangen will. Egden wiederum hörte zum Beginn der neuen Wahlperiode in Canum auf – ebenfalls aus gesundheitlichen Gründen. Es folgte Markus Popp, der es sich jedoch kurz darauf anders überlegte. Nun soll Feike van Ellen die Nachfolge antreten.
Wie aber wird man überhaupt zum Ortsvorsteher? In Egdens Fall dürfte dabei sein vorheriges ehrenamtliches Engagement im Ort eine Rolle gespielt haben. Der gebürtige Friedeburger, der lange Zeit als Bergmann in Dortmund gearbeitet hatte, organisierte in der Vergangenheit unter anderem außergewöhnliche Kinderzeltlager und ist gleichzeitig bis heute einer der letzten ehrenamtlichen Totengräber in der Region. Auch dass er der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins ist, dürfe eine Rolle gespielt haben, denn die Gemeinde-SPD hat in Canum als dort meistgewählte Partei das Vorschlagsrecht.
Ortsvorsteher sind Ehrenbeamte
Als Egden vor knapp vier Jahren als Ortsvorsteher die Nachfolge des verstorbenen Wilhelm van Ellen antrat, sagte er unserer Zeitung, dass er sich schon immer gerne für seine Mitmenschen eingesetzt habe. Er musste sich jedoch seitdem viel Zeit für die neuen Aufgaben nehmen, auch wenn er die immer gerne erledigt habe, sagt er nun. Mal habe es zwei oder auch vier Stunden pro Tag gedauert, um mit Anwohnern über Probleme wie den Zustand von Straßen und Bürgersteigen zu sprechen und um nach Lösungen zu suchen. Manchmal seien es aber auch Kleinigkeiten gewesen, wie Papierschnipsel auf dem Boden, die er schnell selbst weggefegt habe, anstatt das der Gemeinde zu melden. Dazu kamen viele Altengeburtstage und Ehejubiläen, bei denen Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher traditionell vorbeikommen und gratulieren. Derzeit werde wegen der Pandemie jedoch in der Regel nur etwas an die Türen gehängt.
Ortsvorsteher gibt es in der Gemeinde seit ihrer Gründung vor 50 Jahren, schreibt jetzt dessen Sprecher Fritz Harders auf Nachfrage. „Das hat sich über die Jahre bewährt.“ Könnte man aber nicht stattdessen auch den Ratsmitgliedern die Aufgaben der Ortsvorsteher übertragen? Harders sagt, dass es sich bei Ratsmitgliedern um Mandatsträger und bei Ortsvorstehern um Ehrenbeamte handle und man nur diesen Aufgaben übertragen könne. Dazu komme noch, dass nie gewährleistet ist, dass jeder Ort durch eigene Ratsmitglieder vertreten ist.
In der Nachbargemeinde Hinte gibt es zwar keine Ortsvorsteher, aber dafür seit dem Frühjahr 2020 Ortskümmerer, die vor allem ein Bindeglied zwischen den Senioren und dem Seniorenbeauftragten sein sollen. Aber auch hilfsbedürftige Menschen allgemein unterstützen sie, schreibt Bürgermeister Uwe Redenius (parteilos). Alle Ortschaften seien derzeit vertreten. „Es gibt aktuell sechs Kümmerinnen und zwölf Kümmerer. Allerdings könnten in Hinte und Loppersum noch ein oder zwei dazukommen.“ Im Gegensatz zu den Ortsvorstehern handle es sich dabei um kein politisches Amt.