Berlin/Hamburg

Lauterbach: Im Februar mehrere Hunderttausend Neuinfektionen pro Tag

Daniel Benedict
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Von Daniel Benedict
| 19.01.2022 17:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Karl Lauterbach (Politiker) 05/21 her Karl Lauterbach am 13. Mai 2021 in Markus Lanz , ZDF TV Fernsehen Talkshow Talk S Foto: www.imago-images.de
Karl Lauterbach (Politiker) 05/21 her Karl Lauterbach am 13. Mai 2021 in Markus Lanz , ZDF TV Fernsehen Talkshow Talk S Foto: www.imago-images.de
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Impfpflicht, Genesenen-Status, Rekord-Inzidenz: Gesundheitsminister Karl Lauterbach nimmt als Gast im ZDF-Talk von Markus Lanz Stellung zur Coronalage.

Markus Lanz befragt in seinem ZDF-Talk am Mittwoch Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Das Gespräch steht im Zeichen massiv steigender Infektionszahlen.

Trotz der rasant steigenden Sieben-Tage-Inzidenz von über 100.000: Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zeigt sich im ZDF-Talk von Markus Lanz mit dem Erfolg der Eindämmungsmaßnahmen zufrieden: „Bisher kommen wir so gut durch die Welle, wie wir erhoffen konnten“, sagt er zu Beginn der Sendung. Die aktuellen Regeln dienten dem Abflachen der Kurve. Das sei bislang gelungen. Lauterbach: „Wir haben die Verdopplungszeit der Omikronwelle verlängern können von ungefähr zwei, zweieinhalb Tagen auf sechseinhalb Tage. Es ist schlimm genug, kein Grund zur Entwarnung, aber die Maßnahmen, die ergriffen wurden, wirken.“ Und das, so der Minister, auch etwa in der vorausberechneten Größenordnung.

Für eine zu erwartende sehr schwere Welle brauche es Lauterbach zufolge Gegenmaßnahmen in drei Bereichen: Zum einen seien das „gute Quarantäne- und Isolationsregeln“. Das sei bereits umgesetzt. Zusätzlich seien neue Testregeln nötig, bei denen die PCR-Tests in Bereichen wie der Pflege priorisiert eingesetzt werden müssen. Es sei mit Blick auf realistische Szenarien davon auszugehen, „dass die Welle Mitte Februar ungefähr ihren Höhepunkt haben wird und dass wir dann mehrere Hunderttausend Fälle pro Tag erwarten müssen”, sagte der SPD-Politiker. Am Wochenende will Lauterbach ein Konzept dazu vorlegen, dass bei der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz am Montag beschlossen werden könne. Dritter Bauteil sein eine saubere Definition der Bedingungen, unter denen man etwa als genesen gelte. 

Für den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie hält Lauterbach verschiedene Szenarien für denkbar. Realistisch nennt er einen Höhepunkt der Welle um die Mitte Februar herum – mit „mehreren Hundertausend Fällen pro Tag“. Wenn sich diese Erwartung von Ländern unterscheide, dann, so der Minister, „da wir in Deutschland eine hohe Zahl von Ungeimpften bei den Älteren haben“. Zum Vergleich zitiert Lauterbach die Lage in England, wo von den Über-50-Jährigen nur ein bis zwei Prozent noch ungeimpft seien – zugleich seien in dieser Gruppe 90 Prozent sogar schon geboostert. Mit dieser Ausgangslage könnte ein Land sehr hohe Fallzahlen verkraften, ohne dass die Intensivstationen überliefen. „Das sind aber nicht wir“, sagt Lauterbach. „Wir haben die Gefährdung, durch die große Zahl derjenigen, die unwillig sind, die Impfung zu akzeptieren, aber trotzdem voll im Risiko stehen.“

Lauterbach spricht sich weiterhin für die Impfpflicht aus: „Eine Impfpflicht ist unbedingt notwendig, wenn wir dieses Problem ein für alle Mal erledigt wissen wollen im Herbst“, sagt Lauterbach. „Ich möchte einfach nicht in eine Situation kommen, wo wir im Herbst erneut darüber nachdenken müssen: Müssen wir einen Lockdown machen? Müssen unsere Kinder in den Hybridunterricht?“ Nach all den gesellschaftlichen Opfern, mit denen die vulnerablen Gruppen bislang geschützt wurden, seien diese – die impfskeptischen Alten also – nun selbst in der Pflicht. Dass die Regierung keinen eigenen Vorschlag dazu macht und auf Anträge aus dem Bundestag wartet, begründet Lauterbach einmal mehr mit dem Appell: Man möge das Thema nicht parteipolitisch instrumentalisieren.

Das Robert Koch-Institut hat empfohlen, den Genesenen-Status zu verkürzen, von sechs auf drei Monate nach der Infektion zu verkürzen. Im Unterschied etwa zur Schweiz, wo Infizierte ein volles Jahr als genesen gelten. Warum dieser Sinneswandel, will Lanz wissen. „Weil wir gesehen haben, dass diejenigen, die zum Beispiel mit der Delta-Variante infiziert gewesen sind, nach drei Monaten sich schon mit der Omikron-Variante infizieren können“, antwortet Lauterbach. „Es ist traurig, aber so ist es.“ Die beiden dominierenden Varianten seien genetisch so stark unterschieden, dass die Immunisierung gegen einen der beiden Erreger nicht vor dem anderen schützt. Das gelte genauso für Länder, die den Genesenen-Status länger erhalten – damit aber ein Risiko in Kauf nähmen, das Deutschland mit all seinen Ungeimpften sich angesichts der Omikron-Welle nicht leisten könne.

Sendetermin: „Markus Lanz“, ZDF, Mittwoch, 19. Januar 2022, 23.15 Uhr.

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