Gesundheit
Eine Rettungswache für Wiesmoor? Standortsuche läuft
Der Landkreis rüstet mit Fahrzeugen und Personal die Rettungswache Spetzerfehn auf. Die FWW möchte allerdings eine Rettungswache nach Wiesmoor holen. Für den Vorstoß erntet die Wählergemeinschaft auch Kritik.
Wiesmoor - Es passierte im Sommer bei einem Grillabend in Wiesmoor. Einer seiner Bekannten erlitt einen Herzinfarkt. Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes sei rund eine halbe Stunde vergangen, sagt Horst Eisenhauer. Da war dem Mann nicht mehr zu helfen. Er starb. „Ob er hätte gerettet werden können, wenn die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist von 15 Minuten eingehalten worden wäre? Das ist reine Spekulation. Aber nach diesem Fall war mir klar, dass ich mich für eine Rettungswache in Wiesmoor einsetzen werde“, sagt Horst Eisenhauer, der mittlerweile als Mitglied der Freien Wählergemeinschaft Wiesmoor (FWW) in den Stadtrat eingezogen ist.
Seinem Wahlkampfversprechen ließ er mit einem im Dezember bei der Stadt eingereichten FWW-Antrag Taten folgen. Der Antrag zielt darauf ab, dass die Stadtverwaltung beim „Landkreis Aurich als Träger einen Antrag auf eine verkürzte Hilfsfrist stellt und die hierfür eventuell entstehenden Mehrkosten ermittelt“. Zur Definition: Die Hilfsfrist beziffert den Zeitraum zwischen dem Einsatzbefehl und dem Ankommen des Rettungsdienstes vor Ort. Diese „soll in 95 Prozent der in einem Jahr im Rettungsdienstbereich zu erwartenden Notfalleinsätze 15 Minuten nicht übersteigen“, heißt es im Niedersächsischen Rettungsdienstgesetz für Notfallrettungen.
Wunsch: Hilfsfrist auf 10 Minuten verkürzen
Die FWW wünscht sich für Wiesmoor eine Verkürzung der Hilfsfrist von 15 auf 10 Minuten. Denn mit Blick auf zwei Faktoren befürchtet die FWW, dass Wiesmoor „von schneller Hilfe abgehängt werde“, wie es in dem Antrag heißt. Zum einen würde der Bau einer Zentralklinik in Uthwerdum aus Wiesmoorer Sicht noch weitere Anfahrtswege zum Krankenhaus bedeuten. Zum anderen plant der Landkreis Wittmund eine Neuordnung des Rettungsdienstes. Dieser sieht – allerdings frühestens in drei Jahren – eine Verlegung der Rettungswache Friedeburg weiter nördlich vor.
Über eine Nachbarschaftshilfe ist es derzeit noch so geregelt, dass der östliche Teil der Stadt Wiesmoor bis zum Nordgeorgsfehnkanal von der Rettungswache Friedeburg versorgt wird. Der westliche Teil Wiesmoors wird in erster Linie von der Rettungswache Spetzerfehn angesteuert. Und dieser Standort steht schon länger auf dem Prüfstand, wie Landkreis-Sprecher Rainer Müller-Gummels mitteilt. Mitte vergangenen Jahres hatte der Landkreis ein Standortgutachten für die Rettungswache Spetzerfehn bei einem Sachverständigenbüro in Bonn in Auftrag gegeben, das mittlerweile abgeschlossen wurde.
Veränderung ist mittelfristig notwendig
Daraufhin – und auch mit Blick auf die Rettungsdienst-Umstrukturierung im Kreis Wittmund – habe der Landkreis Aurich „die Rettungsmittelvorhaltung vor Ort verändert“. Konkret heißt das, dass nun zwei zusätzliche Fahrzeuge in der Rettungswache Spetzerfehn eingesetzt werden - eines rund um die Uhr und eines tagsüber von montags bis freitags. Zusätzlich wurden je zwei weitere Notfallsanitäter und Rettungssanitäter eingestellt. „Mittelfristig muss es aber eine Standortveränderung geben, allein schon durch die räumlichen Gegebenheiten vor Ort“, sagt Rainer Müller-Gummels.
Derzeit laufe die Suche nach einem neuen Standort. Nach der Vorlage der Zahlen für das erste Quartal 2022 soll nochmals eine Neubewertung vorgenommen und danach eine Standort-Entscheidung getroffen werden. Die FWW bringt nun einen konkreten Standort ins Gespräch. „Es gibt bereits einen Investor mit einem dafür geeigneten Grundstück, der Interesse zeigt, in dieses Gesamtprojekt zu investieren“, sagt Horst Eisenhauer.
Der Vorstoß der Wählergemeinschaft für eine Rettungswache in Wiesmoor wird teilweise kritisch beäugt. Als „unseriös“ bezeichnet es beispielsweise Johannes Kleen (SPD-Stadtratsmitglied und Kreistagsvorsitzender seiner Partei), jetzt einen konkreten Standortsvorschlag einzureichen. „Bei der Standortsuche für eine Rettungswache muss das Allgemeinwohl im Vordergrund stehen, private Interessen wie durch einen Investor dürfen keine Rolle spielen.“ Bürgermeister Sven Lübbers (parteilos) wählt ähnliche Worte: „Es ist keine politische, sondern eine rein rechnerische und fachliche Entscheidung, an welchen Standorten es eine Rettungswache gibt. Klar wäre es toll, wenn Wiesmoor eine Rettungswache bekäme. Aber jetzt sollte die Politik besser Ruhe walten lassen und die Untersuchungen abwarten.“