Finanzen

Großefehn plant eine Rekordverschuldung

| | 18.01.2022 20:20 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Erste Gemeinderat Frank Cramer (von links) und Kämmerin Jördis Lienemann leiteten die Vorstellung des Haushaltsentwurfs der Gemeinde Großefehn. Foto: Gemeinde Großefehn
Der Erste Gemeinderat Frank Cramer (von links) und Kämmerin Jördis Lienemann leiteten die Vorstellung des Haushaltsentwurfs der Gemeinde Großefehn. Foto: Gemeinde Großefehn
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In Großefehn sollen in 2022 mehrere Großprojekte für insgesamt 14 Millionen Euro umgesetzt werden. Das lässt den Schuldenberg anwachsen. Mit Erfreulichem rechnet die Gemeinde in puncto Steuern.

Großefehn - Binnen zwei Jahren soll sich der Schuldenberg der Gemeinde Großefehn fast verdoppeln, wie aus dem Haushaltsentwurf der Verwaltung hervorgeht. Die zuvor relativ konstant bei rund zehn Millionen Euro liegenden Schulden stiegen bereits 2021 auf etwa 12,5 Millionen Euro. Für dieses Jahr peilt die Verwaltung sogar eine Neuverschuldung von sieben Millionen Euro auf dann insgesamt 19,5 Millionen Euro an. „Das liegt an vielen Großprojekten, die einfach nötig sind und nicht weiter aufgeschoben werden können“, begründet der Erste Gemeinderat Frank Cramer. „Deshalb glaube ich auch nicht, dass es große Änderungswünsche seitens der Politik geben wird.“

Was und warum

Darum geht es: Ein millionenschweres Pflichtprogramm für dieses Jahr zwingt die Gemeinde Großefehn, den Schuldenberg weiterhin aufzustocken. Trotz eines Rekords an Steuereinnahmen wird ein nicht ausgeglichener Haushalt erwartet.

Vor allem interessant für: Familien mit Kindern und alle, denen die Entwicklung der Gemeinde Großefehn am Herzen liegt.

Deshalb berichten wir: Die Verwaltung hat den Haushaltsentwurf für die Gemeinde Großefehn vorgestellt.

Den Autor erreichen Sie unter: n.homes@zgo.de

Zu den kostspieligsten Vorhaben im Haushaltsentwurf für 2022 der Gemeinde Großefehn gehören unter anderem der Erweiterungsbau bei der KGS Großefehn, der Bau des Feuerwehrhauses Zentrum sowie verschiedene Maßnahmen auf der Sport- und Freizeitanlage in Spetzerfehn. Insgesamt plant die Gemeinde für dieses Jahr Investitionen von fast 14 Millionen Euro: Rekord für Großefehn.

Dickes Plus an Gewerbeeinnahmen

Die Gemeinde verzeichnet noch einen weiteren Höchstwert. Sie geht von so vielen Steuereinnahmen wie noch nie aus. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Der Rat hat im vergangenen Jahr gleich mehrere Steuererhöhungen beschlossen, die ab diesem Jahr greifen. So werden nun jährlich für den ersten Hund 65 statt 50 Euro fällig. Der Hebesatz für die Grund- und Gewerbesteuer beträgt nun jeweils 420 Prozent statt zuvor 380 beziehungsweise 400. Damit hat sich Großefehn zum Spitzenreiter in der Umgebung gemacht. In Aurich beträgt der Hebesatz für die Grund- und Gewerbesteuer je 395, in Ihlow 380 und 370 und in Wiesmoor 383 und 377.

Vor allem durch das Gewerbe rechnet die Gemeinde mit deutlich mehr Einnahmen. Die einkalkulierten 6,7 Millionen Euro sind fast zwei Millionen mehr als in den beiden Vorjahren. Das begründet der Vize-Rathauschef Frank Cramer nicht nur mit der Steuererhöhung. „Es liegt auch am Boom in der Baubranche, die bei uns in der Gemeinde stark vertreten ist“, sagt Cramer.

Drittes Haushaltsdefizit in Folge

Insgesamt plant die Gemeinde mit Erträgen von fast 28,2 Millionen Euro. Ausgeglichen wird der Haushalt aber nicht sein. Denn die Verwaltung rechnet mit Ausgaben in Höhe von 28,55 Millionen Euro. Unterm Strich steht bei diesen Planungen ein Fehlbetrag von 375.200 Euro. Dieser fällt, verglichen mit geplanten 1,9 Millionen Euro schweren Defizit aus dem Vorjahr, gering aus. Jedoch hat sich die Gemeinde Großefehn eigentlich dazu verpflichtet, einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen.

Hintergrund ist eine Verpflichtung aus dem Jahr 2017. Damals erhielt die finanziell arg gebeutelte Gemeinde eine sogenannte kapitalisierte Bedarfszuweisung vom Land in Höhe von 3,52 Millionen Euro. Der Landkreis Aurich steuerte 528.000 Euro bei. Im Gegenzug stimmte die Gemeinde Zielvereinbarungen zu, zu denen auch ein ausgeglichener Haushalt gehört. 2020 gelang das schon nicht, coronabedingt wurde der defizitäre Haushalt aber dennoch genehmigt. Im vergangenen Jahr musste die Gemeinde für eine Haushaltsgenehmigung nachträglich den Rotstift ansetzen und zeigen, dass sie gewillt ist, wieder bessere Zahlen zu schreiben. So wurden die bereits erwähnten Steuererhöhungen beschlossen.

Nun plant die Gemeinde zum dritten Mal in Folge mit einem Haushaltsdefizit. „Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass der Haushalt genehmigt werden wird“, sagt Frank Cramer. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und zeigen mit diesem Haushalt deutlich unseren Einsparwillen.“ Die Gemeinde habe bei allen Zahlen „sehr defensiv“ geplant. „Es ist keine Träumerei, dass wir noch um das geplante Defizit herumkommen.“ Große Hoffnungen dafür setzt der stellvertretende Bürgermeister in eine mögliche Erhöhung des Kita-Zuschusses seitens des Landkreises. Da die letzte Kita-Vereinbarung Ende 2020 ausgelaufen war, wird nun eine neue ausgehandelt.

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