Serie: Blick ins alte Emden
Hunderte schauten zu, als ein Emder Möbelhaus abbrannte
Es war der größte Brand in der Emder Nachkriegsgeschichte bis dato: Vor knapp 30 Jahren stand das Möbelhaus Hummerich in Flammen. Beim Löschen gab es gleich mehrere Probleme.
Emden - Viele Emderinnen und Emder dürften sich noch gut daran erinnern: Am 21. November 1989 gegen Mittag brannte das Möbelhaus Hummerich lichterloh. In der neuen Folge unserer Serie „Blick ins alte Emden“ geht es um den bis dato größten Brand in der Nachkriegsgeschichte der Stadt. Bis zu 15 Meter hohe Feuersäulen reichten bei dem Inferno in den Himmel. Qualm und Rauch waren so stark, dass Anwohner in Emden sowie den angrenzenden Gemeinden Krummhörn und Hinte gebeten wurden, Türen und Fenster zu schließen. Die naheliegende Hochschule wurde evakuiert.
Die Emder Feuerwehr setzte alle verfügbaren Feuerwehrleute ein und es wurde Hilfe aus Norden alarmiert. Insgesamt 150 Kräfte kämpften gegen die Feuer. 21 Einsatzfahrzeuge wurden genutzt. Trotz des massiven Einsatzes war von dem knapp 11.000 Quadratmeter Gebäude fast nichts mehr zu retten, aber ein Überspringen auf andere Gebäude verhindert. Innerhalb von zwei Stunden brannten Verkaufs- und Ausstellungsräume des Möbelhauses bis auf die Grundmauern nieder. Verletzt wurde dabei niemand, obwohl das Feuer während der Geschäftszeiten ausbrach. Kunden und Mitarbeiter hatten sich gerade noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht.
Hunderte Schaulustige behinderten Lösch-Arbeiten
Rund 20 Kräfte der Polizei waren im Einsatz - insbesondere, um hunderte Schaulustige davon abzuhalten, die Arbeit der Feuerwehr zu behindern. Auf der naheliegenden Larrelter Straße entstand ein Verkehrschaos, weil viele Autofahrer langsamer fuhren, um zum Brand zu schauen. Die Straße musste für etwa eine halbe Stunde stadteinwärts gesperrt werden und aus einem Polizeihubschrauber heraus wurden Schaulustige aufgefordert, ihre Fahrzeuge von der Straße zu nehmen.
Erschwert wurde die Arbeit der Löschkräfte aber nicht nur durch die Schaulustigen. Sie konnten auch nicht in das brennende Möbelhaus vordringen, weil Stahlträger herabstürzten und Temperaturen von 800 bis 900 Grad herrschten. Ein zusätzliches Problem gab es, weil die Löschwasserversorgung nicht gesichert war. Es gab keine ausreichende Anzahl von Hydranten und Brunnen. Die Einsatzkräfte mussten zum Teil weite Strecken zurücklegen und beispielsweise Wasser aus dem benachbarten Grachtenviertel pumpen. Einige der Schlauchverbindungen platzten. Das löste im Nachhinein eine Diskussion über die Löschwasser-Versorgung aus. Schon bei einer Übung im Sommer vor dem Großbrand habe es Probleme in dem Gewerbegebiet gegeben, hieß es damals. Der Feuerwehr wurde später Planlosigkeit vorgeworfen. Bei einem Großbrand dieser Größe sei es nicht möglich, sofort eine ausreichende Menge Löschwasser zur Verfügung zu haben, hieß es vom damaligen Stadtrat Werner Lieke.
1990 schon die Neueröffnung
Brandstiftung wurde als Ursache von der Polizei schnell ausgeschlossen. Stattdessen wurde ein Kabelfehler als Grund für das Inferno genannt. 25 bis 30 Millionen Mark Schaden richtete das Feuer an. Auch Tage nach dem Großbrand riss der Strom der Schaulustigen nicht ab. Ein Wachdienst musste eingestellt werden, um Plünderer von der Ruine fernzuhalten.
Knapp zwei Monate nach dem Großbrand verkündete die Möbelfirma bereits, dass doppelt so groß neugebaut werden würde. Und tatsächlich: Im Dezember 1990 eröffnete das neue Möbelhaus des Traditionsunternehmens feierlich - und das im 100. Jahr des Firmenbestehens.