Kolumne: Digital total
Nicht einmal James Bond könnte helfen
Auf unserem Online-Auftritt veröffentlichen wir an sechs Tagen pro Woche eine Kolumne. Dienstags geht es immer um Digitales.
In der vergangenen Woche habe ich mal wieder meinen Lieblings-James-Bond-Film „Goldeneye“ geschaut. Der ist von 1995 und man sollte eigentlich denken, dass die Story fast 30 Jahre später, vor allem im technischen Sinne, ziemlich veraltet ist. Dem ist aber ganz und gar nicht so. „Goldeneye“ ist heutzutage aktueller den je.
Der Film handelt davon, dass eine Terroristenorganisation eine ex-sowjetische Weltraumwaffe mit dem Plan klaut, im Orbit über London eine nukleare Explosion auszulösen. Der resultierende elektromagnetische Puls (EMP) hätte alle Computer im Großraum der Finanzmetropole zerstört. Zwar gibt es, soweit wir wissen, keine solche Satellitenwaffe, die Sache mit der Atomexplosion und dem EMP-Effekt sind aber nicht komplett unrealistisch.
Zur Person
Fabian Scherschel (37), geboren in Duisburg und nun in Düsseldorf lebend, arbeitete bis 2019 als Redakteur für das Tech-Portal Heise-Online und für die Tech-Newsseite „The H“ in London. Als Freiberufler schreibt er unter anderem für das Magazin „c’t“. Mittlerweile hat der begeisterte Podcaster sein eigenes Projekt: fab.industries. Fernseh- und Radiosender schätzen ihn als Experten.
Wahrscheinlich würde man heutzutage einen solchen Angriff auf eine Finanzmetropole statt mit einer Atombombe aber schlicht und einfach mit einem Computervirus ausführen. Und genau da kommen wir dann auch dazu, warum der Plot von „Goldeneye“ heute aktueller ist als je zuvor: Wir bezahlen immer mehr Dinge elektronisch. Ein ziemlich großer Teil des Geldes, mit dem wir tagtäglich hantieren, existiert nur noch im Computer. Krypto-Währungen wie der der Bitcoin sind in aller Munde und werden nun bereits von Ländern als offizielle Währung akzeptiert.
Man stelle sich einmal vor, was passiert, wenn es jemand schafft, im großen Stil die Computersysteme unbrauchbar zu machen, über die solche Transaktionen abgewickelt werden. Die Folge wäre wahrscheinlich eine weltweite Finanzkrise, welche die Abstürze von 2008 und 1929 harmlos aussehen ließe.
Und weil der Angriff komplett digital mit Ransomware oder als solcher getarnter Schadsoftware ablaufen würde, könnte uns auch James Bond nicht helfen. Und leider lässt die Erfahrung der vergangenen Jahre vermuten, dass unsere Computersysteme durch die Bank auch nicht sicher genug sind, um so einen Angriff abzuwehren.
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