London
Studie: Überstandene Erkältungen können vor Corona-Infektion schützen
Laut Forschern des Imperial College in London könnte eine Kreuzimmunität mit „herkömmlichen“ Coronaviren vor einer Corona-Infektion schützen. Warum das wichtige Erkenntnisse für neue Impfstoffe sind.
Sars-CoV-2 ist nicht das einzige Coronavirus, das in der Bevölkerung grassiert: Vier Coronaviren gelten als endemisch. Im Gegensatz zu Sars-CoV-2, das eine potentiell gefährliche Erkrankung mit Covid-19 auslösen kann, verursachen diese Coronaviren in der Regel harmlose Erkältungen. Laut dem Deutschen Primatenzentrum in Göttingen durchlaufen etwa 30 Prozent aller Patienten, die mit einer Erkältung zum Arzt gehen, eine Infektion mit einem Coronavirus.
Wer eine solche Erkältung durchgemacht hat, könnte vor einer Infektion mit Sars-CoV-2 besser geschützt sein. Das zeigte eine Studie des Imperial College in London. Der Grund: T-Zellen, die durch Kontakt mit Erkältungscoronaviren gebildet wurden, könnten auch Sars-CoV-2 erkennen und angreifen.
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Diese Kreuzimmunität würde erklären, warum manche Menschen sich nicht infizierten, obwohl sie dem Virus ausgesetzt waren.
Die Studie wurde ab September 2020 im Vereinigten Königreich durchgeführt, als die meisten Menschen noch nicht mit Sars-CoV-2 infiziert waren oder eine Impfung gegen das Coronavirus erhalten hatten. Teilnehmer der Studie waren 52 Personen, die mit jemandem zusammenlebten, der einen positiven PCR-Test hatte. Die Personen waren dem Virus also ausgesetzt. Ab dem ersten Tag der Konfrontation mit dem Virus nahmen die Forscher Blutproben und untersuchten diese auf existierende T-Zellen von vorherigen Erkältungen. Parallel wurde mit PCR-Test untersucht, ob sich die Personen ansteckten.
Das Ergebnis: Die Hälfte der Teilnehmer steckte sich nicht mit Sars-CoV-2 an. Bei ihnen konnten die Forscher deutlich mehr kreuzreaktive T-Zellen feststellen, als bei jenen, die sich mit dem Coronavirus infizierten. Damit ist die Studie ein weiterer Baustein in der Erforschung von Kreuzimmunität mit Coronaviren. Zuvor hatten etwa Forscher der Charité herausgefunden, dass gegen Erkältungscoronaviren gebildete T-Zellen einen milderen Verlauf bei einer Corona-Erkrankung begünstigen könnten.
Wirksam gegen zukünftige Varianten? Hoffnung für neue Impfstoffe
Die T-Zellen greifen dabei nicht das Spike-Protein an der Oberfläche des Virus an, auf das etwa die derzeit verfügbaren Impfstoffe abzielen. Stattdessen wird ein Protein im Inneren des Virus angegriffen.
Diese Erkenntnis könnte in der Entwicklung zukünftiger Impfstoffe eine große Rollen spielen. Denn: Das Protein im Inneren des Virus sei deutlich besser geschützt und damit weniger anfällig für Mutationen. Impfstoffe, die an diesem Protein ansetzen, könnten langfristigen Schutz gegen das Virus bieten. „Neue Impfstoffe, die diese konservierten internen Proteine enthalten, würden daher weitgehend schützende T-Zell-Reaktionen induzieren, die vor aktuellen und zukünftigen SARS-CoV-2-Varianten schützen sollten“ sagte Ajit Lalvani, leitender Autor der Studie und Direktor der NIHR Respiratory Infections Health Protection Research Unit am Imperial College.
Die Autoren der Studie verwiesen deutlich darauf, dass die aktuell verfügbaren Impfstoffe weiterhin der beste Schutz gegen eine Corona-Infektion sind. Man solle sich keinesfalls auf den Schutz einer überstandenen Erkältung mit Coronaviren verlassen. „Der beste Schutz gegen Covid-19 ist die vollständige Impfung, inklusive Booster“, sagte Kundu.