Tierwohl
Mahnwache in Aurich vor EU-Entscheidung zu Tiertransporten
Der Verein „Ostfriesen gegen Tierleid“ hat am Sonnabendvormittag erneut in Aurich-Schirum auf die Bedingungen für Tiertransporte aufmerksam gemacht. Am 20. Januar steht eine wichtige Entscheidung an.
Aurich - Es ist kurz nach 10 Uhr an der Leerer Landstraße in Aurich-Schirum. Die Aktivisten der Organisation „Ostfriesen gegen Tierleid“ sind am Sonnabendmorgen früh aufgestanden, haben ihre Transporte in ihren Fahrzeugen verstaut und sich auf den Weg zum Sitz des „Vereins ostfriesische Stammviehzüchter“ (VOST) gemacht. Von dort gehen regelmäßig Transporte mit Rindern in Länder, die nicht Mitglied der EU sind. Dagegen richtet sich der Protest der Tierschützer. Sie haben mehrere Transparente so aufgestellt, dass sie aus allen Fahrtrichtungen zu sehen sind.
Es ist nicht die erste Mahnwache dieser Art und es wird auch nicht die letzte sein, wie Manfred Hagemann versichert. Der Sprecher der Gruppe „Ostfriesen gegen Tierleid“ verweist auf den aktuellen Bezug der Aktion am Sonnabend. Erst vor wenigen Tagen habe sich auch international Protest gegen Tiertransporte formiert. Die Tierschutzorganisationen „Vier Pforten“, Compassion in World Farming (CIWF), Animals International und We Move haben am vergangenen Donnerstag eine Petition mit 900.000 Unterschriften an das Europäische Parlament übergeben, in der sie ein Verbot von Tiertransporten in Drittländer und strenge Transportzeitbegrenzungen fordern.
Strengere Bedingungen für Transporte
Die Übergabe war sehr bewusst gewählt, heißt es in Medienberichten. Im EU-Parlament steht nämlich am 20. Januar eine Abstimmung zum Thema an. Sie könnte den Weg für eine neue EU-Gesetzgebung durch die EU-Kommission ebnen, indem sie strengere Bedingungen für Transporte verhängt. Jedes Jahr werden Millionen von Nutztieren über Tausende von Kilometern hin und her bewegt werden, um geschlachtet oder für die Schlachtung gemästet zu werden. Während dieser Transporte leiden sie nach Angaben der Tierschützer an extremem Stress. Sie sind erschöpft, werden verletzt. Auch trächtige Tieren, die manchmal „unter schrecklichen Bedingungen an Bord von Fahrzeugen gebären“, so die Tierschützer, würden auf die Reise geschickt
Manfred Hagemann erinnert daran, dass das niedersächsische Landwirtschaftsministerium im Mai vergangenen Jahres per Erlass einen geplanten Transport von 270 tragenden Zuchtrindern aus Aurich nach Marokko untersagt hatte. Der Tierschutz habe für sie eine hohe Priorität, hatte Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) damals mitgeteilt. Das Ministerium ging davon aus, dass die Tiere sehr wahrscheinlich in Marokko tierschutzwidrig behandelt würden. Das Verwaltungsgericht Oldenburg hat das Verbot jedoch aufgehoben, so dass der Transport freigegeben werden musste.
In den Augen von Hagemann sind auch die Verbraucher in der Pflicht, sich gegen das System der Milchwirtschaft zu stellen. „Wer einigermaßen empathisch ist, verzichtet auf Milchprodukte“, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung. Damit eine Kuh Milch geben könne, müsse sie kalben. Dieser Nachwuchs sei aber aus wirtschaftlicher Sicht vollkommen überflüssig, das Leid von Tieren dadurch vorprogrammiert. Konsequenterweise seien alle Mitglieder von „Ostfriesen gegen Tierleid“ deshalb Veganer.