Verwertung

Auricher Recycler investieren sechs Millionen

Ole Cordsen
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Von Ole Cordsen
| 15.01.2022 17:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
•Arne Bohlen (links) prüft frisch geschredderten Kunststoff, der über Förderbänder in den Extruder transportiert wird. Stefan Bohlen sieht ihm dabei zu. Eine nahezu baugleiche Anlage soll jetzt noch in Halle 13 auf dem Firmengelände entstehen. Foto: Cordsen/Archiv
•Arne Bohlen (links) prüft frisch geschredderten Kunststoff, der über Förderbänder in den Extruder transportiert wird. Stefan Bohlen sieht ihm dabei zu. Eine nahezu baugleiche Anlage soll jetzt noch in Halle 13 auf dem Firmengelände entstehen. Foto: Cordsen/Archiv
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Das Unternehmen B-Plast 2000 baut in Aurich-Schirum zwei weitere Hallen und kauft eine dritte, direkt angrenzend. Auf dem Firmengelände wird es allmählich eng – aber die Macher haben eine Hoffnung.

Aurich - Was das Firmengelände von B-Plast 2000 im Gewerbegebiet Aurich-Schirum in Containern verlässt, landet in Pfannenwendern, in Kunststoffbauteilen von Autos, in kompostierbaren Plastiktüten, in Rohren, die Kabel abschirmen, in Kunststofffasern, aus denen Kleidung gewoben wird, in Schuhsohlen oder in Fenstern für den Hausbau. Und doch erkennt man es nicht wieder, weil es in der Zwischenzeit eingeschmolzen, in Form gepresst und verarbeitet worden ist.

Die Führung von B-Plast 2000 (von links), Arne, Theo und Stefan Bohlen sowie Thomas Janssen, erweitert kontinuierlich. Nun soll auch die Halle im Bildhintergrund, die direkt neben dem Verwaltungsgebäude steht, mit ins Firmengelände integriert werden. Foto: Cordsen
Die Führung von B-Plast 2000 (von links), Arne, Theo und Stefan Bohlen sowie Thomas Janssen, erweitert kontinuierlich. Nun soll auch die Halle im Bildhintergrund, die direkt neben dem Verwaltungsgebäude steht, mit ins Firmengelände integriert werden. Foto: Cordsen

Seit mehr als 20 Jahren kauft die Auricher Firma Produktionsreste aus den großen Kunststofffabriken Europas auf, transportiert sie nach Aurich, schreddert sie dort, zermahlt sie, filtert und veredelt sie. Heraus kommen Granulate, aus denen eben neue Plastikprodukte entstehen. „Der Nachhaltigkeitsgedanke prägt sich bei der verarbeitenden Industrie allmählich stärker aus. Heute wirbt etwa Volvic damit, Flaschen aus recycletem Kunststoff zu nutzen. Das war vor Jahren noch undenkbar“, sagt Geschäftsführer Stefan Bohlen. „Gerade Granulate für hochwertige Kunststoffe werden immer stärker gefragt – so sehr, dass wir zuletzt kaum hinterhergekommen sind, um die Nachfrage bedienen zu können“, fügt er an.

Zusätzliche Maschinen und Hallen

Aus diesem Grund tut das Familienunternehmen, was es seit der Gründung im Jahr 1998 sehr regelmäßig tut: Es schafft noch weitere Maschinen an und baut neue Hallen. Rund sechs Millionen Euro investiert B-Plast 2000 in den Bau zweier weiterer Hallen auf dem knapp acht Hektar großen Firmenareal in Schirum. Beide Hallen sollen je 2500 Quadratmeter groß sein. In einer davon wird eine große Anlage aufgebaut, wie sie B-Plast 2000 schon vor zwei Jahren in Betrieb genommen hat: Sie kann alle möglichen Sorten thermoplastischer Kunststoffe zerkleinern und in sortenreines Granulat verwandeln. „Herkömmliche Anlagen taugen in aller Regel nur für einen Kunststofftyp und schaffen zumeist auch nur knapp ein Drittel der Menge, die diese Anlage bewältigt“, sagte Arne Bohlen, der in der Geschäftsführung die Produktion verantwortet, seinerzeit.

1,6 Tonnen pro Stunde schafft die „Neue“, üblich seien eher 400 bis 500 Kilogramm. „Wir sind mit dieser Anlage deutlich flexibler als vorher – und schaffen zudem größere Mengen.“ Auch Ausschussware bei der Folienproduktion wird zerkleinert, im Extruder unter Druck in einer Schnecke geschmolzen und durch Filter mit mikroskopisch kleinen Öffnungen gedrückt, sodass Verunreinigungen und Fremdstoffe herausgelöst werden können. Dies ist für das Auricher Unternehmen wichtig, weil große Märkte wie China, aber auch Indonesien, Thailand oder Taiwan inzwischen nur noch sortenreine Granulate für den Import zulassen. „Die erste Anlage haben wir inzwischen so weit optimiert, die schafft so viel, dass unsere Lagerkapazitäten nicht mehr ausreichen und wir Rohmaterial zuletzt außerhalb der Hallen lagern mussten. Das hat Fahrwege auf dem Gelände unnötig lang gemacht, deswegen bauen wir jetzt zusätzlich eine weitere Lagerhalle“, fügt Arne Bohlen an.

Hospimobil Ambulance

Beide Hallen – es werden die Hallen 12 und 13 sein – sollen samt entsprechender Laderampen ab Frühjahr errichtet und vor Jahresende fertiggestellt sein. Zusätzlich haben die Verantwortlichen eine 1000 Quadratmeter große Halle gekauft, die direkt an das Verwaltungsgebäude auf dem Firmengelände angrenzt und in der aktuell noch der Rettungsdienst Hospimobil Ambulance sitzt. Der baut wenige Hundert Meter entfernt neu, wie Firmengründer Theo Bohlen sagt. Dort sollen die Verfahrenstechniker im Betrieb ein eigenes Reich bekommen.

In der Menge verarbeite man heute gar nicht unbedingt viel mehr Ware als früher, „um die 75.000 Tonnen pro Jahr“. Gut 400 Laster liefern pro Monat Rohmaterial an oder bringen recyclete Granulate in Containern beispielsweise zum Jade-Weser-Port nach Wilhelmshaven, von wo aus die Plastikkörner in alle Welt verschifft werden Konkret: In 41 Länder auf vier Kontinenten. „Weil wir aufgerüstet haben, können wir jetzt aber höherwertige Granulate als früher herstellen, für die sich auch deutlich bessere Preise erzielen lassen und die sich besser in Europa vermarkten lassen. Zugleich benötigen wir dafür aber auch mehr Platz“, sagt Bohlen. Die Zahl der Mitarbeiter soll von 100 auf 115 wachsen.

Wird das Gewerbegebiet nochmals erweitert?

Auch wenn das Unternehmen erst 2014 seine Firmenfläche in Schirum auf knapp acht Hektar fast verdoppeln konnte, ist das Areal mit den zwei neuen Hallen jetzt aber schon wieder nahezu voll. „Für eine einzige Halle haben wir noch Platz“, sagt Theo Bohlen. „Es wird tatsächlich eng.“ Und dann? „Konkret damit auseinandergesetzt haben wir uns noch nicht. Wir haben noch ein etwa 3500 Quadratmeter großes Grundstück nahe der Bundesstraße, das wir bebauen können. Ansonsten setzen wir auf die Stadt Aurich, die wirklich gewerbefreundlich ist. Wir möchten schon gern hier in Schirum bleiben, wo wir alles aufgebaut haben“, sagt Theo Bohlen. „Generell ist natürlich auch denkbar, über weitere Standorte nachzudenken, aber hier haben wir die kurzen Wege und schon einiges aufgebaut. Hier haben wir uns entwickelt“, sagt Bohlen. Indirekt, zwischen den Zeilen, kann den nicht offiziell so formulierten Wunsch an die Stadt, auf Sicht das Gewerbegebiet in Schirum noch einmal zu erweitern, erkennen.

Was passiert mit dem Haushalts-Plastikmüll?

Was Bohlens Unternehmen links liegen lässt, ist das Recycling von Plastik-Haushaltsabfällen, die im gelben Sack landen. „Das ist nicht unser Geschäftsgebiet, wir verarbeiten nur sortenreine Produktionsreste aus der Kunststoffherstellung“, sagt Theo Bohlen. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) produziert die Menschheit insgesamt rund 300 Millionen Tonnen Plastikmüll im Jahr – auch wegen Corona-Folgen zuletzt merklich steigend.

In Deutschland sind es laut Statistischem Bundesamt (Destatis) rund sechs Millionen Tonnen. Einen Teil seines Plastikmülls transportiert Deutschland aber in andere Länder: gut eine Million Tonnen allein im Jahr 2020 laut Destatis.Tendenz: sinkend, auch weil das einst größte Abnehmerland China wie auch Indonesien, Thailand oder Taiwan nur noch sortenreinen Kunststoff annimmt.

Auch in Malaysia regt sich Widerstand gegen deutschen und europäischen Plastikmüll. Vom in Deutschland bleibenden Abfall wird laut Destatis knapp die Hälfte recycelt (42 Prozent), gut die Hälfte (56 Prozent) wird wegen Verunreinigungen verbrannt.

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