Tourismus
Besucherlenkung: Wie sieht die Planung in den Touristenorten aus?
Ab Ostern sollen die Touristen an Ostfrieslands Küste digital gelenkt werden. Zu große Menschenansammlungen soll es so nicht geben. Wie bereiten sich die Urlaubsorte vor und wo werden die Daten erfasst?
Krummhörn/Altkreis Norden - Seit dem Beginn der Corona-Pandemie sind die ostfriesischen Urlaubsorte und andere innerdeutsche Reiseziele besonders beliebt. Das freut zwar die hiesigen Touristiker, aber große Menschenansammlungen sollen gleichzeitig verhindert werden. Darum lässt derzeit die für ganz Niedersachsen zuständige touristische Dachorganisation Nordsee GmbH ein digitales System zur Besucherlenkung entwickeln. Es soll etwa zu Ostern an den Start gehen und den Urlaubern auch nach der Pandemie die Tagesplanung erleichtern. Wie aber wird das Projekt in Ostfriesland im Einzelnen umgesetzt?
Was und warum
Darum geht es: Wir listen auf, inwiefern sich ostfriesische Kommunen an dem Besucherlenkungs-Projekt der Nordsee GmbH beteiligen.
Vor allem interessant für: Bewohner und Besucher der betroffenen Kommunen, die sich über die Sensortechnik und die Monitore wundern
Deshalb berichten wir: In ein paar Monaten soll das Projekt beginnen. Wir wollten wissen, wie weit die Vorbereitungen sind. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
„Wir sind sehr gut vorbereitet“, sagt auf Nachfrage Heinrich Heinenberg, der kommisarische Geschäftsführer der Touristik GmbH Krummhörn-Greetsiel. Die Ausschreibungen seien erfolgt und Aufträge an die ausführenden Firmen vergeben worden. Nun hoffe man darauf, dass zeitnah mit dem Aufbau der Technik begonnen werden kann, so Heinenberg. Es sei geplant, an einigen touristisch wichtigen Punkten in der Gemeinde Krummhörn Lasersensoren anzubringen. Sie sollen ein dreidimensionales Bild einer Fläche erstellen, um dann mit einer Software Umrisse von Fußgängern, Autos, Wohnmobilen oder Rädern anonym auswerten zu können.
Krummhörn: Kontrollpunkte in Greetsiel, Pilsum und Upleward
Vor allem an Laternenmasten sollen die „Radarköpfe“ angebracht werden, kündigt Heinenberg an. Sie bieten wegen ihrer Höhe einen besseren Überblick und eine Stromversorgung ist bereits vorhanden. Als Standorte wurden für die Sensoren in Greetsiel die Parkplätze Mühlenstraße, Ankerstraße, Okko-tom-Brook-Straße und der Wohnmobilstellplatz sowie außerhalb Greetsiels die Parkplätze am Pilsumer Leuchtturm und am Trockenstrand Upleward festgelegt, bestätigt Heinenberg.
Zudem gebe es schon jetzt im Greetsieler Hafen einen Infobildschirm beim Hohen Haus, wo Wetterberichte, Veranstaltungen und andere aktuelle Ereignisse oder Angebote angekündigt werden können. Dieser soll bei dem Projekt mit eingebunden werden und mit den Sensoren in der Krummhörn und in weiteren Ferienorten – auch außerhalb der Krummhörn – kommunizieren. Drei weitere Bildschirme sollen beim Schwimmbad Oase, beim Parkplatz an der Mühlenstraße (bei den öffentlichen Toiletten) sowie beim Wohnmobilstellplatz hinzukommen. An diesen Stellen sollen die Besucher dann nachschauen können, wo es gerade besonders voll ist und wo man stattdessen hingehen könnte. Auch Besucher-Vorhersagen sollen dank einer künstlichen Intelligenz und bereits gesammelter Daten später möglich werden, hatte es bereits vor einem Jahr geheißen. Alle Daten sollen zudem auch auf Smartphones abgerufen werden können.
So sieht es in Dornum und Norden aus
In der Gemeinde Dornum soll die Sensortechnik an zwei Strandzugängen in Dornumersiel, an einem Strandzugang in Neßmersiel und beim Spielpark Sturmfrei entstehen. Informationen sollen die Gäste in der Gemeinde ebenfalls entweder über ein mobiles Endgeräte oder über öffentlich einsehbare Monitore in Erfahrung bringen können, die schon jetzt beim Campingplatz, beim Reethaus (Touristinformation) in Dornumersiel und beim Sturmfrei zu finden sind. Neu dazu kommen laut Dornums Tourismuschef Rolf Kopper Anzeigesysteme bei den erwähnten Strandzugängen.
In der Stadt Norden, der dritten teilnehmenden Kommune in Ostfriesland, sollen landseits des Deiches sechs Sensoren an vier bis fünf Meter hohen Masten die Besucherzahlen an den Deichübergängen messen, kündigt Jens Albowitz vom Tourismus-Service Norden-Norddeich an. „Auf der anderen Seite des Deiches, an allen Strandzugängen der neuen Wasserkante, sollen fünf große Monitore die Besucher über die Auslastung verschiedener Einrichtungen in Norden-Norddeich informieren.“ Die digitalen Anzeigen gibt es zudem an der Touristinformation und beim Erlebnisbad Ocean Wave. „Weitere Messstellen können im Anschluss an das Projekt angeschlossen werden“, so Albowitz weiter.
Weitere Kommunen nehmen teil
Ferner soll die Auslastung der Tourist-Information anhand einer bereits installierten Lichtschranke erfasst werden. Im Erlebnisbad Ocean Wave sollen außerdem – wie auch im Dornumer Schwimmbad – die Daten des vorhandenen Kassensystems einfließen. „Bisher können nämlich nur die Mitarbeiter die Angaben über die Zahl der Gäste im Bad einsehen“, so Albowitz.
Neben Norden, Dornum und der Krummhörn nehmen in Niedersachsen auch das Wangerland, Wilhelmshaven, Butjadingen, Bremerhaven, die Wurster Nordseeküste sowie Otterndorf, Bad Bederkesa und Cuxhaven an dem Projekt der Nordsee GmbH teil. Im schleswig-holsteinischen St. Peter-Ording wurde ein System, wie es jetzt von der Nordsee GmbH geplant wird, bereits im Sommer 2020 in Form eines „Ampelsystems“ ausgetestet. Damit habe man gute Erfahrungen gesammelt, heißt es von dort.