Osnabrück

Anbindehaltung: Bundesregierung will Kühe von der Kette lassen

Dirk Fisser
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Von Dirk Fisser
| 15.01.2022 01:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Kühe an der Kette: In vielen Ställen gerade in Süddeutschland ist das noch Realität. Die Bundesregierung will zumindest die ganzjährige Anbindehaltung beenden. Foto: Patrick Seeger/dpa
Kühe an der Kette: In vielen Ställen gerade in Süddeutschland ist das noch Realität. Die Bundesregierung will zumindest die ganzjährige Anbindehaltung beenden. Foto: Patrick Seeger/dpa
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Kühe im Stall anbinden? Damit will die Bundesregierung Schluss machen. Zumindest wenn die Tiere nicht wenigstens im Sommer auf die Weide dürfen. Das bestätigte das Bundeslandwirtschaftsministerium von Cem Özdemir.

Die Bundesregierung will die ganzjährige Anbindehaltung von Kühen beenden. Das bestätigte eine Sprecherin des Bundeslandwirtschaftsministeriums unserer Redaktion. Die „wesentlichen arteigenen Verhaltensweisen von Rindern“ seien erheblich eingeschränkt, deswegen müsse die Anbindehaltung „aus tierschutzfachlicher Sicht auslaufen“. Es „muss es das Ziel sein, vollständig aus dieser Haltungsform auszusteigen“, so die Ministeriumssprecherin.

Weitere Details nannte sie zunächst nicht, eine angemessene Übergangszeit soll den betroffenen Landwirten beim Ausstieg aber gewährt werden. Im Koalitionsvertrag der Ampel-Parteien ist ein Zeitraum von zehn Jahren hinterlegt. 

Zuvor hatten neben Edeka und Netto auch Aldi Süd und Nord angekündigt, künftig bei Trinkmilch-Eigenmarken nur noch Milch aus höheren Haltungsformen verkaufen zu wollen. Das schließt ganzjährige Anbindehaltung aus. Wie viele Kühe in Deutschland so gehalten werden, ist unklar. Die Landwirtschaftszählung 2020 ergab 1,1 Millionen entsprechende Haltungsplätze. Dies bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass die Kühe ganzjährig angebunden sind.

Bauernpräsident: Anbindehaltung ohne Perspektive

Bauernpräsident Joachim Rukwied sagte unserer Redaktion: „Langfristig gesehen hat eine ganzjährige Anbindehaltung weder für das Tier noch für den Bauern eine Zukunftsperspektive.“ Einen Ausstieg binnen zehn Jahren wie von der Ampel-Koalition geplant, nannte er ein „realistisches Zeitfenster“. Er rief aber dazu auf, solche Betriebe zu erhalten, die ihre Tiere nur in den Wintermonaten anbinden und im Sommer „auf die Alm schicken“. Dafür brauche es eine gesonderte Lösung.

Tierschutzorganisationen fordern auch für diese sogenannte Kombinationshaltung das Aus. „Provieh“ kritisierte die Ankündigung der Handelskonzerne: „Die Messlatte könnte niedriger nicht hängen“, so Anne Hamester von Provieh. Sie verwies darauf, dass bereits jetzt ein Großteil der Betriebe bereits seine Tiere entsprechend der Stufe 3 hält, die Aldi ab 2030 zum Mindeststandard für Trinkmilch machen will.

Die Haltungsstufen sind der privatwirtschaftlichen „Initiative Tierwohl“ entlehnt. Eine Ausnahme sieht das Modell übrigens für Bio-Betriebe vor: Diese sollen zumindest zeitweise auch weiterhin Kühe anbinden dürfen. Diesen Umstand bezeichnete Provieh-Vertreterin Hamester als „inakzeptabel“. Mindeststandards in der Milchviehhaltung sind in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung bislang nicht hinterlegt.

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