Protest

„Spaziergänger“ in Aurich bekommen Gegenwind

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 13.01.2022 18:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein Großaufgebot von Polizeibeamten begleitete am Montag dieser Woche den „Spaziergang“ in Aurich. Foto: Ortgies
Ein Großaufgebot von Polizeibeamten begleitete am Montag dieser Woche den „Spaziergang“ in Aurich. Foto: Ortgies
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„Spaziergänger“ gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen werden sich auch am kommenden Montag in Aurich auf den Weg machen. Diesmal bekommen sie Gegenwind. Die Polizei hält sich bedeckt.

Aurich - Auch am kommenden Montag wird es in der Auricher Innenstadt wieder einen „Spaziergang“ gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen geben – und eine Gegendemo. Wie üblich ist die Demonstration der „Spaziergänger“ nicht angemeldet, doch ein Teilnehmer hat den Termin im Gespräch mit der Redaktion bestätigt. Auch die Stadt Aurich stellt sich erneut auf einen „Spaziergang“ ein, wie Pressesprecher Johann Stromann am Donnerstag mitteilte. Das Ordnungsamt sei im ständigen Austausch mit der Polizei.

Die Linksjugend Aurich ruft unterdessen zu einer „Kundgebung gegen Hass und Demokratiefeindlichkeit“ auf. Die Gegenkundgebung ist im Unterschied zum „Spaziergang“ ordnungsgemäß bei der Stadt angemeldet worden, wie Stromann bestätigte. Organisator Kai Beitelmann, Pressesprecher der Linksjugend Aurich, rechnet mit rund 50 Teilnehmern. Sie treffen sich um 17.45 Uhr auf dem Bürgermeister-Hippen-Platz vor dem Rathaus.

„Wir stellen uns auf die Seite der Wissenschaft“

Beitelmann nennt die Teilnehmer der Spaziergänge „Verschwörungsgläubige“. Auf den „Spaziergängen“ würden „rechte, rassistische und antisemitische Ansichten verbreitet und unkommentiert stehen gelassen“, schreibt der 16-Jährige in einer Pressemitteilung. „Wir wollen ein Zeichen dagegen setzen und stellen uns klar auf die Seite der Wissenschaft, der Demokratie und der Solidarität.“

Auf die Frage, ob er selbst auf einer Auricher Demo schon einmal rassistische und antisemitische Aussagen gehört habe, sagte Beitelmann, die Kritik richte sich gegen die „Spaziergänge“ im Allgemeinen. Sie würden über den Messengerdienst Telegram von der Gruppe „Freie Niedersachsen“ organisiert, die sich wiederum an die rechtsextreme Gruppe „Freie Sachsen“ anlehne.

„Von uns geht keine Gewalt aus“

Anders als die „Spaziergänger“ wollen die Teilnehmer der Gegenkundgebung am Montagabend an Ort und Stelle bleiben. Man werde Banner und Schilder mitbringen, sagte Beitelmann. Auf dem Platz vor dem Rathaus seien einige Redebeiträge geplant. Daran werde sich auch die Ortsgruppe Aurich der Menschenrechtsorganisation Amnesty International beteiligen. Gewalttätige Auseinandersetzungen befürchtet der 16-Jährige nicht. „Das wird friedlich bleiben. Von uns geht keine Gewalt aus, absolut nicht, und ich denke auch, dass die Spaziergänger friedlich bleiben.“ Die Polizei wollte sich am Donnerstag nicht zu dem Thema äußern.

Am Montag dieser Woche hatte die Polizei in Aurich einen „Spaziergang“ mit rund 170 Teilnehmern mit einem Großaufgebot begleitet. Die Bereitschaftspolizei aus Osnabrück war im Einsatz. Die Beamten liefen und fuhren neben den Demonstranten her und mahnten die Einhaltung der Maskenpflicht an. Diesmal blieb alles friedlich. Eine Woche zuvor hatten sich nach Angaben der Polizei zahlreiche der rund 250 Teilnehmer eines „Spaziergangs“ provokativ verhalten. Eine Polizeikette sei durchbrochen worden, Einsatzkräfte seien angeschrien und geschubst worden.

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