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Parler, Gettr, Truth Social: die Medien-Parallelwelten von Trump und Co.

Marvin Weber
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Von Marvin Weber
| 13.01.2022 17:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Alternativen wie die Netzwerke Parler oder Gettr stehen besonders bei Anhängern von Donald Trump hoch im Kurs. Foto: imago images/Hans Lucas
Alternativen wie die Netzwerke Parler oder Gettr stehen besonders bei Anhängern von Donald Trump hoch im Kurs. Foto: imago images/Hans Lucas
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Alternative Social-Media-Dienste wie Parler, Gettr und zukünftig wohl auch Trumps geplantes Netzwerk Truth Social, haben vor allem in rechten Kreisen Erfolg. Was hinter den Online-Diensten steckt und wie viele sie nutzen.

Abseits der gängigen Social-Media-Plattformen wie Facebook, Twitter und Instagram kommen immer wieder neue Online-Dienste auf den Markt, zumeist genutzt von rechten oder demokratiefeindlichen Kreisen. Neben Parler und Gettr dürfte wohl Donald Trumps geplantes Projekt Truth Social in den kommenden Wochen für Schlagzeilen sorgen. Was hinter den alternativen Netzwerken steckt.

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Truth Social: bislang nur für „geladene Gäste“

Unter dem Namen Truth Social will der frühere US-Präsident Donald Trump voraussichtlich ab Mitte Februar mit seiner eigenen Internetplattform durchstarten. Truth Social solle eine Alternative zu den etablierten Diensten wie Twitter und Facebook sein, die der Meinung von Donald Trump nach gegen ihn und konservative Stimmen voreingenommen seien. 

Auf der Webseite des Netzwerks heißt es, Truth Social sei eine Social-Media-Plattform, die eine offene, freie und ehrliche globale Konversation fördere, ohne politische Ideologien zu diskriminieren. Ziel sei es, der „Tyrannei“ der großen Tech-Unternehmen die Stirn zu bieten. „Wir leben in einer Welt, in der die Taliban eine riesige Präsenz auf Twitter haben, aber euer liebster amerikanischer Präsident zum Schweigen gebracht wurde“, hatte Trump Ende Oktober mitgeteilt, als erste Details über das Vorhaben bekannt wurden. 

Twitter, Facebook und YouTube hatten Trumps Konten im Januar 2021 kurz vor dem Ende seiner Amtszeit gesperrt. Allein auf Twitter, Trumps Hauptkommunikationskanal, folgten ihm mehr als 80 Millionen Nutzer. Hauptsächlicher Grund für dieses Vorhaben war die Erstürmung des US-Kapitols am 6. Januar vergangenen Jahres durch Anhänger von Donald Trump.

Nach Angaben der „Trump Media and Technology Group“ (TMTG) wird das soziale Netzwerk derzeit von geladenen Gästen genutzt, während es sich auf den öffentlichen Start vorbereitet. Trumps neues Netzwerk soll mit anderen Plattformen um die Menschen konkurrieren, die sich wegen vermeintlicher Einschränkungen der Meinungsfreiheit von den etablierten Plattformen abwenden, so die geplante Marschroute.

Parler: wohl mehr als 16 Millionen User

Die seit dem Jahr 2018 bestehende Twitter-Kopie machte vor allem 2021 Schlagzeilen als der Server-Betreiber Amazon sowie Apple und Google die Plattform nach dem Sturm aufs Kapitol Anfang Januar offline nahmen. Nach der gut einmonatigen Zwangspause ging das Netzwerk, das eigenen Angaben zufolge mehr als 16 Millionen Nutzer hat, über einen neuen Server wieder online. Zumindest im App-Store ist Parler aktuell wieder verfügbar. In Googles Play Store ist die App weiterhin nicht zu finden. 

Das Netzwerk selbst wirbt mit Redefreiheit und ist vor allem bei Anhängern von Donald Trump und rechten Amerikanern populär. In der Kritik stand die Plattform vor allem, weil die Betreiber weitgehend auf die Regulierung von Inhalten verzichteten und gegen die Verbreitung von Hassreden und falschen Informationen nichts unternahmen. Neue Richtlinien sowie die manuelle und künstlich intelligente Moderation von Inhalten sollen nun verhindern, dass die App nicht mehr für Hass und Hetze benutzt werde. Dennoch blieben Hashtags wie #KillBiden oder #KillKamala weiterhin monatelang auf der Plattform online, wie die „New York Times“ berichtete.

Gettr: mehr als drei Millionen Accounts

Deutlich kleiner als Parler ist Gettr: Der ehemalige Trump-Sprecher, Jason Miller, gründete die Social-Media-Plattform, die seit Juli 2021 online ist und bei der mittlerweile mehr als drei Millionen Menschen einen Account angelegt haben. Der Name setzt sich aus „getting together“ (auf Deutsch: zusammenkommen) zusammen. Eigenen Angaben zufolge beruht die Plattform auf den „Grundsätzen der freien Meinungsäußerung, des unabhängigen Denkens und der Ablehnung von politischer Zensur sowie 'Löschkultur'“. 

Im Erscheinungsbild ähnelt das Netzwerk sehr deutlich dem Design von Twitter. Einem Bericht der „Neuen Züricher Zeitung“ (NZZ) zufolge finden auf der Plattform neben Trump-Anhängern auch Impfgegner und Corona-Leugner ein neues Zuhause. Laut NZZ sind von den insgesamt drei Millionen Usern rund 250.000 aus Deutschland. Einer der wohl prominentesten Gettr-User aus der Bundesrepublik ist Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen, der in seiner eigenen Partei, der CDU, zuletzt wegen impfkritischer Beiträge auf Twitter in die Kritik geraten war.

mit Material von afp und dpa

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