Raubtier
Wolf tötete in Poghausen drei Schafe
Die drei auf einer Weide in Poghausen entdeckten toten Schafe gehen auf das Konto eines Wolfes. Ein hoher Elektrozaun konnte die Tiere nicht vor ihrem Angreifer schützen. Wo ist das Raubtier jetzt?
Neudorf - Was aufgrund der Spurenlage erst nur eine Vermutung war, ist jetzt Gewissheit. Die Schafe von Hilmar und Carola Wolters aus Neudorf wurden von einem Wolf gerissen. Das ergab die Genanalyse von Gewebeproben. Die hatte die Wolfsberaterin Irene Pröbsting aus Detern den Tierkadavern entnommen und zur Untersuchung an den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Hannover geschickt. „Die Nachricht, dass es ein Wolf war, haben wir am Sonnabend erhalten. Der Vorfall hatte sich am 25. November auf einer unserer Weiden in Poghausen ereignet“, sagt Milchviehhalter und Schafzüchter Hilmar Wolters. Jetzt habe er sechs Monate Zeit, um einen Antrag auf sogenannte Billigkeitsleistungen bei der Landwirtschaftskammer zu stellen. Dabei handelt es sich um eine finanzielle Entschädigung. Die zahlt das Land Niedersachsen für Nutztiere, die vom streng geschützten Wolf getötet worden sind. „Wie viel Geld ich bekomme, weiß ich nicht“, so der 31-Jährige. Das hänge von mehreren Faktoren ab, unter anderem vom Alter und der Rasse und ob es Zucht- oder Schlachttiere gewesen seien.
Bei den drei Schafen von Hilmar und Carola Wolters hatte das Raubtier die Kehlen durchgebissen, die Bäuche aufgerissen und die Herzen aufgefressen. Um zu seiner Beute zu gelangen, war es über einen sogenannten wolfssicheren Elektrozaun gesprungen. „Eine andere Erklärung gibt es nicht“, sagt der Landwirt. Er sei ratlos. Der von ihm aufgestellte Zaun bestehe aus fünf Stromlitzen. Die erste befinde sich in 20 Zentimetern Höhe vom Boden weg, die nächsten in 40, 60, 90 und 120 Zentimetern Höhe. „Da sind 9000 Volt drauf.“ Die Weide sei für den Wolf wie ein gedeckter Tisch gewesen. Die Schafe hätten keine Chance gehabt, wegzulaufen.
Große Sorgen um die Kinder
Insgesamt liefen im November auf der Weide zwischen Spolser und Poghausener Brücke 17 Schafe. 14 von ihnen blieben unverletzt, standen nach der Attacke jedoch apathisch in einer Ecke. „Wenn nicht einmal die vom Land für wolfssicher erklärte Einzäunung hilft, Tiere zu schützen – was dann?“, fragt der Neudorfer. Ob sich das Raubtier noch in der Gegend aufhalte, könne ihm auch niemand sagen.
Deshalb machten er und seine Frau sich große Sorgen – vor allem wegen ihrer Kinder. Wolters haben drei kleine Töchter. Sie unbeaufsichtigt draußen beim Haus und auf dem Hof spielen zu lassen, bereite ihnen Sorgen. Anders als immer gesagt werde, sei der Wolf bei ihnen tagsüber auf Beutefang gewesen, habe sich nicht durch den Verkehrslärm auf der Wiesmoorer Straße, die in der Nähe der Weide verlaufe, abschrecken lassen.
Ein Wolf wurde getötet
Derzeit sind in Niedersachsen offiziell 39 Wolfsrudel, ein Wolfspaar und zwei Einzelwölfe nachgewiesen (Stand Oktober 2021), teilt das niedersächsische Umweltministerium mit. Die Zahl der Übergriffe auf Weidetiere, die einem Wolf zugeordnet werden konnten, sind von acht im Jahr 2012 auf etwa 230 im vergangenen Jahr gestiegen. Am 8. Januar dieses Jahres wurde, basierend auf die aktuell geltende Ausnahmegenehmigung für Wölfe des Rudels Amt Neuhaus im Landkreis Lüneburg, ein Wolf getötet.
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Dabei soll es sich um ein ein- bis zweijähriges weibliches Tier handeln, so die Mitteilung des Ministeriums. Zum Abschuss freigegeben seien jedoch die rund sieben Jahre alte Fähe GW 872f und der Rüde GW 1532m. Den diesen Tieren zuzuordnende Gesamtschaden beziffert das Ministerium allein für das Jahr 2020 auf rund 2785 Euro. Fähen sind weibliche und Rüden sind männliche Tiere.
„Ich hätte gerne mehr über den Wolf erfahren, der unsere Schafe gerissen hat. Hat er schon einmal woanders zugeschlagen? Gehört er zu den Raubtieren, deren Verhalten bereits als problematisch beurteilt werden?“, sagt Hilmar Wolters. Dazu habe man ihm nichts mitgeteilt.