Berlin

Lauterbach bei „hart aber fair“: Kinderleiden liegt nicht am Lockdown

Daniel Benedict
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Von Daniel Benedict
| 10.01.2022 16:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Heute bei „hart aber fair“: Gesundheitsminister Karl Lauterbach gehört zu den Gästen in Plasbergs ARD-Talkshow. (Archivbild) Foto: imago images/Future Image/Christoph Hardt
Heute bei „hart aber fair“: Gesundheitsminister Karl Lauterbach gehört zu den Gästen in Plasbergs ARD-Talkshow. (Archivbild) Foto: imago images/Future Image/Christoph Hardt
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Von der Impfpflicht bis zum Pflegebonus: Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat viel zu tun. Am Montag gehörte er zu den Gästen in Frank Plasbergs ARD-Talk „hart aber fair“.

Frank Plasberg eröffnet seinen ARD-Talk „hart aber fair“ mit einer provokanten Frage an den Gesundheitsminister: Dürfe Karl Lauterbach (SPD), seit er im Amt ist weniger sagen, als der Virologe Christian Drosten? Der hatte kürzlich vorgeschlagen, dem Virus zumindest an gewissen Stellen die Tür zu öffnen.

Lauterbach dagegen weist im ersten Redebeitrag des Talks die Idee einer „kontrollierten Ausbreitung“ des Virus zurück. Ein Widerspruch? „Nein, ich bin mit Christian Drosten seit Pandemie-Beginn im steten Austausch“, sagt der Minister. „Ich schätze ihn sehr und bin auch, was die Einschätzung von Omikron angeht, ganz ähnlicher Meinung wie er.“ In diesem Fall gilt das offenbar nicht so ganz. Denn Lauterbach sagt weiter: „Dem Virus brauchen wir derzeit - leider muss man sagen - nicht die Tür zu öffnen. Sondern es kommt ja von alleine rein. Die Frage ist: Was können wir dagegen unternehmen?“

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Was genau hatte Drosten gesagt?

Der Charité-Virologe Christian Drosten hatte in der letzten Folge seines Corona-Podcasts über die nötigen Schutzmaßnahmen gesprochen und über Momente, in denen man ein gewisses Infektionsrisiko zulassen könne. Das Zitat, auf das Plasberg nun anspielt, lautete: „Sagen wir mal, wir reißen das Tor ja nicht komplett auf. Aber wir müssen an einigen Stellen diese Tür jetzt ein bisschen weiter öffnen für das Virus und können und dürfen das auch. Und da ist natürlich immer die Frage: An welcher Stelle macht man das?“ Die Passage, die noch vor dem letzten Bund-Länder-Gipfel eingesprochen wurde, bezog sich auf die Quarantäne von Kontaktpersonen. Sie hatte Drosten für verzichtbar gehalten, „weil wir ja in die endemische Zeit reinkommen müssen und irgendwann das einfach zulassen müssen“.

Probleme der Kinder liegen nicht am Lockdown

Zur Lage der Kinder in der Pandemie gestand auch Lauterbach zu, dass die letzten zwei Jahre eine „psychisch auch enorm belastende Zeit“ sei - gerade für die Kleinsten. Deren psychischen Probleme aber ließen sich nicht mit dem Lockdown erklären; ein solcher Zusammenhang sei aus den Studien nicht abzuleiten. „Wir haben die gleichen Probleme (…) in Ländern, wo viel weniger gemacht worden ist. Zum Beispiel in den Vereinigten Staaten.“

Hier seien nicht allein „viele Menschen unnötiger Weise gestorben“, so Lauterbach. „Zusätzlich sehen wir große Belastungen bei den Kindern und auch psychische Störungen.“ Die Schuld daran sieht der Minister nicht bei geschlossenen Schulen und Kontaktbeschränkungen, sondern beim Virus selbst. Lauterbach: „Ich glaube, dass ein Großteil dieser Probleme einfach an der furchtbaren Pandemie liegt, aber dass das nicht dem Lockdown, den wir praktiziert haben, der damals notwendig war, in die Schuhe geschoben werden darf.“

Englische Strategie „eine unethische Wette“

Ist Deutschlands Pandemie-Management das richtige, fragt Plasberg und spielt Bilder ein, die feiernde Engländer in vollen Hallen zeigen. Lauterbach hält das für ein inakzeptables Vorgehen: „Ich würde ein solche Strategie wie in England - die auf eine Durchseuchung hinausläuft, ohne dass man es so nennen will -, eine solche Strategie würde ich uns niemals empfehlen“, sagt er und nennt die Öffnung in England eine Wette.

Lauterbach: „Und aus meiner Sicht ist das, wenn ich das so offen sagen kann, eine unethische Wette.“ Deutschland sei mit seiner Strategie bislang gut gefahren und habe durch die Corona-Maßnahmen auch ökonomisch keinen größeren Schaden als England erlitten. „Wenn wir die Sterblichkeiten der Engländer gehabt hätten, dann wären in Deutschland mehr als doppelt so viele Menschen gestorben“, so der Minister.

Dass ein solches Experiment hierzulande „überhaupt nicht tragbar“ wäre habe zudem einen weiteren Grund: Unter den Über-65-Jährigen sei die Quote der Ungeimpften in Deutschland mindestens um das Vier- oder Fünffache höher. In dieser Gruppe sei das Risiko einer schweren Erkrankung auch bei der Omikron-Variante weiterhin sehr hoch.

Sendetermin: „hart aber fair“, ARD, Montag, 10. Januar, 21 Uhr.

„hart aber fair“: Die Gäste der heutigen Sendung

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