Neue Corona-Beschlüsse
Ostfrieslands Wirte verlangen rasch verlässliche Aussichten
Niedersachsen hatte bereits vor Weihnachten im bundesweiten Vergleich recht strenge Corona-Regeln verhängt. Längst nicht alle sind damit glücklich.
Ostfriesland/Hannover/Berlin - Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Ostfriesland hat mit Verärgerung auf die jüngsten Corona-Beschlüsse von Bund und Ländern reagiert. Die Gastwirte der Region stoßen sich vor allem an der abermals verlängerten 2G+-Regel. Sie verlangen von der Politik, sich nun endlich mit ihnen an einen Tisch zu setzen und verbindliche Perspektiven beispielsweise für die Vorbereitung des Oster-Geschäfts zu entwickeln. Kritik kam auch von der niedersächsischen CDU und der FDP.
Die Menschen in Niedersachsen müssen sich nach dem Bund-Länder-Gipfel zum weiteren Vorgehen in der Corona-Pandemie zunächst auf keine größeren Veränderungen einstellen. Bund und Länder bestätigten am Freitag die bereits geltenden Kontaktbeschränkungen. Gegen das Coronavirus geimpfte Menschen sowie von einer Covid-Infektion Genesene dürfen sich weiterhin maximal in einer Gruppe von zehn Menschen treffen. Auch nicht gegen das Coronavirus geimpfte Menschen dürfen sich weiterhin nur mit maximal zwei Menschen eines weiteren Haushalts treffen. Mit Blick auf eine überarbeitete Corona-Verordnung sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Freitagabend, die neue Verordnung sei um den 15. Januar zu erwarten.
Einfachere Quarantäneregeln
Für Corona-Infizierte und Kontaktpersonen soll es künftig unterdessen einfachere Isolations- und Quarantäneregeln geben. Demnach werden Kontaktpersonen künftig von der Quarantäne befreit, wenn sie eine Auffrischungsimpfung haben, also geboostert sind. Die neue Ausnahme von der Quarantäne gilt auch für frisch doppelt Geimpfte und frisch Genesene – für Kontaktpersonen also, deren Erkrankung oder Impfung weniger als drei Monate zurückliegt.
Für alle Übrigen sollen Isolation oder Quarantäne in der Regel nach zehn Tagen enden, wenn sie sich nicht vorher freitesten lassen. Dies greift bundesweit. Ab wann diese einfacheren Regeln gelten, war am Freitagabend zunächst nicht bekannt. Einstimmig bekräftigten die Länder und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD am Freitag, dass sie eine allgemeine Impfpflicht für nötig halten. Die Länder erwarten, dass Bundestag oder Bundesregierung schnell einen Fahrplan dafür vorlegen.
Althusmann will Wirtschaftshilfen
Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) forderte vom Bund verlängerte Wirtschaftshilfen, insbesondere für die Gastronomie. Wer freiwillig wegen Unwirtschaftlichkeit schließe, müsse auch über den Januar hinaus Anspruch auf die entsprechende Überbrückungshilfe haben.
Niedersachsens FDP-Fraktionschef Stefan Birkner sagte: „Die pauschale Verlängerung der als „Weihnachtsruhe“ deklarierten Einschränkungen kann nur vorübergehend hingenommen werden.“ Er erwarte, dass die Landesregierung so schnell wie möglich zu einem berechenbaren und differenzierteren Vorgehen zurückkehre.
Hohe Umsatzeinbrüche
In Ostfrieslands Gastgewerbe ist die Stimmung derweil denkbar schlecht. „Rund 80 Prozent der Betriebe haben im vergangenen Jahr einen Umsatzeinbruch von mehr als 50 Prozent verdauen müssen“, sagte Ostfrieslands Dehoga-Chef Erich Wagner im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Monate Januar und Februar seien ohnehin schwach. Unglücklicherweise sei aber auch noch das ansonsten gute Dezember-Geschäft weggebrochen.
„Die Stimmung ist echt mies“, sagte Wagner – vor allem weil im Herbst schon so etwas wie Aufbruchstimmung geherrscht habe. Das ständige Hin und Her sei katastrophal fürs Geschäft. Die Unsicherheiten wegen der 2G+-Regeln täten ihr Übriges. Gerade die kleineren Cafés hätten darunter zu leiden. Wagner: „Einige machen einfach dicht.“ Man wisse ja nicht, wie lange diese Regelungen noch anhielten.
Große Hoffnungen verbinden die Gastwirte nun mit dem Oster-Geschäft im April. Darauf würden sich besonders die Inseln und die Küste bereits vorbereiten. „Wir brauchen jetzt eine klare Aussage, wann wieder Normalität eintritt“, sagte Wagner. „Es werden sicher noch viele Corona-Wellen kommen. Und dafür benötigt die Gastronomie nun endlich verlässliche Perspektiven.“
Mit Material von dpa