Melbourne

„Katastrophale Bedingungen“: In diesem Hotel sitzt Novak Djokovic fest

Fiona Lechner
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Von Fiona Lechner
| 07.01.2022 19:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der serbische Tennisspieler Novak Djokovic wartet in diesem Hotel in Melbourne, Australien auf sein Visum. Foto: dpa/Joel Carrett
Der serbische Tennisspieler Novak Djokovic wartet in diesem Hotel in Melbourne, Australien auf sein Visum. Foto: dpa/Joel Carrett
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Tennisprofi Novak Djokovic sitzt in Melbourne fest. Und zwar gemeinsam mit Geflüchteten in einem Hafthotel, um das sich haarstäubende Berichte ranken.

Der serbische Tennisprofi Novak Djokovic sitzt seit seiner Einreise für die Australian Open in Melbourne fest, da er wohl ungeimpft ist. Und das nicht etwa in einem schicken Ferienhaus oder einer Prunkunterkunft, sondern in einem Hafthotel der Grenzwache, um das sich diverse schockierende Berichte ranken. Die Rede ist von unmenschlichen Zuständen.

Djokovics Stationen in Melbourne (Symbole anklicken):

Ausreise stehe Djokovic frei

Ursprünglich diente das „The Park Hotel“ im Melbourner Stadtteil Carlton im Rahmen der Pandemie als Quarantäne-Hotel. Doch die Zeiten sind vorbei. Seit Ende 2020 bringt die Grenzwache dort Geflüchtete unter. Viele von ihnen warten schon lange auf ein Visum. Ihren Angaben zufolge sollen in dem Hotel katastrophale Bedingungen herrschen. Ein Gefängnis im Luxusgewand.

Djokovic allerdings sei keinesfalls ein Gefangener, betonte Innenministerin Karen Andrews gegenüber den australischen Medien. „Es steht ihm frei, jederzeit auszureisen“, so Andrews. Zuvor hatte der Vater des Tennisprofis den Aufenthalt seines Sohnes in Melbourne mit einem Gefängnis verglichen. Zumindest für seine geflüchteten Zimmernachbarn dürfte das stimmen.

Nicht nur Djokovic hängt in der Schwebe

Tür an Tür mit dem weltbesten Tennisspieler hoffen etwa zwei Dutzend Geflüchtete auf ihre lang ersehnte Freiheit. Mehrere Monate seien sie nun schon in den engen Zimmern eingepfercht. Sie dürfen das Hotel nicht verlassen. Einer von ihnen: Mohammad Joy Miah. Er berichtete in einem Telefonat gegenüber BBC, dass er seit Langem ohne natürliches Licht oder frische Luft von draußen lebe. Eingesperrt. „Mein Leben ist ein Zimmer“, so Miah. 

Auch der 23-jährige Mustafa Salah teilte schockierende Bilder aus dem Hotel. Diese zeigen Maden im Essen und verschimmelte Brotscheiben. Gegenüber SBS News berichtet der 23-Jährige über die untragbaren Umstände, unter denen geflüchtete Menschen im Hotel seit langer Zeit leben müssen. Seit nunmehr acht Jahren wartet Salah gemeinsam mit seinem Vater auf ein Visum. Mit 14 war er aus dem Irak geflohen, in der Hoffnung, in Australien bessere Umstände vorzufinden. „Es geht mir nicht gut. Es fühlt sich an, als könne ich es nicht mehr aushalten. Mein Vater macht sich große Sorgen um mich, und ich mir um ihn“, gibt Salah an. 

Djokovics Aufenthalt macht Hoffnung

Die geflüchteten Menschen im „The Park Hotel“ klammern sich verzweifelt an die Hoffnung, dass der Medienrummel um Novak Djokovic auch ihnen mehr Aufmerksamkeit zuteil werden lässt. Und dass sich so endlich etwas an ihrer Situation ändert.

Die Journalistin Sophie McNeill von Human Rights Watch schreibt auf Twitter: „Australiens Behandlung von Asylbewerbern ist unmenschlich, zutiefst grausam und nach internationalem Recht illegal.“ Australien steht darüber hinaus schon lange für seinen Umgang mit Geflüchteten in der Kritik.

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Serbischer Präsident schaltet sich ein

Sogar Serbiens Präsident Aleksandar Vucic äußerte sich zu Djokovics annulliertem Visum. Er kritisierte dabei die Vorgehensweise der australischen Regierung und ist sich scheinbar sicher, dass politisch motivierte Ziele hinter der verhinderten Einreise stehen. Vucic wirft unter anderem dem australischen Premierminister Scott Morrison „politische Hexenjagd“ vor. Darüber hinaus sicherte er Djokovic die Unterstützung ganz Serbiens zu. Die Geflüchteten im Park Hotel müssen darauf hoffen, dass die erneuten Proteste vor der Einrichtung durch die nun massiv gestiegene Medienpräsenz Wirkung zeigen.

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