Hilfe
Erwachsene müssen Kindern Gefühle zeigen
Sozialpädagoge Jens Modder hat sich damit auseinandergesetzt, wie man Jugendlichen in der Corona-Pandemie helfen kann. Seine Tipps richten sich an die Eltern. Die sollten ihre eigenen Gefühle zeigen.
Bunde - Jens Modder erlebt sie jeden Tag: Jugendliche, die mit der Pandemie nur schwer umgehen können. Der 33-Jährige ist Lehrer an einer Berufsbildenden Schule in Leer. „Die Jugendlichen fühlen sich mit der Situation überfordert und allein gelassen“, sagt er. Niemand habe ihnen beigebracht, wie mit so einer Krise umzugehen sei. Das sei in dem Alter normal. „Krisen gehören zum Leben dazu, aber darauf sind die Jugendlichen noch nicht eingestellt, weil sei nie eine Krise erleben mussten“, sagt Modder. Die Bewältigung von schweren Zeiten sei eine Erfahrung, die sie noch nicht gemacht hätten.
Was und warum
Darum geht es: Ein Sozialpädagoge gibt Tipps, wie Eltern Jugendlichen in der Krise helfen können.
Vor allem interessant für: Eltern und Großeltern.
Deshalb berichten wir: Die Corona-Pandemie wirkt sich auf Jugendliche besonders stark aus, weil ihre persönliche Entwicklung durch die Einschränkungen beeinträchtigt wird. Jens Modder hat Erfahrungen, wie man ihnen bei der Bewältigung helfen kann. Der Vortrag ist unter https://link.zgo.de/gKrQA4 zu sehen. Die Autorin erreichen Sie unter: n.nording@zgo.de
Diese Beobachtungen und Erfahrungen hat der Sozialpädagoge in einem Vortrag, einer sogenannten Keynote, zusammengefasst, der auch im Netz einige Tausend Male geklickt wurde.
„Ich wollte die Zeit und Energie in der Pandemie nutzen und etwas Sinnvolles entstehen lassen“, sagt Modder. So machte er eine Rhetorik-Ausbildung, in der die Keynote entstand. Darin bietet er Lösungen an, wie es den jungen Menschen besser gehen kann. Sein Ansatz ist dabei die Stärkung des Selbstwertgefühls der Kinder und Jugendlichen. Einige Tipps, wie Eltern ihrem Nachwuchs helfen können, hat er dieser Zeitung verraten.
1. Jugendliche und Kinder einfach machen lassen
Kinder werden laut Modder zu sehr von außen gesteuert. Selbst Kleinkinder hätten bereits feste Terminpläne. „Das Kind lernt aber dabei gar nicht, auf seine innere Stimme zu hören“, sagt Modder. Daraus resultierte, dass es eben nicht lerne, auf sich selbst zu hören und damit auch die Konsequenzen des eigenen Handelns zu erleben. Will der Jugendliche nicht für eine Klausur lernen, bekommt er die Erfahrung, dass er eine schlechte Note schreibt. Er lernt beim nächsten Mal dann nicht nur, weil Eltern und Lehrer es ihm vorgeschrieben haben, sondern, weil er weiß, was sein Nicht-Lernen für Konsequenzen hat.
2. Umgang mit Gefühlen begleiten
Angst, Wut, Trauer – all diese Gefühle sind in der Corona-Pandemie bei Erwachsenen und Kindern da. Jens Modder appelliert an Eltern, ihren Kindern vorzuleben, wie man mit Gefühlen umgeht. „Kinder schauen sich das von ihren Eltern ab. Geht der Vater im Stau an die Decke vor Wut, kann man davon ausgehen, dass es das Kind auch später tun wird“, sagt Modder. Wichtig sei auch, seine Gefühle zu teilen. Es helfe Kindern, wenn man erzähle, dass man mal Angst gehabt habe, und dann zu erklären, wie man mit dieser Angst umgegangen sei. So fühlten sie sich weniger mit ihren Gefühlen allein gelassen. Das könnte man zum Beispiel bei einem Familienabend machen. „Eltern sollten in diesem Fall die Vorbildfunktion übernehmen und mit dem Gespräch beginnen“, sagt Modder.
3. Erfahrungen erleben
Die Corona-Pandemie sorgt dafür, dass viele Familien sich abschotten und Abstand halten. Das sei auch richtig, meint Modder. Allerdings sollten Kinder trotzdem auch Kontakt zu anderen pflegen und Neues kennenlernen. „Ich höre aus Kindertagesstätten, dass Kinder Angst haben, wenn sie Menschen ohne Maske sehen“, sagt Modder. Zuhause solle ein sicherer Ort für Kinder sein, dennoch bräuchten sie für eine gesunde Entwicklung auch die Erfahrungen außerhalb dieses geschützten Raumes. Digitale Erfahrungen seien kein Ersatz.
4. Positiv bestärken
In seinem Alltag als Lehrer beobachtet Modder oft, dass Jugendliche nicht vor der Klasse sprechen mögen. „Meistens ist denen in der Kindheit etwas passiert“, sagt Modder. Ihnen wurde zum Beispiel gesagt, dass sie etwas nicht gut gemacht haben. Daraus resultiere Angst, wieder etwas Falsches zu machen. Besser sei es, positiv zu bestärken und gutes Verhalten zu loben. „In der Corona-Zeit können viele Jugendliche Erfahrungen, wie vor der Klasse sprechen, nicht machen. Ich sorge mich schon, wie sich das auf ihre Entwicklung auswirkt“, sagt Modder. Das könne man erst in ein paar Jahren sehen.
5. Nicht unter Druck setzen
„Wie geht es dir?“ „Jetzt sag doch mal, wie es dir geht!“ „Erzähl schon, was dich bedrückt“ – Wenn Eltern ihre Kinder mit solchen Fragen bombardieren, machen diese ziemlich wahrscheinlich gleich dicht. Modder hat daher einen anderen Tipp: „Man muss Kindern anbieten, dass man immer für sie da ist“, sagt er. Auch wenn die Kinder zunächst nicht reden wollten, wenn man sie lasse, kämen sie auf die Erwachsenen zu.