Berufe

Von der Arbeit an Bord eines Fischkutters

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 09.01.2022 10:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Johann Conradi auf seinem Kutter GRE 24 Komet im Greetsieler Hafen. Die Nummer 24 war schon immer im Familienbesitz. Foto: Wagenaar
Johann Conradi auf seinem Kutter GRE 24 Komet im Greetsieler Hafen. Die Nummer 24 war schon immer im Familienbesitz. Foto: Wagenaar
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Ein junger Kapitän hat kürzlich über eine Greetsiel-Facebookgruppe nach einem Decksmann gesucht. Was sind aber eigentlich dessen Aufgaben? Wie viele gibt es und wie sind die Zukunftsperspektiven?

Greetsiel - Was ist eigentlich ein Decksmann? Diese Frage haben sich vermutlich einige Facebook-Nutzer gestellt, die jüngst auf einen entsprechenden Beitrag des Fischers Johann Conradi aus Leybuchtpolder gestoßen sind. Auch in einer Greetsiel-Gruppe wurde er geteilt. Conradi suchte nach einem Mitarbeiter für seinen Kutter, um Taschenkrebse und Krabben zu fangen. Denn für die Fischer an der Küste beginnt in diesen Tagen die neue Saison. Aber was müssen die Besatzungsmitglieder für die Arbeit auf den Kuttern eigentlich mitbringen?

Was und warum

Darum geht es: Die Greetsieler Fischer starten in diesen Tagen in die neue Saison. Wir stellen aus diesem Anlass den Beruf des Decksmanns vor.

Vor allem interessant für: Leser, die sich für das Thema Fischerei interessieren

Deshalb berichten wir: Wir haben einen Facebook-Beitrag gesehen, in dem nach einem Decksmann gesucht wurde.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Conradi selbst ist 20 Jahre alt und hat gerade erst die Ausbildung zum Kapitän abgeschlossen. Am Freitag bestand er bei der Seefahrtschule auf Rügen die letzte Prüfung. „Ich komme aus einer Fischerfamilie und bin schon zur See gefahren, seitdem ich denken kann“, sagt er. Er „liebe den Job einfach“ und könne sich „nichts Schöneres vorstellen.“ Auch einige seiner Freunde arbeiteten in der Fischerei. Einer von ihnen, den Conradi schon seit gemeinsamen Kindertagen kenne, sei erst durch ihn in dazu gekommen. Dennoch: Die Arbeit auf See sei und bleibe ein Knochenjob mit langen Arbeitstagen, betont der junge Kapitän.

Nur eine Berufsschule für ganz Deutschland

Schreckt das denn nicht viele Leute davor ab, einen Beruf in dieser Branche zu wählen? Über Nachwuchssorgen könne man jedenfalls nicht klagen, sagt Gerold Conradi, der Onkel von Johann Conradi. Er ist stellvertretender Vorsitzende des Landesfischereiverbands Weser-Ems. Was die Decksleute angehe, die man auch Fischwirte oder Matrosen nennen könne, so gebe es alleine in Greetsiel jedes Jahr etwa zwei bis drei neue Auszubildende. „Sie kommen auch aus Nicht-Fischerfamilien und stammen auch nicht alle von hier“, so Gerold Conradi. Man fahre in der Regel sonntags raus, lösche zwischendurch die Fänge und donnerstagabends oder freitagmorgens beginne das Wochenende. Unterwegs sei man an der gesamten Nordseeküste zwischen Dänemark und den Niederlanden.

Laut Gerold Conradi gibt es bundesweit nur eine Berufsschule, die Decksleute ausbildet. Dafür müssen die Anwärter und Anwärterinnen ins schleswig-holsteinische Rendsburg, wo sie in einem Internat untergebracht werden. Die Ausbildung dauere drei Jahre und es gebe wie bei anderen Berufen auch Zwischen- und Abschlussprüfungen. Wenn sie damit durch sind, übernehmen die Fischwirte alle Arbeiten, die an Deck während der Fangfahrten oder im Hafen anfallen. „So machen sie Schiffe an den Piers und Dalben fest, beladen und löschen Schiffe und führen Wachdienste sowie Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten durch“, heißt es dazu in der offiziellen Stellenbeschreibung der Arbeitsagentur.

Der Verdienst schwankt stark

Zumindest in Greetsiel gebe es heute nur Decksmänner, weiß Gerold Conradi. Ostfrieslandweit sei die Frauenquote vermutlich gering. Zu den späteren Verdienstmöglichkeiten könne er nichts sagen. Diese schwankten sehr stark und hingen auch von den Fängen ab, an deren Gewinn die Decksleute beteiligt werden. Auch die Landwirtschaftskammer Niedersachsen kann auf Nachfrage keine Richtwerte beim Gehalt nennen. Für die Auszubildenden lege der Tarifvertrag jedoch 800 Euro pro Monat im ersten sowie 850 und 900 Euro im zweiten und im dritten Lehrjahr fest. „Ich würde sagen, dass der Beruf zukunftssicher ist“, sagt Gerold Conradi. Auch wenn die Branche in der Industrienation Deutschland eher eine Randbedeutung habe, sei die ganze Weltbevölkerung auf Nahrung aus dem Meer angewiesen. Zudem profitierten Fischerorte wie Greetsiel, Ditzum und Norddeich auch kulturell und touristisch vom dem maritimen Flair.

Johann Conradi ist es inzwischen gelungen, einen Mitarbeiter für seinen Kutter GRE 24 Komet zu finden, der bislang unter anderem Namen von Westeraccumersiel aus zu Fangfahrten auslief. Es wird nun das erste mal sein, dass der Kutter unter seiner Führung fährt und damit die lange Familientradition fortgeführt wird.

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