Klimaschutz

Lücken im Klimaschutz: Kreis Wittmund plant Neustart

Imke Oltmanns
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Von Imke Oltmanns
| 06.01.2022 17:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Kreis Wittmund hat ein Solarkataster aufgelegt, in dem jeder Hausbesitzer nachgucken kann, ob eine Solaranlage auf seinem Dach sinnvoll ist. Foto: Gollnow/dpa
Der Kreis Wittmund hat ein Solarkataster aufgelegt, in dem jeder Hausbesitzer nachgucken kann, ob eine Solaranlage auf seinem Dach sinnvoll ist. Foto: Gollnow/dpa
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Was nützt das beste Konzept, wenn es keiner umsetzt? Im Kreis Wittmund gibt es seit zehn Jahren viele Klimaschutzmaßnahmen – auf dem Papier. Jetzt soll das Ganze eine neue Dynamik bekommen.

Landkreis Wittmund - Im Landkreis Wittmund soll der Klimaschutz noch einmal ganz neu angefasst werden. Der Kreistag hatte Ende vergangenen Jahres die Einrichtung eines sogenannten Klimaschutzrat-Netzwerkes beschlossen, ein Wortungetüm, hinter dem sich eine lose Gruppe von Menschen, Unternehmen und Organisationen versammeln soll, die sich aktiv engagieren wollen. Die Idee dahinter: mehr Austausch von Erfahrung und Fachwissen und damit eben auch mehr Klimaschutz. Vor allem aber: mehr Dynamik. „Wir stehen da eigentlich noch ganz am Anfang“, sagt Ulrike Maus, Kreistagsmitglied der Grünen.

Maus gehört zur Mehrheitsgruppe im Wittmunder Kreistag, die den Antrag für das Netzwerk auf den Weg brachte. Sie wünscht sich deutlich mehr Tempo bei diesem Thema und lässt im Gespräch einigen Frust erkennen. Der Blick in ein früheres Klimaschutzkonzept des Landkreises Wittmund zeigt allerdings auch, woher dieser Frust kommt. Das Konzept stammt nach Auskunft von Maus aus dem Jahr 2012, und es enthält 30 konkrete Maßnahmen für den Klimaschutz. Umgesetzt wurden davon bisher drei. Ein Klimaschutzmanagement und ein Solarkataster wurden eingerichtet, außerdem gab es eine Schulung für Handwerker zur Energieeffizienz.

Was bisher geschah

„Da war auch viel Pech im Spiel“, räumt Maus ein. Es habe zwei Klimaschutzmanager gegeben, die jeweils nach kurzer Zeit wieder gingen, ohne etwas bewegt zu haben. Eine dritte Managerin sei sehr engagiert gewesen, aber dann krankheitsbedingt ausgefallen. So sei eben viel auf der Strecke geblieben: die Entwicklung eines klimafreundlichen Neubaugebietes etwa, Klimakonferenzen für Schüler, Renaturierungen von Gewässern oder die geplante Erhöhung des Waldanteils.

Dabei habe eigentlich alles gut begonnen mit dem Klimaschutzkonzept 2012, findet die Grüne. Große Teile der Bevölkerung hätten sich damals beteiligt, auch viele Unternehmen hätten Interesse bekundet. Eine Art Aufbruchstimmung eben. Bis dann eben alles irgendwie einschlief.

Was jetzt geschieht

Nun also der neue Anlauf. Für das Klimaschutzrat-Netzwerk gibt es konkrete Vorstellungen, zumindest schon mal, was seine Zusammensetzung angeht. Erstmal bleibt es laut Beschluss des Kreistags auf 20 Personen/Institutionen beschränkt, die möglichst die Breite der Gesellschaft abbilden sollen. Also aus den Bereichen Verkehr oder Landwirtschaft kommen, aus Handwerk, Unternehmen, Schulen und Verwaltungen. Und gern auch aus der Bundeswehr, dem „großen CO2-Ausstoßer“, sagt Maus. Im Landkreis Wittmund ist das Richthofen-Geschwader beheimatet, ein Luftwaffenstützpunkt mit viel Flugverkehr; jedenfalls normalerweise, aktuell wird der Flugverkehr wegen Bauarbeiten für zweieinhalb Jahre verlegt.

An dem Netzwerk sollen sich aber auch engagierte Bürger beteiligen können. Die Kreisverwaltung hat in diesen Tagen dazu aufgerufen, sich bei Interesse zu melden, unter der E-Mail-Adresse: klimaschutz@lk.wittmund.de.

Die Mitarbeit im Klimaschutzrat-Netzwerk ist mit Zeitaufwand verbunden. Vorgesehen sind regelmäßige Treffen, bei denen Ideen ausgetauscht, Projekte gemeinsam initiiert und vorangebracht werden. Auch Referenten sollen eingeladen werden. Und ganz sicher wird der liegengebliebene Maßnahmenkatalog aus 2012 eine Rolle spielen. Geleitet wird das Netzwerk vom Klimaschutzteam des Landkreises Wittmund, Elisa Bodenstab und Jens Schult. Die erste Veranstaltung ist für April geplant.

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