Wohnraum

Idee: Gewoba baut Sozialwohnungen auch im Umland

Michael Hillebrand
|
Von Michael Hillebrand
| 06.01.2022 16:53 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Könnte die Gewoba künftig auch außerhalb von Emden bauen? Dafür müssten erst einmal die Rahmenbedingungen angepasst und abgestimmt werden. Symbolfoto: Pixabay
Könnte die Gewoba künftig auch außerhalb von Emden bauen? Dafür müssten erst einmal die Rahmenbedingungen angepasst und abgestimmt werden. Symbolfoto: Pixabay
Artikel teilen:

Könnte die Emder Gewoba künftig auch in der Krummhörn und Hinte Unterkünfte errichten? Prinzipiell ist das möglich, sagen die Verantwortlichen. Es müssen aber Hürden überwunden werden.

Krummhörn/Hinte/Emden - Wie kann möglichst viel neuer bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden? Diese knifflige Frage stellt man sich auch in den Gemeinden Krummhörn und Hinte, wo der Bedarf steigt und die bebaubaren Flächen immer weniger werden. In der Vergangenheit hatte es daher bereits Gespräche über die Gründung von Wohnungsbau-Gesellschaften gegeben so wie auch darüber, wie man private Investoren dazu bewegen kann, nicht nur für die Geldbeutel des besonders wohlhabenden Teils der Bevölkerung zu bauen. Das Problem konnte zwar bis heute nicht gelöst werden, aber es gibt nun zumindest die Hoffnung, dass es kleiner werden könnte.

Was und warum

Darum geht es: Überall fehlt es an bezahlbarem Wohnraum. Nun steht die Frage im Raum, ob die Gewoba diese Lage auch außerhalb Emdens verbessern könnte.

Vor allem interessant für: Menschen, die im mittleren Ostfriesland auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum sind

Deshalb berichten wir: Wir sind durch einen Medienbericht auf die Idee mit der Gewoba aufmerksam geworden und haben ebenfalls Kontakt zu dessen Geschäftsführer aufgenommen.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Der Grund dafür ist die Emder Gesellschaft für Wohnen und Bauen mbH, kurz Gewoba. Deren Geschäftsführer Olaf Neumann könnte sich nämlich generell vorstellen, auch außerhalb der eigenen Stadtgrenzen zu bauen, wie er auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigt. Im Gesellschaftsvertrag gebe es keine örtliche Begrenzung. Da es sich bei der Gewoba um eine 100-prozentige Tochter der Stadt handele, sei deren Wirken allerdings bislang auf dieses Gebiet begrenzt. „Der Emder Wohnungsmarkt findet primär in Emden statt. Aber auch Hinte als direkter Nachbar der Stadt Emden ist für den Emder Wohnungsmarkt bedeutsam.“ Immerhin ist diese Gemeinde äußert beliebt, wenn die Stadtbewohner ins ländliche Umland, aber nicht zu weit wegziehen möchten.

Auch in Emden gibt es einen hohen Bedarf

Um hingegen in der Krummhörn aktiv zu werden, müsste der Vertrag abgeändert werden. Auch eine kommunalrechtliche Genehmigung müsste her. „Durch die Gesellschafterstrukturen ist dieses jedoch nicht so einfach möglich“, so Neumann weiter. Dazu komme noch, dass es auch in Emden selbst einen hohen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum gebe und die Ressourcen begrenzt seien. Das mache die Ausweitung auf die Nachbarkommunen schwierig. Grundsätzliches Interesse bestehe dennoch. „Emden und die Krummhörn sind nicht nur direkte Nachbarn. Viele Arbeitnehmer aus der Krummhörn pendeln in die Stadt und viele Emder Arbeitnehmer wohnen in der Krummhörn“, so Neumann weiter.

Die Gründung einer Gewoba-Tochter, die dann in Kooperation mit der Gemeinde Krummhörn geführt wird, könne daher eine der möglichen Optionen sein. „Um so etwas zu prüfen, ist es erforderlich, Absichten und Parameter zu kennen und zu nennen. Auch ist die Stadt Emden als alleiniger Gesellschafter der Gewoba einzubinden.“ In der Vergangenheit habe es bereits beratende Gespräche über die Gründung eigener Gesellschaften in den Nachbargemeinden gegeben. Zu einer konkreten Kooperation mit der Gewoba sei es außerhalb von Emden aber noch nicht gekommen. So sei es gerade in der heutigen Zeit und vor dem Hintergrund steigender Baukosten und zahlreicher Bauvorschriften sehr schwer geworden, bezahlbaren Wohnraum oder Sozialwohnungen zu erstellen. Wenn dann müssten die beteiligten Gemeinden außerdem auf jeden Fall das benötigte Eigenkapital einbringen – entweder indem Grundstücke zur Verfügung gestellt werden oder Geld investiert wird.

„Wirtschaftliche Tragbarkeit hängt von Mindestgröße ab“

Auf die Idee der Zusammenarbeit mit der Gewoba angesprochen, schreibt Hintes Bürgermeister Uwe Redenius (parteilos): „Wenn die Zusammenarbeit zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Hinte ist, kann ich mir das natürlich vorstellen.“ Krummhörns Bürgermeisterin Hilke Looden (ebenfalls parteilos) sagt, dass sie sich schon einmal die Anforderungen für eine kommunale Wohnbaugesellschaft angeschaut habe und sich auch vorstellen könne, mit der Gemeinde Hinte in dieser Sache zusammenzuarbeiten. Es gebe aber große Hürden.

Zum einen fragt sich Looden, ob für große Bauvorhaben überhaupt noch Platz zur Verfügung stehen würde. Ad hoc fielen ihr jedenfalls keine freien und geeigneten Flächen an, als unsere Zeitung sie vor einigen Tagen im Rathaus besuchte. Das Problem: Die Kommune ist zwar ländlich geprägt, aber es müssten in vielen Fällen erst die Bebauungspläne entsprechend angepasst werden, was Jahre dauern würde. Dazu kommt noch das regionale Raumordnungsprogramm. Das sieht vor, dass schwerpunktmäßig in den wichtigsten Orten gebaut wird, im Falle der Krummhörn also im Hauptort Pewsum sowie im touristischen Zentrum Greetsiel, wo der Platz besonders knapp ist. In den kleineren Orten dürfen hingegen nur sehr wenige Bauplätze ausgewiesen werden. Gleichzeitig hänge die wirtschaftliche Tragbarkeit einer Baugesellschaft von der Mindestgröße ab. Laut Looden müssten wohl mindestens 300 bis 400 Wohnungen entstehen, um das zu gewährleisten.

Ähnliche Artikel