Hannover

Trotz Omikron-Explosion: Schulstart in Niedersachsen in Präsenz

Thomas Ludwig
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Von Thomas Ludwig
| 04.01.2022 15:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Es geht voran: Mehr als 38.000 Kinder im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren sind in Niedersachsen laut RKI inzwischen geimpft. Foto: Daniel Reinhardt/dpa
Es geht voran: Mehr als 38.000 Kinder im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren sind in Niedersachsen laut RKI inzwischen geimpft. Foto: Daniel Reinhardt/dpa
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Der Anteil der Omikron-Variante liegt in Niedersachsen bereits bei 70 Prozent. Was bedeutet das für den Schulbeginn nach den Weihnachtsferien und die Corona-Verordnung? Die Landesregierung steht für Anpassungen bereit.

Ungeachtet einer explosionsartigen Verbreitung der Omikron-Variante geht die niedersächsische Landesregierung von einem Schulbeginn mit Präsenzunterricht am kommenden Montag aus. Es könne jedoch sein, dass die aktuellen Testvorgaben für die Schülerinnen und Schüler verschärft würden, sagte Regierungssprecherin Anke Pörksen vor Journalisten. 

So könnten die Frist zur täglichen Selbsttestung verlängert oder auch Geimpfte und Genesene in die Testungen mit einbezogen werden. Eine Entscheidung darüber könne kurzfristig fallen.

Verunsicherung zum Schulbeginn?

Bislang ist vorgesehen, dass Schülerinnen und Schüler in der Woche nach den Weihnachtsferien vor Schulbeginn täglich einen Selbsttest machen müssen, es sei denn, sie sind vollständig geimpfte oder genesen. Ab dem 17. Januar soll es wieder wie gewohnt drei Corona-Tests pro Woche geben.

Laut dem Leiter des niedersächsischen Corona-Krisenstabs, Heiger Scholz, liegt der Anteil der Omikron-Variante bei den Corona-Infektionen inzwischen bei über 70 Prozent; in der ersten Dezemberwoche seien es gerade mal 2,2 Prozent gewesen. 

„Man kann davon ausgehen, dass es wahrscheinlich schon in dieser Woche fast nichts anderes mehr geben wird als Omikron“, sagte Scholz. Spätestens in der nächsten oder übernächsten Woche sei dies der Fall. Vieles deute zwar auf mildere Verläufe hin; für eine Entwarnung aber sei es zu früh. 

Eine soeben in Frankreich aufgetauchte neue Corona-Variante mit mehr Mutationen als bei Omikron ist nach Auskunft der Experten in Niedersachsen bislang noch nicht aufgetaucht.

Nur noch in fünf niedersächsischen Landkreisen und kreisfreien Städte liegt die Inzidenz unter 100 (Landkreis Wittmund, Landkreis Friesland, Stadt Wilhelmshaven, Landkreis Goslar, Landkreis Aurich). Bei den Landkreisen Verden und Osterholz könne man davon ausgehen, dass es sich um Omikron-Hotspots handelt. Sie haben eine Sieben-Tage-Inzidenz von deutlich über 400. 

Es ist mit vielen Infektionen zu rechnen und mit milderem Verlauf

„Wir müssen mit sehr vielen Infektionen rechnen. Und wenn viele Menschen erkranken, auch wenn es milder verläuft, und sie sich zuhause auskurieren können, kann das natürlich personelle Auswirkungen auf die öffentliche Infrastruktur haben. Deshalb müssen wir beispielsweise die Entwicklung beim Personal in den Kliniken, wo sehr viele früh geimpft und früh geboostert wurden, genau beobachten“, sagte Regierungssprecherin Pörksen. 

„Ich kann mir nicht vorstellen, das wir Mitte Januar eine unkomplizierte Situation haben und dass die Maßnahmen gelockert werden können. Wir müssen uns in den nächsten Wochendarauf einstellen, dass Einschränkungen in wichtigen gesellschaftliche Bereiche bestehen bleiben“, sagte Regierungssprecherin Pörksen. Das könne sich auch in einer weiteren Anpassung der Corona-Verordnung niederschlagen.

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So sei nicht ausgeschlossen, dass sich auch Minderjährige künftig als Geimpft oder Genesen ausweisen müssen, um Veranstaltungen oder Restaurants zu besuchen. „Die Option liegt auf dem Tisch“, sagte Pörksen. Bei der nächsten oder übernächsten Überarbeitung der Verordnung könne darüber entschieden werden. Grundsätzlich gelte es aber immer, die Verhältnismäßigkeit im Auge zu haben; die Gerichte schauten der Politik „vor allem bei präventiven Maßnahmen sehr genau auf die Finger“.

Impfen nimmt nach den Feiertagen wieder Fahrt auf

Unterdessen nimmt das Impfen in Niedersachsen nach den Feiertagen wieder Fahrt auf. Allein am Montag seien über Gesundheitsämter und Arztpraxen 55.929 Impfungen verabreicht worden. „Die mobilen Impfteams sind gut unterwegs, das System funktioniert, alle Menschen, die geimpft werden wollen, werden wir bis Ende des Monats geboostert haben“, sagte der Leiter des Krisenstabs. 

Im Bundesdurchschnitt liegt Niedersachsen bei den Ü-18-Geipften mit knapp 51 Prozent auf Platz zwei. Rund 3,4 Millionen Menschen sind geboostert. Immer noch geben es täglich Erstimpfungen, leider jedoch nicht in dem Umfang, wie es angesichts der Situation wünschenswert wäre, sagte Scholz.

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