Osnabrück

Lieferstopps können für Strom-Kunden teuer werden - und für die Grundversorger

Nina Kallmeier
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Von Nina Kallmeier
| 01.01.2022 18:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Kunden, die durch einen Lieferstopp in die Grund- und Ersatzversorgung fallen, müssen mitunter deutlich mehr für Strom zahlen. Foto: Patrick Pleul
Kunden, die durch einen Lieferstopp in die Grund- und Ersatzversorgung fallen, müssen mitunter deutlich mehr für Strom zahlen. Foto: Patrick Pleul
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Schätzungsweise mehr als zwei Millionen Kunden mussten sich im vergangenen Jahr kurzfristig nach einem neuen Lieferanten für Strom und Gas umsehen. Sie werden vom Grundversorger ihrer Region weiterbeliefert. Das kann teuer werden.

Die Verbraucherzentrale kritisiert: Fallen Verbraucher aufgrund eines Lieferstopps ihres Anbieters in die Ersatz- bzw. Grundversorgung, kann das teuer werden. Udo Sieverding, Energieexperte der Verbraucherzentrale NRW spricht sogar von Schikane. Eine Stichprobe für Nordrhein-Westfalen, die Sieverding kurz vor dem Jahreswechsel auf Twitter veröffentlicht hat zeigt: Die Preisunterschiede der Energieversorger sind groß.

Für Neukunden in der Grundversorgung kann es vor allem bei den Stadtwerken Gütersloh teuer werden. Ein 14-tägig kündbarer Tarif weist für 3000 Kilowattstunden einen Arbeitspreis pro Kilowattstunde von 91,98 Cent aus. Bei den Stadtwerken Münster werden 27,48 Cent fällig. Wird Eon für die Grundversorgung zum Beispiel in Osnabrück, im benachbarten Niedersachsen, gewählt, liegt der Preis bei 30,75 Cent. Die Ersatzversorgung übernimmt Eon nicht. Die Stadtwerk Osnabrück geben als Grundversorger einen Verbrauchspreis von 61,88 Cent pro Kilowattstunde an.

Lesen Sie auch: Lieferstopp von Strom und Gas - das müssen Verbraucher wissen

Fünfstellige Zahl an Neukunden für EWE Vertrieb

Wie viele Kunden aufgrund eines Lieferstopps ihres Anbieters zu Eon in die Grund- und Ersatzversorgung gefallen sind, teilt das Unternehmen auf Anfrage nicht mit. Im gesamten Gebiet des Oldenburger Energiedienstleisters EWE fällt aktuell eine fünfstellige Kundenzahl aufgrund von Lieferstopps beziehungsweise Insolvenzen von Energiediscountern in die Ersatzversorgung von EWE Vertrieb. Kostenpunkt bei einem Verbrauch von 3000 Kilowattstunden in Oldenburg: ein Arbeitspreis von 26,26 Cent pro Kilowattstunde.

Unterschiedliche Tarife für Bestands- und Neukunden in der Grundversorgung gibt es nicht. Gleiches gilt für die Stadtwerke Flensburg. Da man seit der Liberalisierung des Strommarktes vergleichsweise wenige Kunden verloren habe, bewege sich die Zahl derer, die nun durch den Lieferstopp eines Discounters neu hinzukämen, im dreistelligen Bereich, heißt es auf Anfrage. Bei den Stadtwerken Osnabrück werden rund 1400 bisherige Stromio-Kunden jetzt automatisch beliefert.

Verband kritisiert Geschäftemacherei auf Kosten der Grundversorger

Doch nicht nur für Verbraucher kann der Wechsel in die Grund- und Ersatzversorgung mitunter deutlich teurer werden als zuvor, auch für die einspringenden Energieversorger kann eine hohe Zahl an Neukunden zu zusätzlichen Kosten führen: Sie müssen sich am Energiemarkt zum Beispiel mit zusätzlichen Strommengen eindecken. Und hier sind die Preise derzeit auf einem hohen Niveau.

Mit welchen Mehrkosten zu rechnen ist, die langfristig möglicherweise auch die Bestandskunden mittragen müssen, ist den Versorgern zufolge schwer einzuschätzen. Man müsse abwarten, wie sich der Preis weiterentwickele und dies mit den an den Börsen gesicherten Mengen abgleichen, heißt es aus Flensburg. Und auch EWE verweist auf den Verbrauch und den Beschaffungszeitpunkt für die benötigten Energiemengen.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) kritisiert derweil: „Billiganbieter betreiben Geschäftemacherei auf Kosten der Kunden und wälzen das ökonomische Risiko auf die Grundversorger ab“, so BDEW-Präsidentin Marie Luise Wolff. Sie forderte in Eingreifen der Bundesregierung. „Vor dem Hintergrund der durch externe Faktoren explodierenden Preise an den Energiemärkten kann es nicht weiter angehen, dass Anbieter in Niedrigpreiszeiten Reibach machen und sich bei steigenden Preisen nicht mehr um ihre Kunden kümmern.“ Dass Grundversorger Verantwortung übernähmen müsse von der Politik honoriert und unseriösen Geschäftsmodellen in der Daseinsversorgung Einhalt geboten werden.

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