Tourismus

Greetsieler Betriebe machen das Beste aus der Situation

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 31.12.2021 09:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Als sich unsere Zeitung jetzt im Greetsieler Ortskern umsah, waren ein paar hundert Besucher unterwegs. Oftmals Paare oder kleine Gruppen. Fotos: Wagenaar
Als sich unsere Zeitung jetzt im Greetsieler Ortskern umsah, waren ein paar hundert Besucher unterwegs. Oftmals Paare oder kleine Gruppen. Fotos: Wagenaar
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Im Gegensatz zu 2020 gibt es jetzt vor Silvester wieder Übernachtungsgäste in Greetsiel. Überfüllt ist der Ort zwar nicht und mehrere Hotels haben zu. Die Läden und Restaurants geben aber ihr Bestes.

Greetsiel - Vor einem Jahr gab es Ende Dezember härtere Kontaktbeschränkungen als jetzt und auch in Greetsiel durften die Gastwirte keine Urlauber mehr empfangen. Dieses Jahr sieht die Lage etwas besser aus, der Einzelhandel und Restaurants dürfen offenbleiben und in den ostfriesischen Innenstädten gibt es keine Maskenpflicht im Freien mehr. Welche Auswirkungen aber hat das letztendlich aufs Geschäft? Fotograf und Ur-Greetsieler Heinz Wagenaar und Redakteur Michael Hillebrand haben sich nach Weihnachten in dem Fischerdorf umgesehen und mit Gästen, Gastronomen und mit einem Geschäftsinhaber gesprochen.

Was und warum

Darum geht es: Wir haben mit Greetsiel-Besuchern, Gastronomen und einem Geschäftsinhaber über die derzeitige coronabedingte Lage in dem Ort gesprochen.

Vor allem interessant für: Personen, die überlegen, dem Ort in nächster Zeit mal (wieder) einen Besuch abzustatten

Deshalb berichten wir: Vor Weihnachten gingen die Meinungen über die touristische Lage in Greetsiel zwischen den Jahren etwas durcheinander. Wir haben uns darum ein eigenes Bild vor Ort gemacht.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Im Vorfeld hatten mehrere große Hotels im Ort angekündigt, mangels Nachfrage geschlossen zu bleiben. Zu groß sei die Verunsicherung der Gäste sowie das Hin- und Her mit der 2G und der 2G+-Regelung, hatte uns der Bezirksverband Ostfriesland des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands kurz vor Weihnachten gesagt. Ferienhaus und -wohnungsbesitzer, die flexibler und kurzfristiger als große Hotels planen können, sprachen hingegen von einem zufriedenstellenden Geschäft. Und tatsächlich: Bei dem Rundgang im Ortskern begegnen uns trotz des grauen Nieselwetters Hunderte Menschen, darunter viele Urlauber.

Aline Ilm fand es gut, dass es nicht so voll ist. Hier trägt sie ihre Tochter Mara auf dem Arm.
Aline Ilm fand es gut, dass es nicht so voll ist. Hier trägt sie ihre Tochter Mara auf dem Arm.

Inhaberin des Seesterns wechselt

So brechend voll wie vor der Pandemie ist es jedoch bei weitem nicht. „Das ist auch ganz angenehm so“, findet Aline Ilm aus Castrop-Rauxel, die gerade mit ihrer Tochter Mara und weiteren Familienmitgliedern spazieren geht. Man komme eigentlich jedes Jahr her, habe diesmal aber spontan gebucht, so Ilm. „Man muss es halt so nehmen, wie es kommt.“ Eine weitere Besuchergruppe, die aus Köln und aus der Gemeinde Westoverledingen (Landkreis Leer) kommt, sagt, dass ihnen der geringere Zulauf im Ort ein sichereres Gefühl gebe. Zudem sei man in einer Ferienwohnung untergebracht, wo es nicht zu direkten Begegnungen mit anderen Gästen komme. Es sei alles „schön und idyllisch“. Gleichzeitig habe man sich aber auch darüber gewundert, wie viele Restaurants geöffnet haben und wie hoch dort die Nachfrage sei.

Jennifer (von links), Etienne und Fenja Großer waren hier mit Reiner Beber und Ortrun Großer unterwegs.
Jennifer (von links), Etienne und Fenja Großer waren hier mit Reiner Beber und Ortrun Großer unterwegs.

Manuela Sinagowitz ist die Inhaberin des Restaurants Seestern, das die 2G+-Regel eingeführt hat. Rein darf also nur, wer geimpft oder genesen ist und zusätzlich auch noch getestet ist. So darf das Lokal komplett belegt werden und auch als wir nachmittags eintreten, sind mehrere Plätze belegt. Vor allem für den Silvestertag sei die Nachfrage groß. Nach Neujahr werde man vermutlich die Kapazität offiziell auf 70 Prozent drosseln, so dass auf die Tests verzichtet werden kann. „Dann ist eh wieder weniger los“, weiß Sinagowitz aus Erfahrung. Vor der Pandemie sei das Geschäft besser gelaufen, trotzdem sei alles besser als vor einem Jahr. Damals habe man nur ein bisschen zur Abholung kochen können. Gäste im Restaurant waren nicht erlaubt.

Manuela Sinagowitz hat im Restaurant Seestern die 2G+-Regel eingeführt.
Manuela Sinagowitz hat im Restaurant Seestern die 2G+-Regel eingeführt.

Allerdings sei es schwer, sich auf die sich ständig verändernden Corona-Regeln einzustellen. Während man sich über das Feuerwerksverbot freue, sorgten die Vorschriften in der Gastronomie nämlich für viel Verunsicherung, auch bei den Gästen. Jeden Tag riefen Leute an, um zu fragen, ob ihre Tischbuchungen überhaupt noch gültig seien. Zudem komme noch, dass es ohnehin schon schwer sei, Personal zu halten und man auch im Ausland inserieren müsse. Eine schwere Zeit, auch für Sinagowitz’ Tochter Svenja Mennen, die den Seestern zum Jahreswechsel übernimmt.

Jakob Wybrands vom Spielwarengeschäft „Dit und Dat“ hatte auch vor Weihnachten nur wenig Umsatz gemacht, sagt er.
Jakob Wybrands vom Spielwarengeschäft „Dit und Dat“ hatte auch vor Weihnachten nur wenig Umsatz gemacht, sagt er.

Bernd Hilbig ist der Inhaber der Greetsieler Börse, einem Zwölf-Zimmer-Hotel, das im Gegensatz zu den ganz großen im Ort auch jetzt geöffnet hat. Hilbig berichtet von ähnlichen Problemen wie Sinagowitz: Vor allem zu Silvester sei es voll, aber die Tage davor und danach – im Gegensatz zu früheren Jahren – nicht. Auch fehlten wegen der Kontaktbeschränkungen die großen Familien und der Gastwirt hat Angst, dass er sein Personal im Falle eines weiteren Shutdowns für immer verliert. „Immerhin laufen die Kosten weiter“, sagt er. Auch stünden Rückzahlungen für die bereits geleisteten staatlichen Corona-Nothilfen an. „Wir kämpfen aber weiter.“

Bernd Hilbig von der Greetsieler Börse betont: „Wir kämpfen weiter.“
Bernd Hilbig von der Greetsieler Börse betont: „Wir kämpfen weiter.“

Schlechtes Geschäft für Spielwarenladen

Jakob Wybrands wiederum betreibt das Spielwarengeschäft „Dit und Dat“. Während er zwischen Bauklötzen, Kuscheltieren und Gesellschaftsspielen steht, klagt er über das schlechte Geschäft in diesem Jahr. Zwischen den Jahren werde er im Vergleich mit Vor-Corona-Zeiten wohl nur die Hälfte des Umsatzes machen, vermutet der Verkäufer. Auch vom Vorweihnachtsgeschäft habe er nicht viel gemerkt. Er vermutet, dass viele Leute keine Lust auf die Maskenpflicht haben und stattdessen lieber möglichst alles online bestellen. Dazu kämen die sich ständig ändernden Verordnungen. „Die Regierung hätte schon viel früher eine Impfpflicht einführen sollen“, findet Wybrands. Unterdessen freut sich die Greetsielerin Silvia Haug, eine der wenigen Kundinnen an diesem Tag. Vor der Pandemie habe sie zum Jahresende immer nur morgens eingekauft, weil es überall voll war. Nun gehe das auch nachmittags.

Überall im Ort sind solche Schilder zu finden.
Überall im Ort sind solche Schilder zu finden.

Dort, wo in Greetsiel derzeit die 2G+-Regel gilt, kann man sich häufig auch direkt vor Ort testen lassen. Ansonsten gibt es noch das Testzentrum im Gemeindehaus der reformierten Kirche. Die Betreiberin des erste wenige Tage alten Zentrums, Rebecca Hasberg, zeigt sich auf Nachfrage zufrieden. „Wir sind super ausgelastet“, sagt sie am Mittwoch im Telefon-Gespräch mit dieser Zeitung.

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