Osnabrück

Tatort „Gier und Angst“: Die Junkie-Braut und der Kommissar

Joachim Schmitz
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Von Joachim Schmitz
| 28.12.2021 16:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Kommissar Jan Pawlak (Rick Okon), mit seiner Frau Ella (Anke Retzlaff) - im Nachtclub, wo die heroinabhängige Ella eine Perücke trägt, hat er sie nach einem Jahr zufällig wieder getroffen. Foto: WDR/unafilm GmbH/Elliott Kreyenberg
Kommissar Jan Pawlak (Rick Okon), mit seiner Frau Ella (Anke Retzlaff) - im Nachtclub, wo die heroinabhängige Ella eine Perücke trägt, hat er sie nach einem Jahr zufällig wieder getroffen. Foto: WDR/unafilm GmbH/Elliott Kreyenberg
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Von „Gier und Angst“ handelt der Dortmunder Tatort heute Abend. Vor allem ein Kommissar wird von der Angst getrieben - der Angst um seine Frau.

Er ist zwar der jüngste Tatort des WDR, doch 2022 steht auch für die Dortmunder ein kleines Jubiläum an: Das Team um die sich hassliebenden Ermittler Faber (Jörg Hartmann) und Bönisch (Anna Schudt) feiert im neuen Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Beim Start ins Jubiläumsjahr allerdings rumpelt es. Regisseur Martin Eigler und Autor Lars Neuwöhner, die zusammen auch schon das Drehbuch zum herausragenden Dortmunder Tatort „Sturm“ (2017) schrieben, erzählen diesmal eine ziemlich krude Geschichte von Finanzspekulanten, Nachtclubmilieu und Drogensucht.

Bevor der vom Regen durchnässte Bankmanager Josef Micklitza (Stefan Rudolf) am späten Abend das Dortmunder Polizeirevier betritt, zieht er sich fix noch eine Nase Koks in den Kopf. Und erzählt den Kommissaren Faber (Jörg Hartmann) und Pawlak (Rock Okon) dann von einer Leiche im Hafen: Der Vermögensberater Claus Lembach ist offenbar in seinem Wagen erschossen worden.

So stark war der letzte Dortmunder Tatort vor sechs Wochen

Verabredet war er dort mit Micklitza, der kurz nachdem er seine Aussage gemacht hat, untertaucht. Geeint hatte die beiden ihre Geschäftsbeziehung zur Vermögensholding eines gewissen Wiglaf Beck (Heiko Pinkowski), dessen Zwielichtigkeit man am Fernseher geradezu riechen kann.

Wie Faber an seinen Opel Manta kam

Damit nicht genug der Klischees. Die Ermittlungen führen Faber, Pawlak und ihre Kolleginnen Bönisch und Herzog (Stefanie Reinsperger) direkt zu Micklitzas Bruder Micki (Sascha Geršak), einem heroinabhängigen Nachtclubbesitzer. Und - Überraschung - dessen „Junkie-Braut“, wie Faber sie betitelt, ist Pawlaks seit einem Jahr spurlos verschwundene Ehefrau Ella.

Was den jungen Ermittler natürlich dazu bringt, auf eigene Faust zu versuchen, seine Frau aus dem Drogensumpf zu ziehen. Damit ist nach einer knappen halben Stunde ein zweiter dicker Handlungsstrang ausgelegt, der nicht nur ziemlich haarsträubend ist, sondern auch den eigentlichen Kriminalfall über weiter Strecken überlagert und doch mit ihm verwoben ist.

Da trifft ein undurchsichtiger Betrugsfall aus der Hochfinanz auf ein fast rührseliges Drogendrama. Und das ist einfach zu viel des guten Versuchs, denn beides wird am Ende nicht überzeugend auserzählt und wirkt seltsam aneinandergetackert.

Dazu ist Faber mittlerweile geradezu normal, Bönisch beendet ihre Beziehung zum Kollegen Haller durch Nasenbeinbruch, Pawlak ist völlig „out of control“ und Herzog noch immer nicht so recht angekommen. Auch wenn „Gier und Angst“ kein schlechter Krimi ist, kann er trotz eines überzeugenden Gastauftritts von Sascha Geršak den allermeisten der bisherigen Dortmunder Tatort-Folgen doch nicht das Wasser reichen.

Interview: So tickt Sascha Geršak

Tatort: Gier und Angst. Das Erste, Sonntag, 2. Januar 2022, 20.15 Uhr.

Wertung: (knapp) 4 von 6 Sternen

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