Wetter-Jahresrückblick
Klare Zeichen für den Klimawandel in Ostfriesland
Nach Jahren der Rekordhitze und -dürre fiel das Wetter 2021 in Ostfriesland im Ganzen moderater aus. Trotzdem ist DWD-Mitarbeiter Jörg Deuber alles andere als erleichtert. Ihn beunruhigen die Details.
Ostfriesland - Das Wetter bescherte den Ostfriesen ein zu warmes, zu nasses und verhältnismäßig sonnenarmes Jahr 2021. Im langfristigen Vergleich weichen alle drei Werte moderat von den statistisch zu erwartenden Daten ab. Jörg Deuber vom Deutschen Wetterdienst (DWD) spricht von „vertretbaren Schwankungen“.
In zehn von zwölf Monaten fielen die Temperaturen an der Messstation in Emden höher aus als gewöhnlich. Lediglich der April und Mai waren in der statistischen Betrachtung zu kühl. Unter dem Strich war es mit einer Durchschnittstemperatur von 9,8 Grad über das gesamte Jahr gesehen 0,7 Grad zu mild. In den vorangegangenen drei Jahren waren in der Region im Mittel 10,6 beziehungsweise 10,8 Grad gemessen worden. 
Tornado und zerstörerischer Hagelschauer
Allerdings blieb die Region auch in diesem Jahr nicht von Extremen und Ausreißern verschont. Als Beispiel für Veränderungen, die Deuber dem fortschreitenden globalen Klimawandel zuschreibt, nennt er den 16. August. An jenem Tag fegte ein Tornado der Kategorie F2 – bewertet wird die Schadensklasse – über Berumerfehn hinweg und hinterließ eine Spur der Verwüstung. Der Oldersumer arbeitet seit rund 45 Jahren beim Wetterdienst. „So etwas hatte es in Ostfriesland noch nicht gegeben“, macht er deutlich. Er werte das Phänomen als „klares Zeichen“ für die zum großen Teil menschengemachten Umwälzungen in der Natur, so Deuber.
Als ungewöhnlich bezeichnet er auch den Hagelschauer, der Mitte Juni über Teilen der Krummhörn niederging. Die bis zu mehreren Zentimeter großen Hagelkörner vernichteten binnen weniger Augenblicke die Ernte auf etlichen Feldern und sorgten für Millionenschäden. In anderen Landstrichen ließen stehende Gewitter Keller volllaufen und entwurzelten Bäume. 
Im Februar fiel am wenigsten Regen
Dass das Jahr in Ostfriesland mit insgesamt 809,2 Litern Regen auf den Quadratmeter zu nass war, ist vor allem den Monaten Mai und Oktober zuzuschreiben. In beiden fielen jeweils rund 110 Liter und damit wesentlich mehr als üblich. Am trockensten war es im Februar, der in Emden gerade einmal 30,6 Liter brachte.
Alle, die in diesem Jahr gefühlt auf einen richtigen Sommer in Ostfriesland verzichten mussten, können sich anhand der gemessenen Sonnenscheindauer bestätigt sehen. In den Ferienmonaten Juli und August machte sich die Sonne rar und schien etliche Stunden weniger als üblich. Dagegen waren die 235 Sonnenstunden im Juni überdurchschnittlich. Normal wären im Monat der Sommersonnenwende in Emden statisch 208,6 Stunden gewesen.
Die für das Jahr 2021 insgesamt betrachtet eher moderaten Wetter-Schwankungen in Ostfriesland können laut Deuber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Klimawandel längst bedrohliche Ausmaße angenommen habe. „Klima ist die Betrachtung über einen langen Zeitraum“, gibt er zu bedenken. Vor allem sei der Blick in andere Teile der Erde entscheidend, sagt er. Im Nordwesten Kanadas etwa hätten die Temperaturen 20 Grad über dem langjährigen Mittel gelegen. Für Deuber steht fest: „Wir werden mit den Folgen leben müssen, anstatt nur zu versuchen, dagegen anzukämpfen.“