Soziales

Sozialwerk fehlen Betreuer für minderjährige Flüchtlinge

| 27.12.2021 19:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Bild zeigt das Logistikzentrum „Bruzgi“ in Grodno an der belarussisch-polnischen Grenze. Hier wäscht eine Frau gerade ihre Kleidung. DPA-Foto: Pavel Golovkin
Das Bild zeigt das Logistikzentrum „Bruzgi“ in Grodno an der belarussisch-polnischen Grenze. Hier wäscht eine Frau gerade ihre Kleidung. DPA-Foto: Pavel Golovkin
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Das Sozialwerk Nazareth in Norddeich ist eine von wenigen Stellen im Land, die sich um minderjährige Flüchtlinge kümmern. Es fehlt aber an Personal. Die Norder Politik macht unterdessen Druck.

Norden / MEI/HIB - Die Stadt Norden ist eine von vielen Kommunen in Deutschland, die sich in der Vergangenheit der Initiative „Seebrücke“ angeschlossen haben und sich als „sicheren Hafen“ bezeichnen. Damit erklären sie sich bereit, auch Flüchtlinge aufzunehmen, die über den regulären Verteilschlüssel hinausgehen. Nun beschloss die Norder Politik zudem noch auf Antrag der SPD eine Resolution, die eine Antwort auf die aktuelle Flüchtlingskrise an der polnisch-belarussischen Grenze darstellt. Darin wird die Bundesregierung dazu aufgefordert, gerade auch diese Flüchtlinge, die bei eisigen Temperaturen unter menschenunwürdigen Verhältnissen ausharren müssen, im Rahmen der geltenden Gesetze aufzunehmen. Das ist jedoch leichter gesagt, als getan.

Im Gegensatz zum Jahr 2015, als unter der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Deutschland seine Grenzen uneingeschränkt öffnete, scheitern die Menschen jetzt nämlich bereits daran, überhaupt in die EU zu gelangen. So hat der Beschluss wohl auch keine direkten Folgen für die die Stadt Norden. „Es handelt sich hierbei um einen Aufruf an die Bundesregierung, Menschlichkeit zu zeigen“, erklärt Burghard Eggert von der Flüchtlingshilfe Altkreis Norden im Gespräch. Es sei ein symbolischer Akt und solle zeigen, dass es viele Menschen gebe, die helfen wollen und keine Angst davor haben, mit Fremden zusammenzuleben. „Wir wissen, dass wir nicht die Macht haben, diese Zustände zu ändern. Aber vielleicht können wir die öffentliche Meinung dazu bringen, mehr Druck auf die Regierenden auszuüben.“

Etwa 40 minderjährige Flüchtlinge im Sozialwerk

Sollten tatsächlich wieder mehr Menschen in Ostfriesland eintreffen, müssen zudem erst wieder die Kapazitäten hochgefahren werden. So schlägt beispielsweise auch das Sozialwerk Nazareth in Norddeich Alarm. Die Einrichtung stellte bereits vor Jahrzehnten eine der wichtigsten Anlaufstellen in Deutschland dar, als Boatpeople vor dem Vietnamkrieg beziehungsweise vor dessen Folgen flohen. Heute ist das Sozialwerk eine von sehr wenigen Einrichtungen in Niedersachsen, die sich um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge kümmern. Derzeit seien jedoch mehrere Stellen unbesetzt, bestätigt der Geschäftsführer Klaus Rinschede auf Nachfrage unserer Redaktion. „Das ist ein Problem, das auch viele andere Jugendhilfe-Einrichtungen und auch Kindergärten haben.“

Dennoch sei das Sozialwerk bemüht, trotzdem immer eine Lösung zu finden und weitere Minderjährige aufzunehmen. Auch in den vergangenen gut zwei Wochen seien neue dazugekommen, Anfang des Jahres komme eine weitere Person dazu. Insgesamt kümmere man sich aktuell um etwa 40 Minderjährige, die vor allem aus Afghanistan und Syrien, aber unter anderem auch von der Elfenbeinküste, aus Somalia, Nigeria, Gambia und Eritrea stammen. Man kläre bei allen die Flüchtlingshintergründe, also von wo sie stammen und wo die Eltern oder andere Familienangehörige sind. Dann werde ein Vormund bestellt. Bleiben die Minderjährigen dauerhaft beim Sozialwerk, kümmere man sich um die Einschulung, die Vermittlung eines Berufs oder einer Ausbildung und bringe ihnen bei, sich selbstständig zu versorgen, so Rinschede weiter.

Von der polnisch-weißrussischen Grenze sei bislang aber noch niemand eingetroffen. Dabei bestehe gerade dort Handlungsbedarf, betonen die Seebrücken-Initiatoren und Unterstützer in Norden, zu denen neben der SPD auch das Bündnis „Norden rettet“, der Kirchenkreis Norden und die Flüchtlingshilfe im Altkreis Norden gehören. „Tausende Menschen – Kinder, Frauen, Männer – sitzen [an der Grenze]“, heißt es in ihrer Resolution. „Auch Tote hat es dort bereits gegeben. Der belarussische Präsident benutze die Flüchtlinge als Geiseln und sowohl Polen als auch die EU wehrten sich mit allen Mitteln dagegen, diese Menschen aufzunehmen. Es sei die Aufgabe Deutschlands, das Elend dieser Menschen zu beenden, ein geordnetes Asylverfahren zu ermöglichen und einen gesicherten Schutz und Aufenthalt zu garantieren.

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