Feuerwerksverbot
„Tick Tack Bumm“ statt Böllern
Das Verkaufsverbot für Böller erfordert ein Umdenken bei der Silvesterplanung: Wie wäre es mit Gesellschaftsspielen? Das Angebot ist groß: von der Mörderjagd bis zu schnellen Partyspielen.
Ostfriesland - „Tierkacke-Bingo“, „Tick Tack Bumm“, „Murder Mystery Party“ oder „Hidden Games Tatort“ – so heißen die Alternativen, die der Auricher Einzelhandel in der Innenstadt als Ersatz zum Böllern für das Silvesterfest ins Rennen schickt. Alle Befragten sind sich einig: Je nach Alter und Interessen der Gäste sollte zum Jahreswechsel das passende Gesellschaftsspiel dabei sein. Vor dem Hintergrund ist es wenig verwunderlich, dass Gesellschaftsspiele und Puzzles zu den Gewinnern der Corona-Krise gehören. Um 20 Prozent hat der Umsatz der Spielebranche im ersten Corona-Jahr zugenommen. Von 594 Millionen Euro im Jahr 2019 steigerte er sich im Jahr 2020 auf 718 Millionen Euro laut der Vereinigung der Spieleverlage.
Was und warum
Darum geht es: Gesellschaftsspiele statt Böllern? Das Feuerwerksverbot eröffnet neue Perspektiven bei der Silvesterplanung.
Vor allem interessant für: alle, die Tipps für einen gemütlichen Jahreswechsel suchen
Deshalb berichten wir: Gesellschaftsspiele sind die Gewinner der Corona-Krise. Noch ist Zeit zu planen und Silvester zu einem Spiele-Erlebnis zu machen. Die Autorin erreichen Sie unter: n.boening@zgo.de
„Wir feiern mit ein paar Leuten entspannt zusammen und werden wohl auch selbst ein Spiel spielen“, sagt Andrea Uphoff von Hermerding Kindermoden und Spielwaren in Aurich. Die Wahl wird mit großer Wahrscheinlichkeit auf ein Spiel der Hidden-Games-Tatort-Reihe fallen. In der Winter-Sonderfolge „Eiskaltes Verbrechen“ suchen die Spieler gemeinsam nach einem Mörder, der auf dem Weihnachtsmarkt sein Unwesen getrieben hat. Es werden Unterlagen nach Beweisen durchsucht und Alibis geprüft. „Witzig ist auch, wenn man während der Suche bei den Kontaktnummern telefonisch Hinweise erhält oder erfährt, ob man dem Täter auf der Spur ist“, so Uphoff. Das Gute für Menschen, die Silvester allein verbringen: Diese Spiele funktionieren auch mit nur einer Person.
Gemeinsame Mördersuche
Ein weiterer Aspekt kommt bei der Empfehlung von Laura Schröder von der Buchhandlung Lesezeichen Aurich hinzu. Ihre Schwester schwört auf die Weiterentwicklung der Krimi-Dinner-Idee für zu Hause. „Bei der ‚Murder Mystery Party‘ isst man gemeinsam. Jeder schlüpft in eine Rolle und man begibt sich auf die Suche nach dem Mörder“, so Schröder. Das Spiel ist für acht Spieler vorgesehen. Mit der Übergabe der Einladung erhält jeder Gast eine Rolle aus der Geschichte. So können sich die Spieler im Vorfeld mit passenden Requisiten und einem Kostüm ausstatten. Am Tag des Dinners bereitet der Gastgeber den Abend vor. Hierfür bietet das Spiel einen Partyplaner mit Deko-Vorschlägen, Rezepten und Einkaufslisten.
Wer es lieber weniger aufwändig mag und auch Kinder in die Spiele einbinden möchte, kann auf schnelle Partyspiele zurückgreifen. Dabei bieten sich nach dem Weihnachtsfest Spiele mit Bewegung an, findet Birgit Trost von Hermerding Kindermoden und Spielwaren: „Der Klassiker ist das Spiel ‚Twister‘.“ Bei dem Spiel müssen die Spieler ihre Hände und Füße auf einem auf dem Boden liegenden Spielbrett platzieren. Die Kunst ist, bei immer neuen herausfordernden Positionen nicht aus dem Gleichgewicht zu geraten.
Haufen und Kommunikationsspiele
Darf es zum Jahreswechsel auch etwas Deftigeres sein? Schon allein der Name des Spiels, das Traute Schroeder vom Naturwarenhaus Das Einhorn empfiehlt, ist witzig: Beim „Tierkacke-Bingo“ lernen die Spieler viel über die verschiedensten tierischen Haufen. Das Spiel funktioniert ab zwei Mitspielern für Kinder ab 4 Jahre. „Auch Erwachsene werden dabei ihren Spaß haben“, versichert Traute Schroeder. Schroeders Kollegin Dana Bollier : „Wenn Erwachsene zusammen spielen, sind Kommunikationsspiele eine gute Idee. So kommt man mal auf einer ganz anderen Basis miteinander ins Gespräch.“ Dafür gibt es die unterschiedlichsten Varianten: Bei Therapy für Spieler ab 12 Jahren versuchen die Spieler zum Beispiel als Psychiater und wollen die Mitspieler therapieren. Es gibt auch Spiele wie „Gesprächsstoff“, in dem sich die Mitspieler zu verschiedenen Themen miteinander diskutieren. Zum Beispiel: „Was ist dir wichtiger: Geld oder Liebe?“ oder „Was war die längste Minute in deinem Leben?“
Auch Trinkspiele wie „Klattschen“ oder klassische Partyspiele wie „Hedbanz“ passen je nach Gruppe zur Silvesterfeier, findet Birgit Trost. Bei „Klattschen“ müssen die Mitspieler Begriffe erklären oder darstellen und dabei jede Menge Regeln befolgen. Getrunken werden muss, wenn das nicht klappt. „Hedbanz“ ist eine Abwandlung des Partyspiels „Wer bin ich?“. Dabei kleben sich die Mitspieler gegenseitig Zettel mit Namen auf die Stirn. Jeder muss anhand von Fragen erraten, welche reale oder fiktive Person er ist. „Hedbanz“ ist die kinderfreundliche Version, bei denen die Spieler Gegenstände aus dem Alltag erraten müssen.
Etwas Lärm für den Jahresabschied
Ein ganz heißer Tipp passend für Silvester kommt ebenfalls von Birgit Trost: Wer dem ursprünglichen Zweck des Festes auch im Spiel näher kommen möchte, der schlägt mit „Tick Tack Bumm“ zwei Fliegen mit einer Klappe. Darin wird eine tickende Zeitbome herumgereicht. Die wechselt erst den Besitzer, nachdem eine Aufgabe erledigt wurde. Bei wem der „Böller“ hoch geht, der hat verloren. Das Spiel erfordert schnelles Denken und Schlagfertigkeit.
Ursprünglich wurde Silvester übrigens von den Germanen erfunden: Mit dem Lärm wollten sie zum Neujahrswechsel den bösen Kriegsgott Wotan vertreiben. Wer es ihnen in diesem Jahr auch ohne Feuerwerk und Böller nachmachen möchte, kann auf bereits im Mittelalter bewährte Methoden zurückgreifen: Die Menschen lärmten damals mit Töpfen und Rasseln, später kamen Pauken und Trompeten dazu. Eine Umfrage der Plattform Statista unter mehr als 1000 zufällig ausgewählten Personen hatte allerdings ergeben, dass den Menschen zu Silvester ganz andere Bräuche viel wichtiger sind als das Böllern: Ganz vorne stehen bei den Befragten um Mitternacht mit Champagner anzustoßen und Freunden und Familie ein frohes Jahr zu wünschen. Nur 21 Prozent wollen überhaupt Böllern.