OZ-Serie „Zukunft Ostfriesland“
Sensoren für Parkplätze der Zukunft
Es gibt zurzeit eine Reihe von Firmen, die an intelligenten Parkplatzsystemen für Innenstädte arbeiten. Auch ein Leeraner Unternehmen ist dabei.
Ostfriesland - Autofahren im dichten Innenstadtverkehr kann Zeit und Nerven kosten. Wenn die Zeit ohnehin schon drückt, wird die Parkplatzsuche zu einem zusätzlichen Stressfaktor. Bis zu 30 Prozent des Verkehrs in Innenstädten gehen Berechnungen zufolge auf das Konto von Autofahrern, die einen Parkplatz suchen. Dabei gibt es oft durchaus noch freie Parkplätze – sie zu finden, das ist die Herausforderung. Während es in vielen Städten bereits Anzeigen für freie Plätze in Parkhäusern gibt, sind solche Informationen für Stellflächen unter freiem Himmel meist noch nicht verlässlich verfügbar.
Der Parkplatz der Zukunft hat Sensoren
Das könnte sich schon bald grundlegend ändern, glaubt Prof. Heinz-G. Redeker, Gründer von eQ-3. Das Leeraner Technologie-Unternehmen mit Sitz in Logabirum gehört zu einer Reihe von Firmen, die derzeit an intelligenten Parkplatzsystemen für Innenstädte arbeiten. Große Unternehmen wie Bosch oder Siemens entwickeln neue Technologien, die schon bald flächendeckend Einsatz finden sollen, aber auch viele kleinere Start-ups sind interessiert und haben Ideen.
Was sind Parkplatzsensoren?
Im Grunde genommen geht es dabei um verschiedene Ansätze, Informationen darüber, ob ein Parkplatz besetzt oder frei ist, für jeden Autofahrer zugänglich zu machen. Oftmals kommen dabei sogenannte Parkplatzsensoren zum Einsatz. Die Sensoren, die das Leeraner Unternehmen entwickelt, haben die Größe eines Trinkglases und können mittig auf Stellflächen eingelassen werden. Vorhandene genormte Pflastersteine können durch einen Stein mit Sensor ausgetauscht werden. Für andere, beispielsweise asphaltierte, Flächen hält das Unternehmen spezielle Bohrer bereit. „Die Sensoren werden flächenbündig eingelassen. Somit gibt es keine Einschränkungen für die Reinigung oder das Schneeräumen“, erklärt Redeker.
Das Besondere an den Sensoren aus der Leeraner Ideenschmiede sei deren extrem lange Batterielaufzeit. „Wenn Sie in einer mittleren Stadt 10.000 Parkplätze haben und die Sensoren im Jahresrhythmus gewartet werden müssen, dann hätten Sie täglich 50 Sensoren zu tauschen beziehungsweise zu warten“, erklärt Redeker. „Das kann eine Vollzeitkraft kaum leisten, ganz zu schweigen von den dadurch entstehenden Kosten.“ Die Sensoren von eQ-3 sollen nach Angaben des Unternehmens bis zu zehn Jahre wartungsfrei bleiben. Aus diesem Grund sei das Produkt deutlich wettbewerbsfähiger als das der Konkurrenz, so Redeker.
Wie funktionieren die Sensoren?
Die Sensoren „blicken nach oben“ und prüfen, ob ein Fahrzeug auf dem Stellplatz steht. „Diese Info wird per spezieller, extrem stromsparender Funktechnik an Internetknoten geliefert und dann zu einem zentralen, in Deutschland stehenden Server“, so Redeker. Von dort aus sei jegliche Form der Anbindung an Anzeigesysteme möglich. So könne jeder interessierte Nutzer eine App herunterladen, die ihm anzeigt, wo freie Parkplätze zu finden sind. Das spare nicht nur Zeit und Nerven, sondern verringere auch das Verkehrsaufkommen und die Belastung für die Umwelt. Auch für den Einzelhandel in der Innenstadt bieten Parkplatzsensoren eine Chance: Wer sich drauf verlassen kann, keine Parkplatzsuche befürchten zu müssen und vielleicht schon von zu Hause prüfen kann, wo es freie Parkplätze gibt, fährt vielleicht eher los als Ware im Internet zu bestellen.
Wie ist der aktuelle Entwicklungsstand?
Die Entwicklung eines solchen Systems dauert nach Angaben von Redeker üblicherweise fünf Jahre und länger. Schlüsselkomponenten, wie etwa das Kommunikations-Frontend seien bei eQ-3 bereits fertig entwickelt und seit Sommer dieses Jahres in Serie verfügbar. Die Sensorik der Fahrzeugerkennung befinde sich derzeit in der Validierung. „Wir befinden uns aktuell etwa zwei Jahre vor Markteinführung. Dabei hoffen wir, noch im kommenden Jahr die ersten Testinstallationen vornehmen zu können“, so Redeker. Zunächst soll der Kontakt zur Stadt Leer und zu den Kommunen im Landkreis Leer hergestellt werden.
Städte arbeiten bereits an neuen Konzepten
Die Stadt Leer arbeitet bereits an neuen Ideen des Parkraummanagements. Der Anstieg des motorisierten Verkehrs und die dadurch entstehenden Probleme, beispielsweise bei der Parkplatzsuche, seien eine zentrale Herausforderung für die Stadt, weil ein zusätzlicher Ausbau der Verkehrsinfrastruktur in vielen Gebieten kaum noch möglich sei. „Parkraummanagement ist für die Stadt Leer, insbesondere für die Innenstadt, von großer Bedeutung und ein wichtiges Thema der nächsten Jahre“, schreibt Patrick Düselder von der Stadt Leer aus dem Fachbereich Zentrale Steuerung und Organisation. Auch die Stadt Emden zeigt grundsätzliches Interesse und arbeitet ebenfalls an einem Parkraumbewirtschaftungskonzept. „Ziel sind hier keine Klein-Klein-Lösungen, sondern der ganz große zukunftsfähige Wurf inklusive Parkleitsystem und moderner Bezahlsysteme“, sagt Stadtsprecher Eduard Dinkela.
Wie digital sind Ostfrieslands Parkplätze schon?
von Stephanie Tomé
Ostfriesland - Wer in Ostfrieslands Städten einen Parkplatz sucht, findet meist noch klassische Parkscheinautomaten vor. Das Problem: Wer kein Kleingeld zur Hand hat, kann kein Parkticket lösen. Und läuft die Zeit ab, während man noch in der Schlange beim Einkaufen steht, lässt sich die Parkzeit auf die Schnelle nicht verlängern: Ein Knöllchen droht. Etwas einfacher ist es, wenn man mit dem Handy ein Parkticket lösen kann. Dies bieten inzwischen fast alle ostfriesischen Kommunen an. So ist es beispielsweise möglich, eine SMS mit dem Autokennzeichen an eine Nummer zu schicken. Die Parkgebühr wird dann automatisch über das Handy abgerechnet. Endet die Parkzeit, gibt es automatisch eine Erinnerungsnachricht und die Möglichkeit, das Ticket zu verlängern. Darüber hinaus kann auch über eine App des Anbieters „Pay by phone“ ein Ticket in Aurich, Emden, Leer und Norden gelöst werden. Dort gibt es auch eine Prognose zur Parkplatzauslastung: Die App zeigt durch unterschiedlich gefärbte Parkzonen die Wahrscheinlichkeit, mit der Autofahrer einen freien Parkplatz finden können. Das Prinzip ist einfach: Ist ein Bereich grün markiert, gibt es eine hohe Chance, einen freien Platz zu finden, bei einer roten Markierung ist sie eher gering. Allerdings gibt es keine Informationen für einzelne Stellflächen, sondern lediglich für Bereiche. Nach Angaben des Anbieters „Pay by phone“ werden aus den Kommunen Daten übermittelt, die in eine Statistik einfließen, aus der die Prognose erstellt wird. Dabei arbeitet „Pay by phone“ unter anderem auch mit der Universität Hildesheim zusammen und testet Algorithmen zur Vorhersage der Wahrscheinlichkeit, ob es in einer Zone freie Parkplätze gibt und wie viele.
Glossar
Automated Valet Parking
Digitale Parkplatzsysteme könnten schon bald mit dem autonomen Fahren kombiniert werden. Mehrere Unternehmen entwickeln bereits Lösungen für das automatische Einparken. Dabei manövriert das Fahrzeug wie ferngesteuert etwa durch ein Parkhaus.
Schrankenlose Parkhäuser
Neue Parkhäuser kommen oftmals ohne Schranken aus. Die Autos können einfach ein- und ausfahren. Bezahlen müssen die Fahrer trotzdem. Kameras nehmen bei der Ein- und Ausfahrt die Kennzeichen der Autos auf und ermitteln so die Parkzeit. Die Kunden können an Kassenautomaten zahlen oder per Handy-App.
Airbnb für Parkplätze
Was für Urlaubsdomizile längt etabliert ist, lässt sich auch auf Parkplätze übertragen. Wer auf dem eigenen Grundstück einen freien Parkplatz hat, kann diesen auch anderen anbieten. Online-Vermittlerdienste machen daraus ein Geschäft. Wer einen Parkplatz anbieten möchte, gibt online die verfügbare Zeit, den Ort und die Kontaktmöglichkeiten an. Je besser und zentraler die Lage, desto höher die Preise. Diese legen die Anbieter selber fest.
Mobility-Hub
In Köln hat im letzten Jahr ein sogenanntes Mobility-Hub eröffnet, das deutschlandweit Schule machen soll: Es bietet Auto- und Radfahrern nicht bloß Stellplätze, sondern ein umfassendes Service- und Mobilitätsangebot ohne Schranken, Tickets oder Kleingeldsuche. Es kombiniert Auto- und Fahrradstellplätze, Car-Sharing und E-Ladestationen. Für Radfahrer gibt es künftig zudem Spinde sowie einen Reparaturservice auf Abruf.
Mehr zum Thema
41 Stunden pro Jahr auf Parkplatzsuche
Laut einer Studie des amerikanischen Anbieters von Verkehrsdaten Inrix, der die volkswirtschaftlichen Kosten der Parkplatzsuche untersucht, verbringen Autofahrer in deutschen Städten durchschnittlich 41 Stunden pro Jahr mit der Suche nach einem Parkplatz. Das verursacht pro Autofahrer im Jahr Mehrkosten in Höhe von 896 Euro, wenn man die verschwendete Zeit, den Benzinverbrauch und die zusätzliche Abgasbelastung in Betracht zieht. Demzufolge kostet der Parkplatz-Suchverkehr die Deutschen mehr als 40 Milliarden Euro pro Jahr.
Die Studie
Die Inrix-Studie kombiniert Daten aus der weltweit umfangreichsten Park-Datenbank, die über 8700 Städte in mehr als 100 Ländern umfasst, mit den Ergebnissen einer Umfrage unter rund 18.000 Autofahrern in Deutschland, Großbritannien und den USA. In Deutschland wurden mehr als 5000 Autofahrer aus zehn Städten befragt.
Mit dieser Folge endet die Serie „Zukunft Ostfriesland“. In den nächsten Monaten geht es mit einer Serie rund ums Wohnen weiter.